Pyramiden, Testosteron und Schmuck für Männer haben einen gemeinsamen Nenner

Dadurch, dass die letzte Eiszeit in den Subtropen für nachhaltige Vegetation sorgte, bot sich vielen Völkern die Möglichkeit, zu überleben, sich zu etablieren und weiter zu entwickeln. Das Volk, das später zur Warmzeit hin gezwungen war, die ausgedörrten Bereiche der nubischen Wüste wieder aufzugeben, und sich am fruchtbaren Nil niederzulassen, sah in Sandhügeln immer schon eine Annäherung an’s Jenseits und Göttliche. Irgendwann war das archaisch-natürliche, vergängliche Gebilde einer besseren Düne nicht mehr ausreichend, und es bedurfte bleibenderer Konstrukte. Wie den Bewohnern der Hochebene von Giseh ging es weltweit auch anderen Hochkulturen. Am Anfang stand häufig ein Hügel, in dem Sinne, ein Kegel. Denn anders, als vielleicht ein seismisch oder statisch anfälliger Turm, war ein Hügel gegenüber Erosionen jeglicher Art das am Wiederstandsfähigsten angelegteste Bauwerk bzw. Fundament. Von Hügeln wurde gepredigt, in Hügeln wurde begraben, auf Hügeln wurde geopfert. Aber ein rundlicher Hügel hat weniger optische Wirkung. Erst mit Kanten, in dem Sinne meistens quadratischem Grundriss, ist er imposant und unterstreicht somit die Erscheinung oder Stellung Derjenigen, die ihm zugeordnet werden ... Im Sudan und in Oberägypten findet man eher Vorläufer-Formen und in Unterägypten, zum Delta hin, die fortgeschritteneren Bauwerke der letzten Baumeister. Chichén Itzá, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, besitzt eine ebenfalls nach den Gestirnen ausgerichtete ebenbürtige Anlage. Quer über den Globus findet man solche und ähnliche Erhebungen, wenn auch nicht immer so imposant wie die beiden zuvor genannten. Zumeist hatten sie spirituellen oder gesellschaftlichen Charakter, und so manches Mal wird versucht worden sein, ein diesbezügliches Amt oder eine Funktion an sich zu reißen, das einem regulär nicht zustand. Es ging wohl oft auch um verschiedentliche Nutznießerei, Neid und Begehrlichkeiten, und sicher so manches Mal um Schwanzverlängerung und -Auslastung, in dem Sinne um ein Statussymbol, an erster Stelle wohl für den auftraggebenden Bauherrn.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und Männer werden sich ihre auffälligere Erscheinung von Anbeginn an von der Tierwelt abgeschaut haben. Das Männliche war immer schon markanter, bunter aber auch impulsiver. Galt es doch, die Weibchen bzw. Frauen zu beeindrucken und ’rumzukriegen, und sodann: Mission erfüllt, zurück zur Basis. Sklaven der Hormone. Das evolutionäre Prinzip funktioniert seit Jahrmillionen, kein höherer Sinn als die Bewahrung des Fortbestands steckt hinter diesem Mechanismus, die hinein interpretierbaren Werte sind eine andere, individuelle Sache. Ob der radschlagende Pfau seine Hühner beeindruckt, der für seine Epoche superstargleiche, mit rituellem Schmuck behangene aztekische Hohepriester auf der Pyramidenspitze das Blutopfer an unterworfenen Feinden ehrenvoll zelebrierte, oder der Jungspund unserer Tage direktestmöglich am Ortskern mit bajuwarischem 500-PS-Freiluft-Heckschwänzler driftend im Grenzbereich den Asphalt radiert, dass die Schwaden verbrannten Gummis und heißer Antriebselemente wie ein wehender Vorhang durch die halbe Innenstadt ziehen: Man(n) muss auffallen! War überhaupt angesagte Musik weit aufgedreht, um wirklich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Umgebung gehabt zu haben? Egal, der V6 im Grenzbereich und der Reifenabrieb waren bestimmt Konzert genug. Wieviele „Hühner“ mochten sich umgeschaut haben? Der Pfau an seiner Stelle hätte es gewusst.

In vielen Kulturen fanden Schmuck und mitunter Schminke in stärkerem Maße bei Männern Anwendung, waren Aushängeschild für die geschlechtliche, soziale und hierarchische Stellung. Selbst in Europa haben sie erst im Mittelalter langsam aufgehört, sich wie die Paradiesvögel herzurichten, wir haben also erst eine vergleichsweise kurze Zeit der virilen akkuraten Schlichtheit erlebt.

In diesem Sinne trägt man(n) besser zwei Ohrringe, statt nur einen. Denn auf einem Bein kann man bekanntlich nicht stehen, und eine vollwertiges, maskulines Pkw-Posing hat offensichtlich auch immer noch mit einer beidseitig flutenden Abgasanlage zu tun ...

24.7.15 13:14

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