Des Imperators Extrawurst,

oder warum sich manche romanische Cs und Gs verwandeln

Die Meisten finden Gefallen an der südländischen Lebensart, Manche legen einen primären Fokus auf ein bestimmtes Land, Andere konfrontieren sich übergreifend. Dass man natürlich von dem schwelgt und schwärmt, was man kennen- und liebengelernt, gar sich auch zuhause angeeignet hat, ist selbstverständlich, und man benutzt natürlich die jeweiligen Begriffe und Namen. Gibt es doch genügend alleine schon aus den Bereichen der Gastronomie, des Automobilbaus und der Mode.

Eigentlich hat auch der Dierkes-Schulatlas meiner linguistischen Ader in nicht unerheblichem Maße zugearbeitet, der uns zur Zeit der mittleren Reife zur Verfügung stand; fiel mir doch auf, dass im Inhaltsverzeichnis außerdem eine recht umfassende Aussprache-Hilfe zu den Regions- und Städtenamen enthalten war.
Man sah den Atlanten an, dass sie gebraucht wurden, dies lag aber eher noch an dem wilden Haufen, der wir waren, denn in den kurzen Pausen kam’s dem Einen oder Anderen schon mal in den Sinn, sie als Frisbees zu benutzen und die ruhiger Gesonnenen damit zu terrorisieren, entsprechend abgewetzt oder losgelöst vom Cover waren sie. Dies auch in Abstufungen, vielleicht war ’nur’ der vordere oder rückseitige Deckel abgerissen, oder aber doch der ganze Einband. Da sah man wenigstens noch den Faden!
Anders als mancher Klassenkamerad schmökerte ich zuhause mit Inbrunst im sprachlichen Register und hatte grundsätzliche Aussprache-Schemata der gängigsten, vornehmlich romanischen, westeuropäischen Sprachen schnell absorbiert. Idiomatik war wahrscheinlich immer schon eines meiner Faibles.

Wenn man nun selbst einen bestimmten Level erreicht hat und von eher zurückhaltender Natur ist, in Gesellschaft aber gerne mal auf das respektive Gegenteil trifft, kann es zu Erlebnissen mit Schmunzel- oder Peinlichkeitsfaktor kommen. Vielleicht spricht ein Auto-Fan über einen italienischen Sportwagen und möchte italienischer daher kommen, als die Realität gebietet. „Lambordschini“ tönt es häufig aus mancher Ecke, dass man jenen Sprechern auch gleich „Schpadschetti“ adäquat zur Pasta zutrauen würde! Und dann haben diese großartigen in Sant’ Agata Bolognese gefertigten Supersport-Aerodynamik-Kunstwerke auch noch zumeist spanische Modellnamen, die bei jenen Zeitgenossen sowieso nicht zur korrekten Aussprache kämen. Hintergrund der hispanisierten Modellbezeichnungen mag übrigens die rigorose Abgrenzung zu Ferrari durch die Wahl eines stärkeren Wappen-Tieres sein, die eine Affinität zu ruhmreichen Kampfstieren hervor gebracht hat. Schnaubender Stier gegen cavallino rampante, das sich aufbäumende Pferdchen. Es heißt, dass der Gründer Ferruccio Lamborghini einst bloß einen Ferrari kaufen wollte, und es ihm kurzerhand ausgeschlagen worden wäre; darauf hin habe er sich vorgenommen, selber bessere Sportwagen zu bauen.
Oder vielleicht spricht ein Fan vom bodenständigeren und älteren italo-deutschen „Karmann Dschia“ voller Überzeugung, ebenso vom „Schianti“, den er gerne abends oder am Wochende trinke, oder tagsüber den „Matschiato“, falls es mal nicht „Expresso“ sein soll.
Und früher oder später kommt einem das Wort „Asseswar“ entgegen, dann krieg’ ich die Krätze, könnte ausflippen ...! Das hat eine lautmalerische Qualität von Wischi-Waschi und ist natürlich verkehrt! Mit Ausnahme des Italienischen spricht sich ein CC immer wie „Kß“.
Vielleicht hatte ich auch immer schon einen erleichterten, beinahe in’s Auge springenden Zugang zu den Dingen, gewissermaßen die Katzenaugen in der sprachlich-kulturellen Dämmerung: Zum Einen waren die Unterschiede zum Deutschen so prägnant, dass sie auf mich eher auf eine exotische Weise anziehend wirkten; zum Anderen war mir klar, dass man nur auf gesichertem und glaubhaftem Wissen nach und nach aufbauen konnte. Wusste man beispielsweise, dass sich das g in Spaghetti unverändert spricht, konnte man doch die Logik auf andere Wörter mit gh ebenfalls anwenden, und wann immer es ging, in authentischen Situationen gegenprüfen. Kennt man einen gesicherten Zusammenhang, überträgt man ihn. Spaghetti auf Lamborghini, in dem Sinne, nährt solchermaßen nach und nach seinen Fundus und lässt sich nicht von gegenteiligen Zuströmen ablenken.

Wer jetzt immer noch nicht die Lust am Lesen dieses Beitrags verloren hat und für die trockenen, jedoch lohnenden Untiefen der Angelegenheit bereit ist: Jede Sprache hat ihre eigene Aussprache und Betonung, aber diese Nummer bezieht sich wohl gleichermaßen auf alle romanischen Sprachen, inklusive weitestgehend dem Englischen. Das Thema hatte sich deckungsgleich ausgewirkt und man kann somit übergreifend davon profitieren. Woher es kommt, dass sich im Klassischen (ursprünglichen) Latein das c, aber interessanter Weise wohl niemals das g, und in den aktuellen von ihm abgeleiteten Sprachen sowohl das c wie das g aussprachlich verwandeln, wenn direkt ein heller Vokal folgt, soll angeblich darauf zurück gehen, dass Caesar nicht mochte, dass sein Anfangs-C wie ein K ausgesprochen wurde. Durch diese Konfusion kam womöglich das Erfordernis in’s Spiel, eine Unterscheidung machen zu müssen. Der Diphtong ae (ursprünglich gesprochen etwa ai) mutete darauf hin wahrscheinlich eher hell an, gerade eben dann, wenn man ihn zum Monophtong verschmilzt (ae bzw. ai einfach zu ä = e, Cäsar / Cesar) so dass künftig in hell-vokaligen Fällen verwandelt werden musste. Man sieht die helle Zuordnung von Schrift und Aussprache dann auch adäquat in den aktuellen romanischen Sprachen umgesetzt, z.B. span. César und ital. Cesare.

Wenn man jetzt ein ’verdächtiges’ Wort vor sich hat, muss man nur wissen, welcher Sprache es entstammt, und die entsprechende Aussprache bei gegebener Verwandlungsnotwendigkeit anwenden:

Englisch: c wie ß, g wie dsch
Französich: c wie ß, g wie weiches sch
Spanisch: c wie engl. th [ß(th)], g wie leicht gehauchtes ch, beinahe nur h Besonderheiten: Wird vielerorts ebenfalls bei direkt folgendem Konsonanten angewendet, Bsp.: técnico, sprich: sowohl tekniko als auch teß(th)niko; magnitud, sprich: ma(c)hnitu...
Italienisch: c wie tsch, g wie dsch; it. Besonderheiten: 1. Regel gilt adäquat für cc und gg, 2. wenn ein i verwandelt, und von einem weiteren Vokal gefolgt wird, spricht man besagtes i selbst nicht mehr aus, ein verwandelndes e hingegen immer. 3. sc mit direktem e oder i spricht sich immer wie ein deutsches sch 4. ì mit Akzent verwandelt nicht nur, wird auch selbst gesprochen
Besonderheit engl., frz. und span.: CC wird immer wie Kß gesprochen, genauer gesagt, verwandelt sich in den drei Sprachen nur das zweite C, Bsp. Accessoire!

Nun viel Freude beim folgenden Nachhalten und Üben:

Beispiele Spr. Aussprache Übersetzung

Murciélago span. murß(th)jelago Fledermaus
Ciabatta ital. Tschabatta it. Weißbrot
Circus engl. ßörkes Zirkus
Circus lat. Zirkus dto
Cesare ital. Tschesare Cäsar, Kaiser
César span. ß(th)eßar dto
Macchiato ital. makjato befleckt
Maggi ital. Madschi it. Name
Mágia span. Ma(c)hja Magie
Magìa ital. Madschia Magie
Maggie engl. Mäggi engl. Name und Ausnahme, wie so oft
Fromage franz.Fromasch Käse
celon franz.ßelong gemäß
Ferruccio ital. ferrutscho it. Name
Civitavecchia ital. Tschiwitawekja it. Stadt
Vigilancia span. Bi(c)hilanß(th)ja Wache
Lancia ital. Lantscha Name
Cappuccino ital. Kapputschino Mützchen
Cappuccio ital. Kapputscho Mütze
Chianti ital. Kjanti Name
Aceituna span. Aß(th)äituna Olive
Cenisa span. ß(th)enißa Asche
Vegetable engl. Wedschtebell Gemüse
Ghia ital. Gia / (evtl. Gja) Name
Lamborghini ital. Lamborgini Name
Gaggia ital. Gadscha Name
De Longhi ital. De Longi Name
vegetal span. be(c)hetall gemüsig
végétal franz.weschetal gemüsig
Accessoire franz.Akßessoar Zubehör
Accessory engl. Ekßesseri Zubehör
Acceso span. Akß(th)esso Zugang

12.9.15 18:17

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