Microsoft in Spendierlaune ?

Mein PKW aus 2006 hat die große Multimedialösung des Herstellers mit 2-Din-Radio-Navigationssystem, also dem großen zweizeiligen Display und dem besseren Klangpaket. Im Atlas finde ich jeden Ort weltweit binnen Sekunden, aber die Wahrnehmung im Straßenverkehr ist etwas völlig anderes. Als straßengeografischem Rookie, da ich bislang einfach wenig unterwegs gewesen bin, war mir eine Festeinbau-Navi mit Offline-Stauumfahrung wichtig, da dies in Summe die autarkeste Lösung ist, weder vom Weg abzukommen noch mitten in Staus hineinbugsiert zu werden. Denn das tun die meisten Navis, da sie nicht über TMC, LTM oder whatever verfügen. Sicher, wer ’ne Flat hat, kann online Stauumfahrungen nutzen, aber in der Hinsicht bin ich old-fashioned. Internet reichte mir bislang zuhause, das brauche ich unterwegs eher nicht.

Bei einem Kartenmaterial, das noch von 2005 ist, merkt man inzwischen, dass doch recht häufig ganze Straßenabschnitte nicht mehr abgedeckt sind. Man navigiert damit hin und wieder vorübergehend im Blindflug. Eine neue Karten-DVD oder gleich ein neues Radio wären die Wahl, wenn die Prämisse auf Einbau liegt. Ständiges Aufrüsten, alle paar Jahre, scheint unumgänglich, verändern sich die Straßengefüge doch jedes Jahr um zwanzig Prozent! Als ich das Thema beim IT-Spezialisten am Ort aufgriff, empfahl er mir eine Handy-App. Sicher, die gibt es zuhauf, aber entweder ohne Stauumfahrung oder dies zumindest nur online. Und zumeist natürlich kostenpflichtig. Er empfahl mir jedoch die App Here, welche gleichermaßen gratis ist, kartentechnisch regelmäßig aktualisiert wird und angeblich zumindest demnächst auch offline stauumfahrend sein soll. Hatte ich die eierlegende Wollmilchsau unter den Navis gefunden? Woher rührt soviel Entgegenkommen eines Herstellers, der wie andere auch stattdessen sein Geld dafür nehmen könnte?

Es mutet irgendwie nach Souveränität und Image-Kampagne an. Entstammt die App doch ursprünglich dem von Nokia gefertigten Windowsphone. Aber nicht etwa, dass Nokia dies ehrenamtlich machte, sondern die Aktualisierung vielmehr von Microsoft im Hintergrund weiter bezahlt bekommt, die wiederum nichts dafür haben wollen. Entsprechend ist die Software längst auch betriebssystemübergreifend erhältlich und nicht nur auf das Windowsphone beschränkt.

Ähnlich souverän scheint dies mit dem neuen Windows 10 zu sein. Wer mindestens bereits Windows 7 hatte, konnte umsonst upgraden. Die Anmutung ist zeitgemäß, die Icons wirken wie in Smartphones schlicht, frisch und minimalistisch neu. Sämtliche Programme und deren Einstellungen wurden übernommen und scheinen zu funktionieren, viele Einstellungsbereiche haben sich aber auch geändert, und es gibt noch manche Fehlfunktion. Ein paar Hänger hatte es wohl auch bei mir.
Auch wenn 7 noch viele Jahre supportet wird (das lahme Vista alleine schon), ist das bei 10 natürlich noch länger der Fall. Windows 10 ist keine Revolution, kommt aber mit neuen Spielereien daher. U.a. kann man auf Internetseiten farbige, handschriftliche Kommentare verfassen und speichern, hat erstmals einen persönlichen Assistenten, dem man akustische Befehle erteilen kann. Diese werden von der guten Cortana aber oft nicht richtig verstanden. Teils versteht sie etwas ganz anderes und bringt dann auch dieses schräge, unerwartete Ergebnis. Hin und wieder klappt es aber. Sobald der Umfang ausgebauter und sicherer wird, ist das Fräulein bestimmt eine gute Hilfe beim Arbeiten.
Vielleicht steckt aber auch Kalkül hinter den geschenkten Gäulen, zusätzlich zum Image-Gewinn: Je mehr die Software anwenden, desto besser kann sie getestet, verbessert, vernetzt und gefüttert werden. Außerdem wird sie künftig wohl plattformübergreifend eingesetzt, was Supportaufwand spart.

28.8.15 23:07

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