Erster Kuss mit 45 – warum nicht?!

Besser, als mit 60; wer weiß, vielleicht wird der erste Sex dann mit 253 erfolgen, quasi mit Lichtgeschwindigkeit! Glück lässt sich auch nicht allgemeingültig definieren, da tiefe Zufriedenheit so individuell wie die Menschen selber ist. Ich habe bislang auch nichts vermisst, da nicht gekannt, das ist mir auch nicht peinlich. Im Gegenteil, macht mich das in der heutigen Zeit doch eher noch zum Exoten; ich hatte immer schon zuviel Respekt vor anderen Menschen. Wohl auch in allen meinen Umfeldern immer mal wieder mit Menschen zu tun gehabt, die mir das Leben schwer machten, und ich das meinerseits unvorbereitet und bester Dinge leider genauso absorbierte. Durch diese Prägung habe ich anscheinend den wohltuenderen Rückzug von der ‚unangenehmen Menschheit’ gewählt. Bin in der Jugend menschenscheu geworden wie ein Wolf, der die Zivilisation meidet. Hatte ich doch stattdessen außerdem mehr Zeit für anderes und in so manchen Belangen meine Ruhe. Und das kann herrlich sein! Auch könnten sich wohl viele Geistliche von mir eine Scheibe abschneiden. Hart, aber wahr. Wow, wie wär’s: Ich der nächste Kardinal oder Papst? Super!

Mal wieder sah ich mich in der Mitte des Lebens angekommen und damit konfrontiert, dass ich eine bestimmte Freizeitbeschäftigung immer noch nicht ausprobiert hatte. Oh je, aber die hatte doch zwangsläufig damit zu tun, sich auf andere Menschen einzulassen! Und Frauen sollen doch heutzutage schon mal ihre verschiedentlichen, einnehmenden Vorstellungen haben; nicht dass ich biblische Wertevorstellungen wünschte (Frauen kommen dort sogar erst nach dem Haushund, so mein damaliger Religionslehrer!), ich bin nämlich ein Freund der vollumfänglichen Gleichberechtigung, aber hätte man(n) in einer heutigen Partnerschaft überhaupt noch die Möglichkeit, Atem zu schöpfen? Okay, das grenzt wohl an Paranoia, aber ich bin mir sicher, dass viele Männer nicht mehr vor und zurück wissen ...

Anlässlich des letzten ordentlich betäubten Karnevals und wohl einer vorausgegangenen subtilen Aufarbeitung durch unser gemeinsames Umfeld traf es mich dann völlig unvorbereitet wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Ich hatte es tatsächlich nicht kommen sehen, meine mich zumindest so zu erinnern. Trotz beachtlicher karnevalistischer Vollnarkose elektrisierte mich der feuchtwarme Oralübergriff von jetzt auf gleich, von Kopf bis Fuß. Was war denn passiert? Wir hatten uns doch eben noch ganz normal unterhalten, auf einmal bewegte sich etwas Lebendiges an und in meinem Mund, und wenn man bislang nur totes Essen kannte, das seine Lippen passierte ...! „Und jetzt möchte ich Dein Haus sehen ...!“ erreichte eine leise Botschaft Minuten später aus allerkürzester Distanz meinen Gehörgang. Mein Herz musste wohl unmittelbar wie ein gekickter Sportwagenmotor den roten Drehzahlbereich erklommen haben. „Wenn es denn jetzt sein soll, ... und mach’ jetzt bloß keinen Rückzieher, das würdest Du dir nie verzeihen“, hörte ich mich gedanklich mit mir selbst in’s Gericht gehen ... Alleine schon, dass junge Frauen zu später Stunde nicht unter die Räder kommen dürfen, gebot es mir, sie mitzunehmen, erst recht, da sie die Tochter eines Bekannten war. Und durch unsere gemeinsamen Umfelder gaben wir uns bestimmt gegenseitig Sicherheit und Bestätigung.

Nach teilweiser Kostümentledigung und Erreichen einer häuslichen Bequemlichkeit war es schön zu sehen, wie selbstverständlich sie sich bei mir zuhause bewegte. Fühlte sich großartig an. Auf dem Sofa unter die Decke gekrochen ging es um anstehende Nahrungsaufnahme. Verflixt, es war ja auch schon weit nach 23 Uhr, ich meinerseits war seit mittags unterwegs, und außer kontinuierlichem Betäubungsaufbau per Volksdroge Nr.1 hatte ich seitdem keinen Nährwert-Input betrieben, selbst die noch vergleichsweise spät ausliefernden Gastronomen, zumal in unserem Kleinststädtchen, waren nicht mehr zu erreichen und es fiel mir bereits sichtlich schwer, überhaupt Futterkrippen zu erschließen, das Handy-Display bewegte sich in alle Richtungen, und meine Augen machten sich einen Sport daraus, ihm zu folgen. „Kannste was zu essen machen?“ kam die Frage aus dem Sofadecken-Kokon, der sich wie von Zauberhand um die Fee geschlungen zu haben schien. „Hast Du Pizza?“ schoss direkt die konkretisierende Frage nach. „Ja, aber nur noch eine; oder soll ich Spaghetti machen?“ „Lieber Pizza!“, fiel die Entscheidung. Zum Essen zogen die beiden Nomaden vom Hauptraum in die Kaminecke, Teller auf dem Schoß und Feuer und Fernseher angemacht. Tolle Stimmung. Zum Nachtisch gab’s weitere Zärtlichkeiten und ein entspanntes Dahingleiten. Hätte das dortige Sofa die Kapazität gehabt, hätte es löffelchen-like sein können. Wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, mehr Zweisamkeit anzutesten? Was hätte sie gewollt? Hätte, hätte, Fahrradkette ...! Beim ersten Treffen überstürzt man nichts, zumindest, wenn man an Qualität und Langlebigkeit eines Miteinanders interessiert ist. Das alkoholbedingte zarte Schnarchen, das von meinem Schoß empor stieg, hatte für mich eher etwas von einer zahmen Großkatze, die wie zu meinem Schutz dort schnurrend ruhte. Mein Panther ... Aus meiner Adlerperspektive konnte ich deutliche das Pulsieren ihrer Schlagader an der zarten Haut ihres Halses wahrnehmen. Wie süß ...; sie wohl auch meinen ungleichmäßigen Herzschlag, in Abhängigkeit all’ dieser Fragen, die unwillkürlich in mir aufstiegen? Auf jeden Fall war sie nicht nur sicher untergebracht, sondern hatte es von beiden Seiten warm, das stand fest! Um 4 Uhr morgens musste ich mich irgendwie bewegen, da mir der Rücken vom Sitzen wehtat, so gerne wie ich sie weiter gespürt hätte, es nützte ja alles nichts. Außerdem war ich müde und konnte so sowieso nicht schlafen. Ohne echtes Bett funktioniert das bei mir nicht. Mal davon ab war ich zeitlich und von den neuen Wahrnehmungen eh’ überdreht und an Schlafen auch nicht zu denken, aber ergonomisch war ein Bett einfach die bessere, erholsamere Wahl und ich bereits ziemlich erschöpft.
Nun schreiben wir uns über die neuen Medien, die Fee ist jedoch arbeitsmäßig ziemlich eingespannt, hat außerdem einen hartnäckigen Krankheitsfall in der Familie. Am Ball bleiben ist wohl angesagt, jetzt, da meine Büchse der Pandora geöffnet, mein zuneigungstechnischer Flaschengeist gerufen wurde, Schmetterlinge im Bauch und Hummeln in der Hose ihr Unwesen treiben; wird es wohl künftig besagte Fee sein, die diese neu erschienen Wesen bändigt? Und hat sie wohl, wünschenswerter Weise, die selben Wesen angetroffen, die ich demnächst für sie im Zaum halten darf? In jedem Fall hat mir die Erfahrung vermittelt, mir vergleichsweise souverän eine passende Dompteurin erschließen zu können ...

24.2.16 19:54

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Alex (24.2.16 19:09)
Tja, was soll ich dazu schreiben: ich bin 33 und warte immer noch auf meinen ersten Kuss...vielleicht in den nächsten 33 Jahren? ^_^

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