Coke Life – lebens- und liebenswert?

Es ist jetzt ein Jahr her. Nach einer Radtour auf der halb beschatteten Terrasse meiner Lieblings-Einkehr, am Rande eines Waldausläufers, war es zum besagten Spätsommer-Nachmittag noch warm und etwas sonnig. Das angrenzend angelegte Arboretum hatte mit den Jahren beachtlich an Höhe zugelegt, umso weniger Sonne ließ es durch, und man musste zunehmend früher losfahren, wollte man am Ziel noch welche haben.

Das gehörte für uns irgendwie dazu. Wenn schon mancher weiche Stoff nicht, dafür aber die potenzialträchtige Volksdroge Nr. 1 erlaubt war, erfrischten und berauschten wir uns halt gleichermaßen an ihr in Bierform. Der Durst und Temperaturausgleich harmonierten gleichermaßen synergetisch mit dem zum Tagesausklang beabsichtigten Hedonismus. Die mehrfach wechselnden 0,2l,- 0,3l- und 0,5l-Gläser sowie wir selbst wurden neugierig von gelb-schwarzen Hautflüglern jeder Größe und gelegentlich zustechenden Fliegen schwadroniert. Der Gastwirt legte Fliegenklatschen bereit, Modell „Ich-geb-dir-noch-ne-letzte-Chance“, da diese im Zentrum der Schlagfläche eine ca. vier Quadratzentimeter große Lücke aufwiesen!

Man kannte sich seit Längerem. „Na, Ihr Sportskanonen? Wie is’ es? Dasselbe wie immer?“ Ein Handschlag auf die Lateinamerikanische sowie ein schlichtes Nicken zur Bestätigung reichte bei Ankunft normalerweise vollkommen aus. „Ja, wenn Weiches nicht erlaubt ist, nehmen wir auch Hartes!“ konnte mir schon mal entglitten sein. Tatsächlich wäre an dieser Stelle Coca-(Eis)tee sinnvoller als Bier gewesen, oder durchaus auch beides, am Besten in Form von Coca-Radlern, kräftigt das Inka-Blatt doch u.a. den Kreislauf und bringt Mineralien und Vitamine zurück. Nur schade, das diese divine grüne Kraft nach wie vor gegen Antidrogengesetze verstieß. Sicher, Bier hat auch Isotonisches. Der Gastwirt reagierte prompt: „Hier, gibt’s doch jetzt, machen ’ne neue Cola!“, surfte die Seite auf seinem Smartphone an und drückte es mir in die Hand. Von Coke Life war die Rede, es ging um eine neue Süßung auf Stevia-Basis, aber leider wohl doch noch nicht um Fortschritte auf dem BtM-Sektor. Von Stevia und den Zulassungs-Querelen der jüngeren Vergangenheit las ich bereits. Immerhin: Eine bis zu 300 Mal besser süßende und dabei so gut wie kalorien- und kariesneutrale Alternative zu beispielsweise Zucker, gefäßpflegend und zahnbelagvorbeugend noch dazu. Nach Guaraní-Indianern des Amazonas außerdem gut für’s Herz und noch ein paar andere Zivilisations-Wehwehchen. Pflanzen haben’s immer schon d’rauf gehabt. Die Natur kann der Mensch nicht übertreffen.

Monate später bekam ich im Getränkemarkt zwei Flaschen Coke Life zum Kennenlernen auf’s Auge gedrückt. Das grüne Etikett sprang mir ungewohnt in’s Selbige. Zuhause angekommen musste ich als Erstes natürlich die Inhaltsstoffe begutachten. Zum großen Entsetzen waren die altbekannten Übeltäter Zucker, Phosphorsäure und Zuckeraustauschstoffe immer noch enthalten. Wenn man doch das Ei des Kolumbus mit Stevia gefunden hat, und die klassischen Süßen umgehen kann sowie gleichermaßen mit natürlicher Exotik daherkommen könnte, warum zum Henker setzt man dann der Limo noch einen Teil der alten Süßstoffe und Zucker zu? Der Hersteller argumentiert, dass man mit Stevia alleine nicht das Geschmackserlebnis hinbekäme, das man üblicherweise kenne. Und dass das Getränk immer noch nicht kalorienneutral ist, wird auf unverfänglich leichte Art und Weise damit kommentiert, dass es schon einmal ein Beitrag in die richtige Richtung wäre ... Ganz ehrlich: Selbst wenn es mit reiner Stevia nicht oder anders schmecken sollte, was ich nicht so ganz zu glauben vermag, da die Stevia-Süße doch zumeist gemocht wird, würde ich es trotzdem genau so, inklusive der vollwertigen Propaganda, in die Welt setzen, forcieren. Ich denke der Markt und Geschmack dafür sind da.

Auch andere Lebensmittelhersteller sind auf den falschen Zug aufgesprungen: Man kann Stevia in Süßstofftabletten mit Zuckeraustauschstoff bekommen, oder als Pulver in der Dose mit Maltodextrin, welches bekanntermaßen ein Füllstoff auf Stärkebasis ist, und es wird dabei eine so hohe Anteiligkeit davon (Hauptanteil!) beigemischt, dass es die adäquate Dosierbarkeit von Zucker erreicht. Was soll das? Wird dem Bürger noch nicht mal zugetraut, zu wissen, dass er von einer stärkeren Süße selbstverständlich weniger benötigt? Oder ist das wirtschaftliches Kalkül? Mehr Pulver setzt auch mehr Einnahmen um, der Füllstoff ist billig und erzeugt Profit ... Ich werde weiterhin nur die normale, gezuckerte Cola, aber in Maßen trinken, da in jedem Fall auch immer noch Phosphorsäure enthalten ist, die neben Zucker der wesentliche Geschmacksträger sein soll. Entgegen vieler Ammenmärchen stimme es nämlich wohl leider, dass diese an die Knochensubstanz gehe. Regelmäßiger Konsum führe zu Osteoporose.
Wer jedoch Traditionalist ist, und die Dinge, wenn schon, dann richtig angehen möchte, und eine bessere Süße sucht, dem ist einzig das Auftun reiner Steviolglykoside oder der Blattmasse empfohlen, die man aber im stationären Handel derzeit noch kaum findet. Tägliche Verzehrsempfehlung der Glykoside: Ein Achtel Teelöffel, der entspricht in etwa guten dreihundert Milligramm; in jedem Fall und grundsätzlich gilt es, eventuelle Unterzuckerung dabei im Auge zu behalten, sofern Zuckerhaltiges bislang einen relevanten Anteil an der energetischen Zufuhr hatte, ebenso Kreislaufschwäche, da die Substanz den Blutdruck senkt ...

4.9.15 17:32

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