Damokles-Schwert der Männer

Irgendwann kommt der Tag, an dem man(n) zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert wird. Man ist vielleicht Anfang zwanzig, und hört die mittlere, doppelt so alte Generation von Prostata sprechen. Man weiß vielleicht noch, dass das ein männliches Organ oder Bestandteil des Geschlechts ist. „Jeden Soundsovielten beträfe es“, redeten die älteren, aber all’ dies ist in jungen Jahren so weit weg, wird erst gar nicht hinreichend wahrgenommen, der junge Kopf hat andere Interessen.

Später ist man selber mitten in den 40ern und bekommt in der entsprechenden Elterngeneration immer wieder Vorfälle mit, sitzt irgendwann selber mit dem eigenen Vater in Wartezimmern und in Gesprächen mit Ärzten, versucht, Behandlungsmethoden und Aussichten zu ergründen und abzuwägen. Mal wieder waren längere Wartezeiten angesagt. Ein alter Patient kommt mit seiner Frau hinzu, schlürfender Gang, ist am Weinen, Jammern und etwas wirsch zu seiner Frau, die ihn nicht aus der Pflicht nimmt, sich zusammenzureißen. Er war wohl erst vormittags da, und musste gleich darauf wieder kommen, hatte wohl Schwierigkeiten, Wasser zu lassen. Gedanken schießen einem in den Kopf: „Ist das später bei mir wohl auch so, wie treffe ich es selbst demnächst an? Beim eigenen Vater ist das zum Glück nicht so gewesen, wie bei dem im Wartestuhl zusammengesunkenen, wimmernden Wesen, dann habe ich hoffentlich auch später das Glück, immer gut pullern zu können ... wahrscheinlich.“ Sicher, es war beim Vater ein Klinik-Aufenthalt notwendig. Aber ansonsten: Toi, toi, toi ... Jetzt beim Warten auf die Nachuntersuchung wurde ich mir so richtig gewahr, dass manche Formen dieses Leidens halt so wachsen, dass sie die Harnröhre zudrücken. Armer Kerl, er tat mir irgendwie leid, wie er da japsend im Stuhl hing, und bekam von seiner Frau eher nur belehrende Worte. „Du wolltest ja nicht, ..., jetzt beruhig dich doch, Du kommst ja gleich d’ran ...“ ging es in Endlosschleife. Weitere Männer verschiedenen Alters, darunter auch Väter von Bekannten strömten in die Praxis, verschwanden mit Trinkbecher und Wasserflasche in einem anderen Wartebereich. Behandlungszimmer öffneten und schlossen sich, das Häufchen Elend kam immer noch nicht d’ran, und wimmerte jedes Mal unverständig, wenn Andere vor ihm in den Türen verschwanden.

Mein Plan war gefasst. Ich wollte mein potenziell künftiges Leiden solange hinauszögern, wie möglich. Durch das Beschäftigen mit dem Thema sowie eigener Einschätzung gelangte ich zum Wissen, dass ich bereits eine Menge dafür tat. Beim Stöbern in fachlichen Erläuterungen, was gegen Prostatakrebs hilft, ist zunächst ernüchternd festzustellen, dass eigentlich kaum etwas erwiesen ist, im Gegensatz zu anderen Krebsarten. Dennoch ist die Empfehlung, sich basierend zunächst an all das zu halten, also vollständiger Rauchverzicht, Alkoholreduktion oder besser auch –verzicht, rotem Fleisch (Schwein, Rind), Gepökeltem und Milchprodukten ebenfalls entsagen, ebenso Süßigkeiten, Zucker, Salz und immer nur soviel essen, wie man tatsächlich braucht. Gemüse- und Obstschwerpunkte setzen, dabei möglichst viele natürliche Antioxidantien, also Pflanzenfarbstoffe, zu sich nehmen, auch gerade unter Zuhilfenahme von Gewürzen. Beispiele sind Kurkuma, Curry, Tomaten, Kirschen, rote Trauben, grüner Tee.

Insbesondere bilden u.a. Tomaten und grüner Tee eine positive Ausnahme, da sie nachweislich Prostatakrebs vorbeugen. Im Gegensatz zu anderem Gemüse erschließt man den Tomatenfarbstoff Lycopin sogar mit dem Gareprozess immer noch besser, daher die Empfehlung, nicht nur Salate zuzubereiten, sondern sie möglichst oft auch zu kochen. Jedes sonstige Tomatenprodukt ist ebenfalls zu empfehlen. Ein Eintopf auf Tomatenbasis ist z.B. etwas Praktisches, Schnelles und Gesundes gleichzeitig. Man zerkocht oder kocht z.B. drei bis fünf gewürfelte Tomaten in einem kleinen Topf auf, fügt für den Nährwert Weiteres hinzu und rundet es mit ordentlich der o.a. Gewürze, möglichst in Bio-Qualität zum Schluss, damit diese nicht so viel Hitze abbekommen, ab. Etwas Salz, Olivenöl, Kräuter, Chiliringe oder zerbröselter getrockneter anfangs mit den Tomaten aufgesimmerter Chili, Zwiebelwürfel Knofi-Scheiben sowie Kartoffelstückchen bzw. Nudeln und Garnelen bzw. Hühnerfleischstückchen oder –Streifen machen eine vollwertige Mahlzeit aus, und können je nach dem Tomaten- oder Wasseranteil eine eher eintöpfige oder suppige Konsistenz annehmen. Im Wesentlichen kocht man nicht mit Wasser, sondern Tomaten, das ist dem Einen oder Anderen vielleicht neu.

Der Grüntee kommt hier nicht nur deswegen in’s Spiel, weil seine Polyphenole und das Epigallocatechingallat gut gegen Krebs sind, sondern er außerdem noch Phytoöstrogene in Form von Isoflavonen enthält, also eine Pflanze in der Lage ist, weibliche Hormone zu erzeugen. Die Zufuhr von Östrogenen ist ebenfalls bis zu einem bestimmten Grad eine übliche Therapie, da sie das Testosteron bändigen bzw. reduzieren, und dies hat eben den Effekt, dass der PSA-Wert gedrückt wird, nach dem die Ärzte sich grundsätzlich zunächst bei ihren Entscheidungen richten. Weitere pflanzliche Lieferanten sind an allererster Stelle Sojaprodukte, ansonsten u.a. Hülsenfrüchte, Kleie, Getreide, Bier und Whisky.

Man weiß, dass weltweit die Asiaten die niedrigste Quote an Prostataleiden haben. Wenn man nun die Ernährungsgewohnheiten vergleicht, sieht man die Bestätigung. Geneigter wird verzehrt: Grüntee statt Schwarztee oder Kaffee; Sojaprodukte, Geflügel, Fisch, Eier, Meeresfrüchte, Gewürze statt fadem rotem Fleisch und Milchprodukten.

Ob sich wohl das traditionelle Mettbrötchen mit Zwiebeln auch mit Geflügelhack, so das zulässig und schmackhaft ist, substituieren lässt?

Ein letzter, nicht zu unterschätzender Pfeil im Hormon-Köcher: Leitungswasser! Seitdem die Pille genommen wird, ist Östrogen natürlich auch regulärer, deutlicher Bestandteil unseres Trinkwassers. Den Vorteil dieses institutionellen Unvermögens, das Trinkwasser medikamentenrückstandsfrei klären zu können, muss man nutzen, und kann sich durch Tee- und Wassertrinken halt damit anreichern und im PSA-Wert ’runtertrinken’ ...

22.8.15 15:53

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