Über

Es gibt Dinge, die einen bewegen oder die man selber bewegen kann. Passiv, wie aktiv. Dieser Blog mag Schwerpunkte aus den Bereichen persönlicher Freiheit, Natur, Technik, (Alte) Kultur(en), Voelkerkunde, Nahrung, Genussmittel und Fortschritt haben.

Alter: 46
 


Mehr über mich...

Als ich noch jung war...:
war ich die personifizierte Albernheit.

Wenn ich mal groß bin...:
Ach, bin ich noch nicht? Aber dann werde ich die passenden Lebensgefuege gefunden haben.

In der Woche...:
treibe ich moeglichst und mindestens zweimal eine Stunde Sport.

Ich wünsche mir...:
Frieden, Gesundheit, Glueck, Freiheit und Wohlergehen im gesamten Kosmos.

Ich glaube...:
obwohl christlich erzogen an die naturwissenschaftlichen Gesetzmaessigkeiten und den scheinbar wohl nur zufaelligen Lauf der Dinge, hoffe aber instaendig, dass ich mich taeusche.

Ich liebe...:
Frauen, suedlaendisches Essen, gute Freunde, Fahrzeuge zu Lande und zu Wasser, Sport, Fremdsprachen, kulturelle Bereicherung, die Natur, den Fortschritt.

Man erkennt mich an...:
dem federnden Schritt, der Verlaesslichkeit oder der zunehmend spanischen Aussprache ab einem bestimmten Alkoholisierungsgrad.

Ich grüße...:
alle Wesenheiten.



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Blog

Blog-Inhaltsverzeichnis

Das Wort ist mächtiger als das Schwert ...

Erster Kuss mit 45 – warum nicht?!

Notgedrungener Adrenalin-Junkie, Schädlingsbekämpfer in eigener Sache

Im Zug dieses Lebens bleiben, solange es geht

Wer sind die eigentlichen Amerikaner, und warum koksten schon die alten Ägypter?

Impf-Muffel oder Selbstschützer?

Mythos Gaggia

Schattenkinder - Unserer einzigartigen Mutter

Party- und Lifestyle-Lieder mit so ganz anderer Message

Des Imperators Extrawurst,
oder die Verwandlung romanischer Cs und Gs

Coke Life – lebens- und liebenswert?

Microsoft in Spendierlaune ?

Damokles-Schwert der Männer

Atempause – Im Auge des Orkans

Territorialverhalten von Raub- und Aasvögeln untereinander

Weiteres Kanonenfutter für IS und Co. oder souveräne Gegenbewegung?

Pyramiden, Testosteron und Schmuck für Männer haben einen gemeinsamen Nenner

Mann oder Maus? – BTMG- und Strafrechts-Novellierung überfällig

Die Sonne geht, das Fußvolk Nosferatus kommt

Keine unnötige Angst vor Durchgebackenem

Vom effizienten Autofahren, oder welches Getriebe ist überhaupt das Richtige?

Lebensgewohnheiten und Nahrungspyramide checken nicht sooooooo schwer

Getriebene Amazone (Blog-Auftakt XXXXL)

18.9.15 15:00, kommentieren

Das Wort ist mächtiger als das Schwert ...

... aber was tun, wenn nötige Wörter oder rechtzeitige Begleitung die zunehmenden Schwertführer schlichtweg nicht erreichen, da sie zu spät auffallen ...?

Als junger Erwachsener fällt es einem oftmals schwer, seine jungen, kurzsichtigen und ungestümen Sehnsüchte und Interessen zu bändigen und sich auf soziale Kompetenz, Schule und Beruf zu konzentrieren. Da sind das andere Geschlecht, das man gerne kennen lernen möchte, und die tollen Autos, Motorräder, Gadgets und Klamotten, die man sich leider oft nicht leisten kann. Filme und Serien vermitteln eine unvorstellbare Souveränität der scheinbar beneidenswerten Protagonisten. Meine Zeit war die von Magnum und noch ungleich stärker von Miami Vice. Traum-Destinationen mit permanent tollem Wetter, karibisch-lateinamerikanischer Lebensart, Szene-Gehabe, Luckies ohne Filter, Waffen, Sportwagen und -booten. Was brauchte man als Heranwachsender scheinbar mehr zum Glücklichsein?
Der vergleichsweise dröge Schulstoff und teilweise zu schnell vorangehende Unterricht, den man sich gerne auch mal nicht zu bremsen traut, wenn man schlecht hinterher kommt, münden schnell darin, sich in cineastischen oder sonstigen Illusionen durch den Unterricht zu träumen und sich noch mehr von Vektorrechnung und Co. und somit guten Noten zu distanzieren; und kriegt man die Kurve auf anderen Ebenen des Lebens ebenfalls nicht, sich in manchen Fällen wohl auch zu verrennen, um nicht zu sagen, Amok zu laufen; an Beispielen mangelt es ja leider nicht, national wie international.

Was sollten mir auch die mathematischen und physikalischen Theorien geben, wenn Sonny Crockett sich anstelle einer standardisierten 9mm so wunderbar mit einer 10er behaupten konnte. Die großkalibrige, stahlfarbene, automatische Bren-Ten saß im Lederholster unter dem linken Arm, gut verdeckt vom Armani- oder Versace-Sakko. Und wenn die zum Einsatz kommen musste, machte sie einen phänomenal punktuellen Sound und hatte einen sichtlich spürbaren Rückschlag, so dass sie sich zumindest von der optischen und akustischen Performance her gegenüber den gegnerischen martialischeren, jedoch gleichtöniger wirkenden Mc-Ten-Maschinenpistolen abhob und ihr Revier zu verteidigen schien. Die recht weit sitzende Rolex und in späteren Folgen Ebel am vergleichsweise dünnen Handgelenk wurde dabei zum Spielball der Fliehkräfte, schwang im Takt jedes Rückschlags mit. Und dann musste ein Polizist doch idealer Weise noch eine Zweitwaffe besitzen. Bei Crockett war’s ein hochglänzender Revolver am linken Innenknöchel. Die Matheaufgaben hatten so manches Mal keine Chance, mich zu erreichen, wenn ich im Unterricht an den silbernen Glanz, die messingfarbenen Patronen, das in den Bann ziehende Klicken und helle Schnarren von dessen Trommel denken musste, oder daran, dass der Ferrari Daytona Spider beherzt Kies mit durchdrehendem Heck aufwirbelte, weil ein großer Latino-Bösewicht zu entwischen drohte; und dies untermalt und dramatisiert von In The Air Tonight von Phil Collins. Gänsehaut pur!

Wo kam sie eigentlich her, die Lebensart eines einfachen Undercover-Cops? Das mochte sich manch’ einer gefragt haben. Wer im Thema war, wusste, dass es sich um von der zuständigen Polizeibehörde von Kriminellen konfiszierte Güter handelte. Die Polizisten wiederum wurden damit ausgestattet, um sich undercover glaubhaft darzustellen, zu tarnen und ermitteln zu können. Deshalb wohnte Crockett auch auf einem Segelboot mit angekettetem Alligator in Miamis Hafen Coconut Grove und bekam, nachdem er den Daytona zerblasen hatte, gleich wieder einen Testarossa an die Hand. Das perfekte Yuppie-Image, nach außen hin ein Nachtmensch mit dubiosem Einkommen.

Bald merkte ich selbstverständlich, dass bei aller Begeisterung und bereits ansatzweise Identifizierung es jeglicher Rechtfertigung und Notwendigkeit entbehrte, im 10.000-Seelennest in OWL, aus dem ich stamme, eine Waffe zu benötigen, oder Gefährte im Wert mehrerer hundert tausend Euro! Ich war auch nicht hasserfüllt, geschweige denn wutentbrannt oder amoklaufend, dass ich lange Zeit keine Frau an meiner Seite hatte oder mich schwierige Mitmenschen nachhaltig geprägt haben. Und Lebensbereiche, die aufzubessern sind, sind halt immer von einem selbst anzugehen, da haben Andere im Regelfall erst mal keine Schuld. Ich hätte mich ja auch früher schon trauen können, meine Souveränität einzufordern und zu leben, auch wenn es bedeutete, Andere schon längst mal vor den Kopf gestoßen haben zu müssen. Ich war halt eingeschüchtert, ging erst mal lange in Deckung. Will man etwas erreichen, muss man sich aber anstrengen und vernünftig darum kümmern. Das Leben ist kein Ponyhof, das Land der gebraten in den Mund fliegenden Hähnchen, oder waren’s Tauben(!), hat noch keiner entdeckt.

Es dürfte mir wohl einigermaßen gelungen sein, ein netter Kerl geblieben zu sein, obwohl mich Waffen prinzipiell interessierten, und ich zeitweise tatsächlich gerne welche gehabt hätte. Ich hatte aber rein passives Interesse, zu keiner Zeit „etwas vor“. Meine jeweiligen Umfelder, in denen ich also mitunter keinen festen Stand hatte, haben mich also auch nicht dazu bewogen, durchdrehen zu dürfen. Dazu bin ich einfach zu respektvoll Anderen gegenüber. Auf der anderen Seite würde ich mich selbst als Träger einer Waffe in Gesellschaft unwohl fühlen, denn was würde man wohl von mir denken? Damit könnte ich mich nicht arrangieren, bei allem technischen Interesse und Schutzbedürftigkeit. Immerhin, käme es im unwahrscheinlichen Falle mal darauf an, könnte ich damit gleichermaßen spontan, sicher und adäquat umgehen.

Je weniger man jedoch Selbstdisziplin und –bemühen sowie Besonnenheit annimmt oder bewältigt, je mehr man glaubt, von der Umwelt ausgegrenzt zu sein, je trotziger und bequemer man meint, dass so eine Haltung einem zustünde, desto mehr besteht auch die Gefahr, Kurzschlusshandlungen oder durch lange eingewirkte Wut und Enttäuschung geplante „Vergeltungsmaßnahmen“ umzusetzen. Wobei diese natürlich sehr oft auch die propagiert Falschen treffen, mal abgesehen davon, dass auch die propagiert Zutreffenden immer die Falschen für’s Ableben sind.

Die Anschläge und Amokläufe scheinen zuzunehmen, und dies mag sicherlich auch ein wenig den jeweils zuvorigen, traurigen Vorführeffekten geschuldet sein, die negative Schule machen, heutige Filme mögen dies nicht zwangsläufig beflügeln, aber womöglich den einen oder anderen schlechten Input geben. Die Gesellschaft muss insbesondere über das gesamte Schul- und akademische Alter hinweg die jungen Menschen sondieren, hier sind mindestens die Eltern, Lehrerschaften, Sozialarbeiter und Pädagogen gefragt, und es wird längst nicht reichen, sich nur auf die Stillen oder Auffälligen zu konzentrieren. Es wird zusätzliche „Mentalisten“ brauchen, die ihre Einzugsbereiche konstant aufsuchen und scannen. Und bei aller multikultureller Haltung, die, wie ich finde, ein hohes Gut und unbedingt aufrecht zu halten ist, muss man aber anerkennen, dass auch durch die Zuwanderungen viele zusätzliche Verursacher in’s Land kommen, die andere Wertevorstellungen mitbringen, und wofür, Du Deutschland, sei ehrlich und gib es zu, nicht genügend fähige Kontrollinstanzen auf den Weg gebracht hast, womöglich noch bringen kannst. Denn wir sprechen auch zumeist von allein hierhin gekommenen männlichen arabisch-stämmigen Flüchtlingen, die manches Mal nicht wissen, wohin sie mit ihrem Trieb, ihrer Beschäftigung, Ehre und Stolz sollen, von denen eben viele leider nicht rechtzeitig wahrgenommen werden, die vielleicht noch dazu unsere Aufnahmebereitschaft als selbstverständlich und vergleichsweise geringwertig ansehen.

Denn wie kann es sein, dass in einer freien Gesellschaft, die Sicherheit und Miteinander hoch hält, ein erwachsener Mann mit einem Buschmesser eine Frau niedermacht, oder wahllos auf Menschen schießt, und dies lediglich, weil er vom Bleiberecht oder individueller Zuneigung her abgelehnt wurde? Und viele sind bekanntermaßen und nachhaltigst auffällig, so dass diese auch ungleich leichter ausgewiesen oder zumindest kontrolliert separiert werden müssten, denn welche ist die nächste tickende Zeitbombe aus diesem toten Winkel heraus, welche Menschen sollen als nächstes von uns gehen, welche Angehörigen in Bestürzung und Trauer verfallen?
Und in solchen Fällen wird immer, wie bei Triebtätern auch, von psychischer Krankheit gesprochen, beinahe, als könnten sie nichts dafür! Bullshit! Die Meisten wissen genau was sie tun, und dass es zutiefst schlimm, falsch, ungerecht und unheilvoll ist, aber sie tun es trotzdem und wissentlich, schlichtweg um den schieren Kick oder die Rage zu bedienen. Da kann man einfach keine Schuldminderung einräumen oder, vor fremdkulturellem Hintergrund, Zugeständnisse an’s Strafmaß machen, etwa weil eine Frau im Nahen Osten eine niedrigere Stellung und ein mit ihr verbundenes Delikt dort niedrigere Strafe assoziiert bekommen hat. Bei Rot an der Ampel bleiben sie doch auch stehen, und dann sollen sie angeblich nicht wissen, dass man Anderen nichts antun darf ...?! Unglaubwürdig!
Und noch einmal bitte: Nichts Pauschales gegen Ausländer und Zugereiste, genauso wenig wie deren Straftäter sind nämlich mindestens auch unsere eigenen schwarzen Schafe zu tolerieren. Es kann nicht sein, dass ein müder Einheimischer sich an Silvester an den nachbarschaftlichen Feierlichkeiten im Schlaf gestört fühlt(?!) und versteckt hinter seinem Fenster dem Nachbarsmädchen einen Kopfschuss verpasst, oder sich unsere Jugendlichen an Anschlägen und Überfällen beteiligen, weil sie der Hafer sticht, es anscheinend keinen wertigeren Kitzel gibt.

Wir brauchen heute auf jeden Fall immer mehr eine Gesellschaft, die es beherrscht, die sich anschickenden gefährlichen Schwingungen, die da alle noch kommen, rechtzeitig wahrzunehmen und zu neutralisieren. Serien wie „The Sentinel“ oder „The Mentalist“ geben einen Ausblick auf Menschen, die unsere Gesellschaft genau dafür gut gebrauchen könnte. Mit schärferen Sinnen oder kognitiveren Fähigkeiten ausgestattete Fahnder, die ihr Gegenüber verschiedentlich „lesen“ können, ohne dass diese es merken, mischen sich idealer Weise unter’s Volk, um es zu sondieren, suchen öffentliche Plätze auf, Schulen, Unis und bestimmte Ortsteile. Bessere Sinnesleistungen dürften nicht allzu oft vergeben sein, schon gar nicht so ideal, wie in der Serie, kognitiv-mentale Kompetenz auf der Basis von detaillierter und hochgeschwindter Wahrnehmungssteigerung der Umfelder jedoch lässt sich genauso gut erlernen und trainieren, wie Patrick Jane uns als Mentalist zeigt, so dass passive Reaktionen, Gesten und Mimik von Verdächtigen bereits Antwort auf Schlüsselfragen geben.

Schön ist auch, dass die Behörden inzwischen versuchen, die Bevölkerung rechtzeitig per App über Katastrophen zu warnen, so werden zunehmend über Wetter-Kapriolen hinaus auch erweiterte Gefahren- und Katastrophenwarnungen ausgegeben. Hier sind katwarn und NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App des BBKs, Bundesamts für Bevölkerungsschutz) zu nennen, denen man 7 Orte von Interesse hinterlegen kann. Sofern man über aktiviertes WLAN (geringerer Akku-Verbrauch) oder GPS zu orten ist, bekommt man Notstandsinformationen und Anweisungen, sofern man in der betroffenen Nähe ist. Über kurz oder lang mögen die sich durchaus als Must-Haves etablieren.

26.7.16 18:25, kommentieren

Erster Kuss mit 45 – warum nicht?!

Besser, als mit 60; wer weiß, vielleicht wird der erste Sex dann mit 253 erfolgen, quasi mit Lichtgeschwindigkeit! Glück lässt sich auch nicht allgemeingültig definieren, da tiefe Zufriedenheit so individuell wie die Menschen selber ist. Ich habe bislang auch nichts vermisst, da nicht gekannt, das ist mir auch nicht peinlich. Im Gegenteil, macht mich das in der heutigen Zeit doch eher noch zum Exoten; ich hatte immer schon zuviel Respekt vor anderen Menschen. Wohl auch in allen meinen Umfeldern immer mal wieder mit Menschen zu tun gehabt, die mir das Leben schwer machten, und ich das meinerseits unvorbereitet und bester Dinge leider genauso absorbierte. Durch diese Prägung habe ich anscheinend den wohltuenderen Rückzug von der ‚unangenehmen Menschheit’ gewählt. Bin in der Jugend menschenscheu geworden wie ein Wolf, der die Zivilisation meidet. Hatte ich doch stattdessen außerdem mehr Zeit für anderes und in so manchen Belangen meine Ruhe. Und das kann herrlich sein! Auch könnten sich wohl viele Geistliche von mir eine Scheibe abschneiden. Hart, aber wahr. Wow, wie wär’s: Ich der nächste Kardinal oder Papst? Super!

Mal wieder sah ich mich in der Mitte des Lebens angekommen und damit konfrontiert, dass ich eine bestimmte Freizeitbeschäftigung immer noch nicht ausprobiert hatte. Oh je, aber die hatte doch zwangsläufig damit zu tun, sich auf andere Menschen einzulassen! Und Frauen sollen doch heutzutage schon mal ihre verschiedentlichen, einnehmenden Vorstellungen haben; nicht dass ich biblische Wertevorstellungen wünschte (Frauen kommen dort sogar erst nach dem Haushund, so mein damaliger Religionslehrer!), ich bin nämlich ein Freund der vollumfänglichen Gleichberechtigung, aber hätte man(n) in einer heutigen Partnerschaft überhaupt noch die Möglichkeit, Atem zu schöpfen? Okay, das grenzt wohl an Paranoia, aber ich bin mir sicher, dass viele Männer nicht mehr vor und zurück wissen ...

Anlässlich des letzten ordentlich betäubten Karnevals und wohl einer vorausgegangenen subtilen Aufarbeitung durch unser gemeinsames Umfeld traf es mich dann völlig unvorbereitet wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Ich hatte es tatsächlich nicht kommen sehen, meine mich zumindest so zu erinnern. Trotz beachtlicher karnevalistischer Vollnarkose elektrisierte mich der feuchtwarme Oralübergriff von jetzt auf gleich, von Kopf bis Fuß. Was war denn passiert? Wir hatten uns doch eben noch ganz normal unterhalten, auf einmal bewegte sich etwas Lebendiges an und in meinem Mund, und wenn man bislang nur totes Essen kannte, das seine Lippen passierte ...! „Und jetzt möchte ich Dein Haus sehen ...!“ erreichte eine leise Botschaft Minuten später aus allerkürzester Distanz meinen Gehörgang. Mein Herz musste wohl unmittelbar wie ein gekickter Sportwagenmotor den roten Drehzahlbereich erklommen haben. „Wenn es denn jetzt sein soll, ... und mach’ jetzt bloß keinen Rückzieher, das würdest Du dir nie verzeihen“, hörte ich mich gedanklich mit mir selbst in’s Gericht gehen ... Alleine schon, dass junge Frauen zu später Stunde nicht unter die Räder kommen dürfen, gebot es mir, sie mitzunehmen, erst recht, da sie die Tochter eines Bekannten war. Und durch unsere gemeinsamen Umfelder gaben wir uns bestimmt gegenseitig Sicherheit und Bestätigung.

Nach teilweiser Kostümentledigung und Erreichen einer häuslichen Bequemlichkeit war es schön zu sehen, wie selbstverständlich sie sich bei mir zuhause bewegte. Fühlte sich großartig an. Auf dem Sofa unter die Decke gekrochen ging es um anstehende Nahrungsaufnahme. Verflixt, es war ja auch schon weit nach 23 Uhr, ich meinerseits war seit mittags unterwegs, und außer kontinuierlichem Betäubungsaufbau per Volksdroge Nr.1 hatte ich seitdem keinen Nährwert-Input betrieben, selbst die noch vergleichsweise spät ausliefernden Gastronomen, zumal in unserem Kleinststädtchen, waren nicht mehr zu erreichen und es fiel mir bereits sichtlich schwer, überhaupt Futterkrippen zu erschließen, das Handy-Display bewegte sich in alle Richtungen, und meine Augen machten sich einen Sport daraus, ihm zu folgen. „Kannste was zu essen machen?“ kam die Frage aus dem Sofadecken-Kokon, der sich wie von Zauberhand um die Fee geschlungen zu haben schien. „Hast Du Pizza?“ schoss direkt die konkretisierende Frage nach. „Ja, aber nur noch eine; oder soll ich Spaghetti machen?“ „Lieber Pizza!“, fiel die Entscheidung. Zum Essen zogen die beiden Nomaden vom Hauptraum in die Kaminecke, Teller auf dem Schoß und Feuer und Fernseher angemacht. Tolle Stimmung. Zum Nachtisch gab’s weitere Zärtlichkeiten und ein entspanntes Dahingleiten. Hätte das dortige Sofa die Kapazität gehabt, hätte es löffelchen-like sein können. Wäre jetzt die Gelegenheit gewesen, mehr Zweisamkeit anzutesten? Was hätte sie gewollt? Hätte, hätte, Fahrradkette ...! Beim ersten Treffen überstürzt man nichts, zumindest, wenn man an Qualität und Langlebigkeit eines Miteinanders interessiert ist. Das alkoholbedingte zarte Schnarchen, das von meinem Schoß empor stieg, hatte für mich eher etwas von einer zahmen Großkatze, die wie zu meinem Schutz dort schnurrend ruhte. Mein Panther ... Aus meiner Adlerperspektive konnte ich deutliche das Pulsieren ihrer Schlagader an der zarten Haut ihres Halses wahrnehmen. Wie süß ...; sie wohl auch meinen ungleichmäßigen Herzschlag, in Abhängigkeit all’ dieser Fragen, die unwillkürlich in mir aufstiegen? Auf jeden Fall war sie nicht nur sicher untergebracht, sondern hatte es von beiden Seiten warm, das stand fest! Um 4 Uhr morgens musste ich mich irgendwie bewegen, da mir der Rücken vom Sitzen wehtat, so gerne wie ich sie weiter gespürt hätte, es nützte ja alles nichts. Außerdem war ich müde und konnte so sowieso nicht schlafen. Ohne echtes Bett funktioniert das bei mir nicht. Mal davon ab war ich zeitlich und von den neuen Wahrnehmungen eh’ überdreht und an Schlafen auch nicht zu denken, aber ergonomisch war ein Bett einfach die bessere, erholsamere Wahl und ich bereits ziemlich erschöpft.
Nun schreiben wir uns über die neuen Medien, die Fee ist jedoch arbeitsmäßig ziemlich eingespannt, hat außerdem einen hartnäckigen Krankheitsfall in der Familie. Am Ball bleiben ist wohl angesagt, jetzt, da meine Büchse der Pandora geöffnet, mein zuneigungstechnischer Flaschengeist gerufen wurde, Schmetterlinge im Bauch und Hummeln in der Hose ihr Unwesen treiben; wird es wohl künftig besagte Fee sein, die diese neu erschienen Wesen bändigt? Und hat sie wohl, wünschenswerter Weise, die selben Wesen angetroffen, die ich demnächst für sie im Zaum halten darf? In jedem Fall hat mir die Erfahrung vermittelt, mir vergleichsweise souverän eine passende Dompteurin erschließen zu können ...

1 Kommentar 24.2.16 19:54, kommentieren

Notgedrungener Adrenalin-Junkie, Schädlingsbekämpfer in eigener Sache

Bereits der Dachaufstieg an sich war grauenvoll; zwar roch es frisch nach feuchter Erde aus der Umgebung und den Moosen, die sich bevorzugt auf den Pfannen der Nordseite angesiedelt hatten; doch war ausgerechnet dies mein regulärer Anlegepunkt für die Leiter, da am Niedrigsten und somit am Besten zugänglich. Obwohl in der zweiten Tageshälfte kein Regen mehr fiel, war besagter Teil immer noch feucht, zumindest die Stellen mit Ablagerungen, die dadurch glatt wie Schmierseife waren. Da kam es urplötzlich wieder auf, das Gefühl, das man in Momenten höchster Gefahr verspürte. Die Anspannung und Wachsamkeit bis in die Haarspitzen, die Fragestellung an sich selbst, ob man eigentlich bescheuert sei, was man hier eigentlich überhaupt verloren hatte? Musste erst noch ein Unglück passieren? Ebenso vernahm die Riechwurzel diesen typisch strengen Pseudo-Geruch, den man in der Nase zu haben glaubt, wenn einen etwas übermäßig stark und unerwartet überkommt. Die hochgefahrenen Sinne im Angesicht der Gefahr konnten einem schon intensive Wahrnehmungen bescheren. Erfahrungen im Grenzbereich. Schon nach dem ersten Meter in sicherheitshalber geduckter Haltung auf allen rutschenden Vieren (!) war das Gefühl des sofortigen Abbruchs so vehement, dass ich eine ganze Weile mit dem weiteren Vorhaben haderte. Aber ich hatte es mir nun mal auf die Fahne geschrieben, musste noch eine Arbeit abschließen, wozu der Vortag nicht mehr gereicht hatte, und passender Weise hatte es ja eine ganze Zeit nicht mehr geregnet. Jetzt war ich mitten auf der Nordseite, kam mir so verloren vor, wie wohl ein Rookie, der erstmalig zum Bergsteigen überredet worden und mutterseelenallein der harschen Umgebung ausgesetzt war. Der Hauptfirst rückte näher, und der Angstschweiß, der Teils in Bahnen den Kopf, Rücken und die Brust hinabrann, teils als Dampf aus den Kleidungsöffnungen austrat, stand im krassen Gegensatz zur herbstlich kalten Witterung.

Die ganzen Jahre über, solange er sich schon bei mir eingenistet hatte, nannte ich ihn gerne mal Sid. Sicher, Sid aus Ice Age war eigentlich ein Faultier, aber die frettchenartige Anmutung, die Gewandtheit und Lebenskunst von der Hand in den Mund trafen auch gefühlt irgendwie auf meinen langjährigen Marder zu, wahrscheinlich hatte ich sogar bereits Folgegenerationen und –Populationen ‚zu Gast’ in meiner Dachisolierung und Zwischendecke gehabt, da es in den vergangenen Jahren dort oben teils sehr kiebig zuging. Was hatte ich nicht alles aushalten müssen: Zerrissene Schneeschutzfolien, herausgebissene Glaswolle hier und da, brüchige Spanplatten der Dachbodenoberfläche, die typischen territorialen Kotmarkierungen rund um’s Haus, denen man die saisonal abhängige Kost dieses Geschöpfes teils gut ansehen konnte (zum Spätsommer / Herbst gerne mal künstlich beerenrot mit Restkügelchen!), auf dem alten Dachboden üblicher Weise auch in großen kreisrunden Ansammlungen von einem Quadratmeter Fläche, und das behände, leichtfüßig nagelnde Geräusch, als wäre er eine Rennmaus, wenn er direkt über dem eigenen Kopf auf der Deckenpanele lief oder sich eher mergelnd dumpf zu erkennen gab, wenn er enge Passagen durchkroch ... Die Nerven können schnell blank liegen; ständig ist doch der Gedanke am Start, wann wieder die Zwischendecke für wie viel tausend Euro zu erneuern ist, oder einem das Dach womöglich irgendwann auf den Kopf fällt! Man kommt nicht in den Schlaf, fragt sich bei jedem Geräusch, ob das von Temperaturschwankungen und Wind, wie so oft, oder doch wieder vom Quälgeist kommt; es ist ja nicht so, als hätte man keine anderen Sorgen, und dieser Kobold kann einem fürwahr auf die Gesundheit gehen, nicht nur psychisch und nervlich, denn neben vielen Krankheiten und Keimen trägt er gerne auch Parasiten in sich, ist also, so gesehen, eine super-mobile, multiple Schädlingsbombe. Er ernährt sich auch wiederum von solchen, bringt sich also auch mal ’nen Nager oder ’ne Taube von „Marder Donald’s“ mit nach hause, die Reste lässt er dann liegen, wo es ihm passt. So wie manche Menschen die braune Papiertüte mit dem gelben Buchstaben auch einfach aus dem Autofenster werfen ...
Und man frage mal Firmen, die sich eigentlich auskennen sollten, oder welche sogar Schädlingsbekämpfer sind: „Ja, wir können mal eine Begehung machen oder eine Falle aufstellen (lassen), aber das ist ja auch schwierig ...“. So oder ähnlich hörte ich mir zwei, drei professionelle Ghostbuster an und hatte schnell das Gefühl, dass das keine zufrieden stellenden Ergebnisse bringen würde, außer für den Bekämpfer in Form von Umsatz. Auch der Dachdecker, der lange im Thema war und auch darauf hin Termine wahrnahm (Rechnungen ohne abhelfenden Gegenwert!), hier und da Pfannen abnahm und nachschaute, kam dem nicht auf die Spur, obwohl er den Befall im Bereich der Gaube letztlich feststellen konnte; jetzt war doch eigentlich für ihn nur noch weiter die Fährte beizubehalten und das Projekt durchzuziehen ... Jäger-Tipps wie Parfum auszulegen, ein Radio aufzustellen oder Nutella in eine Falle zu setzen, brachten wieder nüscht; ich habe das Nutella sogar mit Akazienblütenhonig beträufelt, da Honig einem Bekannten im selben Fall direkt geholfen haben soll; die Insekten, zumindest, haben sich sehr darüber gefreut ...
Ich machte inzwischen schon eigene Geräusche, wann immer ich Sid hörte, am Liebsten imitierte ich spontan den erbosten Donald Duck, ein wenig reagierte er auch tatsächlich darauf, er lief dann etwas schneller, „drrrrrrrrrrt“ nagelte es dann über mir. Auch die so universell praktischen Crocs konnte man mal eben ausziehen und unter die Decke werfen, um ihm Beine zu machen. Einsatz von Gummigeschossen sozusagen. Unter’m Strich blieb aber die nervlich-seelische Zermürbung. Denn eines war klar: Werden Zugänge nicht erkannt und geschlossen, werden sie weiterhin begangen. Und all’ diese Abwehrmittelchen, egal ob mechanische, optische, olfaktorische oder akustische bringen nun mal nix, sie mögen die kleinen Nerze vielleicht zeitweise irritieren, wenn überhaupt. Die Mission war klar: Auffinden und Schließen der Zugänge. Mein Nachbar wollte seine direkt an der Nordseite angrenzende Hecke und den Zwetschgenbaum nicht entfernen, ganz klar der rote Teppich für Sid. Eins-zwei-hopsasa und er war schon auf seiner Route sixty-six bzw. meinem Highway to Hell. Deshalb brachten auch die vielen anderen Maßnahmen wie Stachelbänder um Fallrohre zu legen und Zwischenräume am Mauerwerk mit Bauschaum oder Mörtel zu füllen nichts. UV-beständige Dachrinnenraupen, Katzen-Spikes, mein Gott, was es alles gab; Bürsten oder Kunststoffstreifen, die man einsetzen, schrauben oder kleben konnte und die ganzflächig spitze Kegel oder Borsten haben. Selbst um die obere Flucht des Panoramafenstereinsatzes habe ich sie mit Baukleber gesetzt. Am Wochenende, seiner üblichen Zeit bei mir, wieder das vertraute Nageln in der Zwischendecke. War ich jetzt enttäuscht oder froh darüber, dass er mich noch nicht verlassen hatte? Die Sturzwasserkehlenansätze längs der Pfannen hatte ich doch auch schon zugemörtelt; wo konnte er jetzt noch durchkommen?

Im örtlichen Baumarkt traf ich, praktischer Weise (!), einen Jäger unter den Angestellten, dessen Großvater noch Sids fing und deren Felle verkaufte. Sam Hawkins? Na, egal! Als ich ihm mein fünfzolliges mobiles Display mit dem Foto meiner Gaube vor die Nase hielt, da mir eine Absenkung des Firsts bzw. höhenungleicher Verlauf der Firstlinie auffiel, versicherte der mir gleich eindeutig, dass dies der Zugang wäre, zumal beim Zoomen loses Bleiband aus dem Ziegelspalt zu erkennen war; außerdem erhielt ich eine Einweisung in die von den Gewohnheiten des Tieres abhängige Handhabung einer Falle. Das war ja mal ein informativer Volltreffer, aber das Fangen wollte ich lieber den Trappern überlassen, zumal anspruchsvoll und geduldbehaftet. Mein Heim musste hermetisch gegen Hermeline werden, das stand wohl fest! Frettchen-Fangen indes, ist eine hohe Kunst, soviel hatte ich verstanden. Es schien alles Sinn zu machen. Alles hatte ich bislang berücksichtigt, außer den First.

Tags darauf war ich am Gaubenfirst und nahm neugierig die Ziegel ab. Zur Mitte kommend wurde das Bleiband immer loser, dessen Bleirand immer abgerissener und einige der Firstpfannen hatten eiergroße Löcher im oberen Inneren oder Kerben am oberen Rand! Ich war mir sicher, den Zugang der Höhle des Löwen gefunden zu haben. Ich entschloss mich gegen eine Banderneuerung, die womöglich früher oder später doch bloß wieder zerrissen würde, aber für eine Verklebung des Alten so gut es ging, mit zusätzlicher Übermörtelung vom Pfannen-Bandübergang bis zur Firstlatte, außerdem bekamen die kariösen Pfannen zuvor selbstverständlich noch Zementfüllungen. Unter den Speis mischte ich außerdem ein pulverförmiges Mardervergrämungsmittel mit dem unverfänglichen Namen ‚Flocky Stop’, das rein idiomatisch auch ein Hundespielzeug hätte sein können(!), so dass automatisch eine Geruchsbarriere eingebaut war, wenn zukünftig wieder Krallen an’s Werk gehen sollten; dann würde es wohl einen konstanten Abwehrduft freisetzen, soweit meine Theorie.
Da ich mit der Wiedereinklammerung und Verschraubung aller Ziegel an jenem Tag nicht mehr fertig wurde, befand ich mich also an einem Folgetag in besagter moosabgangsträchtigen Situation. Nach Fertigstellung warf ich einen letzter Blick unter die Firstlinie, eine zufrieden über die Ziegel streichende Handbewegung wollte gleichzeitig den Körper sichern sowie eine Geste des Abschlusses setzen. Ein plötzlicher stechend-brennender Schmerz, der gleich darauf wieder im Pegel abfiel. Was war jetzt schon wieder? Enttäuscht über die vorschnelle Bewegung wurde mir bewusst, dass ich nicht mehr an die wieder angebrachten, um die Ziegel rundgebogenen Klammern gedacht hatte. Mit dem seitlichen Nagelbett des Daumens erwischte ich eine davon ziemlich heftig. Schnell sammelten sich immer wieder Tropfen Dracula’s Finest an der Daumenkuppe, die ich mal in die eine, mal in die andere Richtung des Daches abschlackerte. Wirkte das jetzt abschreckend oder anlockend auf Sid? Und nicht, dass ich mir am Ende noch irgendwas dadurch einfangen würde, das fehlte noch ...?! Ich wollte außerdem langsam zum Abschluss kommen und wenigstens noch den zuvor in einer Sprühflasche aufgelösten Rest Flocky-Stop vorbeugend unter den Hauptfirst sprühen, dessen Band auch nicht mehr überall fest war. Denn der somit geschlossene Gaubenfirst konnte ja durchaus dazu ermutigen, auf dem fünf mal längeren Hauptfirst einzusteigen ...! Der zu vernebelnde Aladin wollte leider zumeist nicht so recht aus der Flasche; mal konnte ich es etwas forcieren, zumeist blieb das Ding aber hartnäckig. Der gelbbauchige Kunststoff schien inzwischen einen Batik-Effekt erhalten zu haben, da mein roter Lebenssaft die Flasche ummantelte und diese in der Bedienbarkeit auch immer schmieriger und klebriger machte. Ich hatte die Faxen dicke, schraubte den Kopf ab, entleerte sie ebenfalls schlackernd hier und da über und unter einigen Hauptfirstziegeln, so gut es ging, vergaß auch nicht den stolzesten Haufen zu begießen, den Sid genau in dessen Mitte hinterlassen hatte, und sah zu, dass ich heile vom glattesten Mount Everest kam, den ich bislang kennen gelernt hatte. Bergsteigerschuhe mit massiven Spikes wären bestimmt das Mittel der Wahl in punkto Sicherheit gewesen, aber dann hätte ich mir wahrscheinlich gleich das Dach neu eindecken lassen können ...!
Die Blutung hatte inzwischen aufgehört, dennoch rann eine Menge Rubinrot beim Flasche- und Händewaschen durch das Waschbecken. Die einzige Medikation nach der heißen Dusche bestand in zwei prophylaktischen Ibus und einem Liter Gerstenkaltschale. Es verheilte gut.

Nachdem vier Wochen vergangen waren, machte ich mir ein wenig Sorgen. Sid nagelte nicht mehr in der Zwischendecke, rufte nicht an. Hatte außerdem noch ein funkfernbedientes Radio auf den Dachboden in Höhe des Hauptfirsts bekommen. Viele dennoch verbliebenen Geräusche waren uneindeutig und hatten durchaus mit dem Dach als solchem zu tun und immer schon die Mehrheit ausgemacht, sie waren nach wie vor auch weiterhin belastend. Ein Knibbeln, da war es wieder, konnte es denn wahr sein? Ach nein, Gott sei Dank, das war doch nur die zusammengeknüllte Papiertüte, die ich zuvor zum Anzünder degradiert und in die Kaminecke geworfen hatte, und die sich dort wieder gegen ihre auferzwungene Behandlung zur Wehr setzte und auseinander gehen wollte. Jedes Knistern des Papiers wie ein Krallenschlag in der Bausubstanz. War Sid wohl okay?

6.11.15 20:35, kommentieren

Im Zug dieses Lebens bleiben, solange es geht

Unzufriedenheiten hier und da kommen schnell auf und sind auch völlig normal. Private, persönliche oder berufliche Verhältnismäßigkeiten werfen einen immer wieder zurück oder halten einem den jeweiligen Status Quo regelmäßig und unnachgiebig vor Augen. Je nach Tagesverfassung wirkt das in einer Bandbreite von egal bis vehement auf einen ein. Und so individuell wie die jeweiligen Empfindungen sind, sind dies auch die unterschiedlich stark ausgeprägten Lebensum- und Gemütszustände, und aus diesem beiderseitigen Mix entstehen diverse Haltungen und Handlungen.
Angesichts mancher Schicksale kann man durchaus nachvollziehen, warum sich nach Veränderung oder vollständiger Aufgabe orientiert wird, auch wenn man selber, in vergleichbare Situationen hineingedacht, was ja längst noch nicht Dasselbe ist, immer noch nicht zu radikalen Schritten bereit wäre. Vergleicht man das Leben mit einer Bahnfahrt, kann man gewissermaßen umsteigen, oder aussteigen, nur was hat man davon, wenn man im sicheren Mitteleuropa, gar im nach wie vor bestens aufgestellten Deutschland leben kann? Diese hochwertige Stabilität aufzugeben, sei es auch bei nachhaltig bedrängenden Lebensumständen, die einen beuteln, wäre schlichtweg traurig und die reinste Verschwendung. Unsere wirtschaftlichen Sorgen, beispielsweise, möchte der Rest der Welt gerne haben. Es besteht permanent die Aussicht auf Hilfe und Verbesserung. Gegen wen oder was kämpft man eigentlich, und was hat man zu verlieren?
Vielleicht will man sich verändern, dann wäre das eine vertretbare Lebenserfahrung. Steht man aber bereits vor einer Wand und will oder kann nicht mehr, dann sollte man die Kontrolle und Hoffnung trotzdem nicht gänzlich verlieren, weitermachen und konstant und unnachgiebig auf Chancen aus sein. Das Handtuch werfen kann man immer noch. Ein Regenschauer hört auch irgendwann mal wieder auf. Ist man gar selbst derjenige, der sich im Weg steht? Hat man unrealistische Ziele oder Ideale angesetzt, oder wurde traumatisiert? Der Bekannte, etwa, der sich das Leben nahm, weil seine Frau urplötzlich schwerkrank und zum Pflegefall wurde, oder das Mädchen, das aufgrund der sexuellen Rolle, die es früher oder später anzunehmen gilt, seit Jahren kaum mehr etwas isst oder gleich wieder erbricht, um sich von negativen initialen Erwartungshaltungen oder gar bereits solchermaßen widerfahrenen Erlebnissen bestmöglich zu distanzieren, am Besten erst gar nicht erwachsen oder attraktiv bzw. feminin wahrnehmbar zu werden; oder weil es schlichtweg einen Sport aus dem Abnehmen gemacht und dieses Projekt teils sogar als zweites Ich personifiziert und lieb gewonnen hat. So als wäre sie eine talentierte Sportlerin, der aber die Fachwelt immer öfter nahe legt, ihren Sport gesundheitsbedingt aufgeben zu müssen, und dadurch jedoch, in gewisser Weise, einem guten, gar dem besten Freund, den Laufpass geben zu müssen.

Mit allergrößtem Respekt an die verschiedenen Leben dort d’raußen, aber eines ist sicher: Von diesem Zug, in dem wir gegenwärtig fahren, wissen wir mit einziger Sicherheit, dass er existiert; wer immer sich auszusteigen entscheidet, wird jedoch nicht wissen, wo und ob er denn mal wieder in einem landen wird. Und wenn, ist die Frage, ob überhaupt als Mensch, und ob besagter Zug adäquat zu dem wäre, in dem wir ja bereits sitzen. In welchem Land und Leben erschiene man wohl wieder, und wird man überhaupt sicher vom Bahnhof abgeholt? Wie mag sich alles Weitere entwickeln? Denn warum sollte dieses Leben ausgerechnet unser Erstes und Einziges sein? Es lässt sich nämlich schwer vorstellen, dass nach Aussteigen der Bildschirm einfach nur schwarz wird und auch vorher noch nie angestellt wurde. Und wenn er dann im Leben eines an Menschenhändler verkauften oder in Kriegswirren aufwachsenden Kindes wieder angehen sollte, hätte man sich sowieso nicht verbessert ... Ein Grund mehr, wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, wieder und wieder eingeschaltet zu werden, global stabilisierende Beiträge zu leisten, denn das nächste Leben, wie wohl alle anderen auch, wird todsicher nach dem Zufallsprinzip hochgefahren, und man landet in einem chinesischen, indischen, äthiopischen oder amazonischen Kind. Es ist wohl am Ehesten mit einem Lotteriegewinn zu vergleichen, in dieses deutsche Leben hinein geboren worden zu sein ...

24.10.15 13:22, kommentieren

Wer sind die eigentlichen Amerikaner, und warum koksten schon die alten Ägypter?

Wenn es um die Entdeckung Amerikas geht, denken die Meisten an Kolumbus. Dass er eigentlich Italiener, aber in spanischem Auftrag unterwegs war, ist schon weniger bekannt, oder dass der Name des Kontinents schließlich vom Vornamen eines landsmännischen Seefahrers, Amerigo Vespucci, abgeleitet wurde.
Waliser und Iren berichten von Erzählungen, wonach deren Ahnen ein bis zwei Jahrhunderte zuvor schon da gewesen sein sollen, und sich Kolumbus sehr für deren Aufzeichnungen interessiert habe; dies mag aber auch unter konkurrierenden Seefahrervölkern nichts weiter als der Versuch gewesen sein, eine Besserstellung gegenüber Spanien zu propagieren.
Vielleicht ließe sich etwas eher noch von den Wikingern sagen, dass sie den Europäern die Steilvorlage gaben. Über Island, Grönland, Neufundland bis nach Neuengland existiert definitiv der Nachweis, ca. 300 Jahre vor Kolumbus dort gewesen zu sein. Aber wir Europäer sollten uns nicht so wichtig nehmen, man muss sich nur mal die indigenen Gesichter Amerikas anschauen, dann weiß man schon etwas besser, wer alles bereits vorher ankam. Denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass einige von ihnen nicht nur auf der Durchreise waren, sondern auch geblieben sind. Ein sibirisch-ostasiatisch-polynesischer Schwerpunkt ist unverkennbar. Viele Völker hatten schon lange hochseetaugliche Schiffe oder wendige Boote, auch wenn sie vielleicht ursprünglich nicht solchermaßen eingesetzt wurden. Aber die vielfache Machbarkeit wird zumeist von Fachleuten eingeräumt. Alleine nur, sich auf dem Nordatlantik zu bewegen, wäre in so ziemlich jeder Epoche und mit jedem Schiffstyp in einem zeitlichen Rahmen von einem knappen bis eineinhalb Jahren möglich gewesen.

Am Nachhaltigsten steht im Raum, dass vor ca. 10.000 Jahren sibirische Stämme über die vorübergehende, eiszeitlich bedingte Landbrücke der Beringstraße kamen, also über Alaska einströmten. Nichts dagegen. Die nordamerikanischen Indianer haben auch eher sibirische Gesichtszüge mit rauheren und länglicheren Strukturen, z.B. die Nasen und Wangenknochen. Gen Süden scheinen eher ein gedrungener Körperbau und enger stehende Gesichtsmerkmale vorherrschend zu sein, mitunter muten sie dort auch ostasiatisch an. Daher passt die asiatisch-polynesische Bewegung nach Latein- und Südamerika ergänzend zum eher sibirisch anmutenden Norden in’s Bild. Die taugliche Seefahrt des Menschen wird aber bestimmt noch deutlich weiter zurück reichen, und es lässt sich durchaus vorstellen, dass im Laufe von vielen zehntausend Jahren schon relevante Wege in viele Richtungen bewältigt wurden.

Interessante Kuriositäten:

Um zwar kein weiteres Fass in einem teils sehr zankäpfeligen Fachsektor aufzumachen, sei am Rande dennoch erwähnt, dass Atlantisforscher antike Berichte der Phönizier anführen, die „jenseits der Säulen des Herakles“ (heutiges Gibraltar) ein weit entwickeltes Volk antrafen, deren Männer keinen Bartwuchs hatten. Nun ist der Atlantik groß, und die Phönizier waren womöglich nicht so weit hinaus gefahren; dennoch konnte man sich von diesen, in etwa im heutigen Libanon ansässig gewesenen, hervorragend angepassten und in der alten Welt situierten Kaufleuten und Seefahrer, die sogar die nordeuropäischen Küstenlinien befuhren, vorstellen, dass sie ohne Weiteres auch geradewegs den Ozean überquerten. Und außer in Amerika hat es ja sonst nirgends bartlose Männer gegeben. Tatsächlich sind dies die meisten indianischen Völker, bei Mestizen und Creolen sieht man, wie der Wuchs genetisch anteilig wieder auftritt. Und wird Atlantis nicht immer als ein perfektes architektonisches Gefüge von geometrischen Schiffs- und Bewässerungskanälen beschrieben, das in mehreren ex- und internen Gürteln angeordnet war und gleichermaßen Mobilität, Sicherheit und Versorgung gewährleistet haben soll? Die Hochkulturen Mittelamerikas hatten Urbanisationen, die teils sehr gut in dieses Bild passen. Auch wenn Platon sein Atlantis als viele Tausend Jahre älter beschreibt, könnten Vorfahren der Mayas zu der Zeit auch schon hochentwickelt gewesen sein ...

Karthagische Krieger sollen nach anderen Quellen mit balearischen Steinschleuder-Söldnern in den Wirren der punischen Kriege und angesichts der römischen Übermacht geflüchtet sein und über den großen Teich gemacht haben. Genetische und schleuderbautechnische Übereinstimmungen wurden weitreichend thematisiert.

In entlegenen Gebieten, sogar Südamerikas, gibt es unter indigenen Völkern Angehörige in wievielter Generation, die rote Haare und blaue Augen haben ...! Das können wohl nur mittel- oder nordeuropäische Gene vermocht haben, Albinismus hingegen mutet ja anders an.

Wie die Faust auf’s Auge ...

... passt jedoch, dass in Südamerikas Westen präkolumbianische Hühnerknochen gefunden wurden. Die Spanier waren noch lange nicht da, also musste sie jemand anderes mitgebracht haben! Die Polynesier oder Ost-Asiaten waren es wohl und haben sich dann, vielleicht nur zur Stärkung bevor sie weiter fuhren, noch ein paar Kartoffeln mitgenommen, wenn auch später selber keine kultiviert. Anders herum waren die Südamerikaner der damaligen Zeit eher keine Seefahrervölker, weswegen die Besiedlung im pazifischen Raum nicht etwa umgekehrt stattfand, und wohl die Kartoffel deshalb zunächst ebenfalls keine Verbreitung fand.

Man hat (1) in präkolumbianischen Mumien ein Virus entdeckt, das Leukämie verursacht und weltweit sonst nur in einer bestimmten Region Japans vorgekommen ist. Ebenso ist erwiesen, dass die Valdivia-Kultur Ecuadors zur Zeit eines immensen Vulkanausbruchs und anhaltenden Ascheregens wiederum in Japan, weshalb vielen dortigen Bewohnern nur noch die direkte Flucht über das Meer blieb, (2) einen plötzlichen Bevölkerungs-Zuwachs sowie kulturelle Bereicherung z.B. in Form hochwertigster Töpferkunst erfuhr, die in mehr als hinreichenden Merkmalen denen Südjapans entsprach. (3) Die Gesichter der Einwohner ähneln japanischen wie sonst keine auf dem ganzen Kontinent.
Als abrundende Bestätigung für diese offensichtlich ethnologische oder genetische Entsprechung sehe ich persönlich die hiervon losgelöste Aussage einer internationalen Lebenserwartungsstatistik; dort heißt es, dass (4) die höchsten Lebenserwartungen, angeblich aufgrund von vermutlich gesunder Ernährung und dem Leben im Einklang mit der Natur, wo festgestellt wurden? In einer bestimmten Region Japans und ... Ecuadors ...!?! Riecht für mich in Summe nach einem Volltreffer und scheint den Focus somit eher oder zumindest auch auf die Genetik zu setzen.

Um mit einer höchst interessanten Sache zu schließen, die die Wissenschaft lange schon beschäftigt, gilt es nach wie vor noch zu ergründen, wie es 3000 Jahre alte Mumien zu Lebzeiten schafften, erhebliche Dosen Kokain (welcher Verarbeitungsstufe auch immer) erlangt und konsumiert zu haben. Es geht wohl nicht um Koks, Respekt ansonsten, wenn es damals bereits Menschen gab, die sich tiefergehend mit der Wandelbarkeit des Ausgangsstoffs auskannten(!), sondern wohl das natürliche Alkaloid. Coca, also, gab es althergebracht nur in den Anden, und eine vergleichbare Pflanze in der alten Welt ist nicht bekannt oder müsste ausgestorben sein ...! Mit so einem kulturellen und gesundheitlichen Stellenwert, den ein Stoff wie Coca immer schon gehabt hat, kann man sich Letzteres aber wohl eher nicht vorstellen. Eine vergleichbare Pflanze, hätte sie in der alten Welt existiert, wäre genau wie andere auch, gehegt und gepflegt, gewahrt und angebetet worden. Hingegen das Nikotin der Mumien könnte zumindest durch andere Pflanzen zugeführt worden sein, da außer Tabak viele andere es ebenfalls erzeugen, bis hin zu Kirschblättern! Aber man hat im Verlauf sowieso auch eine nicotiana africana entdeckt, also eine immer schon heimische afrikanische Tabakart. Da in der Urlandmasse Pangea Amerika und Afrika aneinander lagen, dürften Ähnlichkeiten oder Übereinstimmungen von Flora und Fauna eigentlich auch nicht verwundern.
Auch das reichliche in unseren der nubischen Wüste entsprungenen Freunden enthaltene THC deutet auf den seit eh und je üblichen Gebrauch von überall in der alten Welt vorhandenem Cannabis hin. Es sieht demnach wohl so aus, dass bereits in der Antike Leute transatlantisch oder –pazifisch, auch vielleicht über den asiatischen Landweg, souverän unterwegs waren und Handel trieben, denn anders macht wohlgemerkt verstoffwechselt gefundenes natürliches Kokain in altägyptischen Mumien keinen Sinn! Die Laborergebnisse von 1992 gelten als gesichert und verlässlich, auf Fehler geprüft und wurden auch an weiteren Mumien nachträglich wiederholt und immer wieder positiv getestet und bestätigt.

Wie kann man sich die damaligen Reisen also vorstellen: Ägypter mit pharaonischem Auftrag besucht Inka (Mittelmeer, Kap Horn, nordwestliches Südamerika; aufwändig und gefährlich) oder Ägypter beauftragt bzw. begleitet Ostasiaten über den Pazifik; immerhin meinen andere Quellen, die alten Ägypter hätten es auch bis nach Australien geschafft (lesbare Totenkult-Hieroglyphen, verschiedentlich gefundene Münzen, sofern das kein etwaiger Fake britischer Kolonialisten war(!), das befürchte ich u.U.), in dem Falle traute ich ihnen auch die Pazifiküberquerung zu, und sie hätten noch dazu direkten Zielkontakt. Oder die Ostasiaten hatten transpazifische Wege vor ihren nach Westen gerichteten Karawanenhandel geschaltet. Aus ägyptischer Sicht wohl die einfachste, womöglich naheliegendste Variante. Dann müssten sich aber asiatische Mumien durchaus auch positiv testen lassen, ein Händler konsumiert sein Vertriebsprodukt ja auch selbst. Bis an unsere Ostsee sollen pharaonische Gesandte auch regelmäßig gekommen sein, neben anderen handelnden und raubenden Völkern, da sie von dort Bernstein für rituelle und schmückende Zwecke besorgten, gleichermaßen wie Lapislazuli aus Afghanistan.
Noch eher sehe ich den Ägypter jedoch schlichtweg Gibraltar passieren, etwa wie später viele Europäer auch, und in Mittelamerika bzw. dem nördlichem Südamerika anlanden, wo er von den dortigen Flachlandvölkern, die wiederum mit den Inkas Handel trieben oder ihnen unterworfen waren, Güter tauschte und wieder gen Heimat fuhr. Kolumbus ist auch einfach losgefahren, wissend oder ahnend, und auf Kuba gelandet. Einige damalige Altweltler könnten sich durchaus lange zuvor diesen Weg erschlossen haben, und sollten die Phönizier zu der Zeit, wie zumeist angenommen, die firmste Seemacht des Mittelmeers gewesen sein, waren sie es wohl auch, von denen die Ägypter kauften.
Recherchiert man mal tiefergehend auf diesem Sektor, tut man weiteres Material auf, das deutliche Indizien dazu anführt, dass verschiedenste, ganz unerwartete Völker schon interkontinentale Kontakte gehabt haben mussten; eine Quelle benennt denn auch das alte Rom und Lateinamerika in einem gesonderten Zusammenhang sowie Indien(?) als althergebrachtes Coca-Land; das wiederum brächte natürlich konträre Ansätze in manche klassische Gefüge; dagegen spräche, dass ein solches Kulturgut bis heute auch in und für Indien bekannt gewesen wäre und seinen Stellenwert immer noch hätte; dafür spräche aber, dass Amerika vergleichsweise lange gar nicht menschlich besiedelt gewesen sein soll, es könnte sich ja theoretisch um eine von Menschen nach Amerika eingeführte höhenlagenbedürftige Pflanze des Himalayas handeln, die sich in den Anden ebenfalls wohl fühlte, und die letzte wesentliche Ursprungsetappe der Menschheitsgeschichte nahm ja von Zentralasien aus seinen Lauf, von wo aus auch auf jeden Fall das lange nicht bewohnte Europa erst besiedelt wurde. Hätte Indien tatsächlich auch Amerika seinen Ursprung geliefert, bekäme das Synonym ’Westindische Inseln’ einen nachhaltigeren Stellenwert ...

17.10.15 16:14, kommentieren

Impf-Muffel oder Selbstschützer?

Es ist schon wieder höchste Eisenbahn; inzwischen haben wir Anfang Oktober, das Wetter wird nasskalter, und die Oberflächenkeime werden aufgrund des ausbleibenden Sonnenlichts nicht mehr abgetötet. Die Verbreitungssaison von Viren und Bakterien hat wieder begonnen.
Immerhin kann man sich gegen den schlimmsten grippalen Infekt, also die klassische Grippe oder auch Influenza, per Impfung schützen, wenn nicht durch permanente Isolation oder konstante Hygiene und Verhaltensmuster, gar Mund- und Augenschutz! Dies sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass man im Falle einer Ansteckung aber grundsätzlich auch krank wird, aber halt eben weniger stark als Ungeimpfte und um die Risiko-Faktoren Tod und bleibender Herz-Lungenschäden bereinigter, denn darum geht’s ja. Das RKI bescheinigt Reduktionsquoten von circa fünfzig Prozent. Und das halte ich persönlich auch für das ausschlaggebende Kriterium für jedermann, und nicht nur die offiziellen Risikogruppen jung, alt, gesellschaftlich hochfrequent, sich jeden Herbst, gleich, wenn die neuen Sera da sind, eben auch impfen zu lassen.
Viele Ärzte sehen das genauso, andere halten dagegen. Gar sprechen grundsätzliche Impf-Gegner von sekundär viral und begleitstoff-verunreinigten Sera, was von der Industrie vertuscht würde, und für kurz- oder langfristige Ausfallerscheinungen oder andere Krankheitsbilder sorgen könnte, davon ab, dass die Krankheit selbst, gegen die geimpft werde, ausbrechen könne, und das Abwehrvermögen weitaus komplexer sei, als dass bloße Antikörper etwas ausrichten könnten. Dass die körpereigene Abwehr wesentlich umfassender und bereichsübergreifender funktionieren dürfte, kann ich nachvollziehen; aber könnte es in der sicheren, kontrollierten westlichen Gesellschaft tatsächlich möglich sein, dass, noch dazu, auf dem sensibelsten Sektor, dem Gesundheitswesen, bloß Schmu zugunsten des Reibachs abläuft?
Anfangs, in jungen Jahren, war das für mich eine sporadische Geschichte, mal holte ich mir die abgetöteten Grippe-Erreger ab, mal nicht; mal empfahl mir ein Homöopath, es sein zu lassen, denn ein Körper müsse auch ab und zu mal richtig krank werden, um sein Immunsystem wieder hochzufahren, mal meinte ein asiatischer Facharzt für Akkupunktur, er setze lieber Nadeln, die den Körper ausreichend stimulieren, um gleich in der nächsten Saison wieder davon ab zu lassen und doch lieber die Impfung zu verabreichen, da diese unter’m Strich die stärkste Methode sei, Zwischenfälle und Komplikationen zu reduzieren.
Dann gibt es viele, die von Nebenwirkungen sprechen und argumentieren, dass dies tendenziell auch schon wieder nicht im Verhältnis dessen stünde, was man eigentlich verhindern wolle. Die wurden mir auch schon einzeln von einem Arzt vorgebetet, angeblich aus Gründen rechtlicher Absicherung, denn ein Arzt könne ja auch verklagt werden, wenn der Patient nicht vorausgehend informiert werde. Sicher fühlt man sich frisch geimpft abgeschlagener, zuweilen vielleicht etwas kränklich, und Körper und Kreislauf sollten die folgenden zwei Wochen keine höheren Belastungen wie körperliche Arbeiten, Sport und Saunabesuche erfahren. Mal schwitzt man, mal friert man vielleicht, der Kreislauf hängt oder man spürt etwas in der Brust, hat vielleicht sogar Übelkeit oder Kopfschmerzen. Man schone sich schlichtweg solange, und befasse sich mit anderen Dingen, der Körper hat die nächsten Tage vermehrt mit sich zu tun. Und zur angeblichen Schwere der Nebenwirkungen: Wenn ich mal eine schlaflose Nacht habe, fühle ich mich ähnlich oder schlimmer als in den ersten Tagen nach der Impfung. Aber zu wissen, dass ich auf der sicheren Seite bin, gibt mir ein gutes Gefühl, außerdem wird durch die jährliche Impfung das Immunsystem bestimmt dennoch trainiert, da es sich ja jedes Mal auf’s Neue wieder gegen unbekannte Invasoren zur Wehr setzen muss, da hätten wir also einen weiteren Nutzen.
Es wär’ ja schon schlimm, dem Medizinwesen nicht mehr trauen zu können. Das möchte ich mal eher im Krimi ansiedeln. Durchschnittlich sterben in Deutschland zehntausend Menschen pro Jahr an der Influenza; das entspräche der selben Zahl an vorsätzlich um’s Leben Gebrachten. Auch nicht so sonderlich vielen, aber schon einer gehörigen zu respektierenden Menge. Ich werde auf jeden Fall die Sinnhaftigkeit und Risiken des Impfens regelmäßig beim Arzt meines Vertrauens nachhalten, und sollte es Gründe geben, es künftig abzusetzen, würde ich es tun ...

9.10.15 20:35, kommentieren

Mythos Gaggia

Kaffee vertrage ich nach wie vor nicht so gut, aber mit zwei bis drei Espressos am Tag (Espressi ist ja italienisch!) ist mein Magen in der Regel noch stabil. Eingebettet in reichlich mineralisierenden Grüntee, möglichst auch den Andinen, versuche ich die Bastion der Schleimhaut und des Säure-Basen-Gleichgewichts zu halten; notfalls ist eine zusätzliche, kleine säurebindende Mahlzeit angezeigt, oder hin und wieder ein leichter Säureblocker. Kurativ in der saisonalen Übergangszeit, Herbst und Frühjahr, wo die Internisten sowieso die meisten Gastritis-und Geschwürseinweisungen haben (Magensekretion reagiert auf Wetter-Umschwung), kann auch schon mal ein paar Tage lang die Einnahme eines fachmännischen Blockers (PPI) sinnvoll sein, den es ja inzwischen in der 20mg-Dosierung rezeptfrei erhältlich gibt. Mal einfach bis zu 14 Tage lang gleich vor’m Frühstück eine einwerfen, wenn man solch’ ein Kandidat ist. Man sieht, dass Außenreize und Nahrungsaufnahme, im Weiteren die Lebensweise und -Umstände gleichermaßen auf die Säureausschüttung Einfluss nehmen. Ein Tipp am Rande für Leidensgenossen: Die früher propagierten Diäten sind Quatsch bzw. nicht pauschal über einen Kamm zu scheren, der Internist meines Vertrauens sagt, jeder könne selbst ausprobieren, was er nicht so gut vertrage und dann entsprechend meiden. In den Übergangsjahreszeiten und auch sonst, wenn’s im Oberbauch brennt, einfach magenfreundlicher leben, Reizstoffe reduzieren, leichter essen, für regelmäßigen seelischen und körperlichen Ausgleich sorgen.

 

Ich bin Traditionalist, suche zumeist, wenn mich etwas interessiert, das Authentische, Ursprüngliche oder Richtigstmögliche. Für den tollsten Kaffeegeschmack nehme ich daher auch hin und wieder einen Magen im Grenzbereich in Kauf. Da kommt Filterkaffee, selbst wenn er gerade eine neue Blüte erfährt, und Vollautomatenkaffee natürlich nicht in Frage, weiß man doch auch bei letztgenannten nicht pauschal, ob diese siebträgeradäquaten, dampfgedrückten Espresso abgeben können. Vielen Apparaten unterstelle ich zumindest, dass sie bloß ein Standardverfahren mit unterschiedlichen Wassermengen anwenden. Jedoch ein mit etwas mehr Arbeit versehenes Zu- und Nachbereiten eines Espressos aus einer Siebträgermaschine bringt auf jeden Fall die geschmacklich und verträglich optimierte Essenz.

 

Unsere Generation ist damit aufgewachsen, wie sich die ersten Pizzerien etablierten. Hinter den Theken der später oft auch Trattoria genannten Restaurants stand gerne mal eine professionelle Siebträgermaschine des Herstellers Gaggia. Vollends in Metall gefertigt, die älteren womöglich noch teils in Gusseisen und leuchtend rot lackiert, wie die Zylinderköpfe des Ferrari Testarossa, weshalb der ja so heißt, konnten drei oder vier Siebträger gleichzeitig bedient werden. Nun hatte ich in den letzten Jahren als ausschließlicher(!) Teetrinker den Mut gefasst, mir für den Einstieg einen ‚Dampfdrücker’ zu besorgen. Mit der authentischen Maßgabe war klar: Wer Fisch essen möchte, fährt an die See, wer eine Espressomaschine haben will, besorgt sich eine etablierte italienische. Die Preise von Gaggia waren mir seinerzeit noch zu hoch, wusste ich außerdem nicht, ob ich mit meinem Magen tatsächlich regelmäßig so ein Gerät nutzen würde. Ich traute mich schließlich zu einer De Longhi, die meine grundsätzlichen Anforderungen (italienisch, Siebträger, 15 Bar Dampfdruck) erfüllte. Und siehe da: Seit ca. 10 Jahren absorbiere ich mindestens jeden Morgen eines dieser kleinen, schwarzen Geschmackspotpourris.

 

Kürzlich segnete mein anthrazitfarbener Schatz mit beheiztem Parkdeck und Milch-Yakuzi das Zeitliche. Eine versuchte Not-OP (die sind ja unmöglich verbaut, und ich bin schon einige elektronische Innenleben gewohnt!) brachte auch keinen Erfolg, also war es daran, ein neues Wesen kennen zu lernen. Auf der anderen Seite war es mir auch nur allzu recht, denn somit hatte ich doch endlich die Möglichkeit vor dem Hintergrund meines tatsächlich anliegenden, regelmäßigen Aufkommens, schließlich mal eine Gaggia auf meiner Anrichte begrüßen zu können! Mit Schmetterlingen im Bauch sondierte ich die Modelle, las die Rezensionen derer, die ihre Erfahrungen schon gemacht hatten.

Als die erste nachhaltige Informationswelle sorgsam verarbeitet war, fiel ich plötzlich in ein tiefes Loch: Immer mehr Erfahrungsberichte waren zu lesen, die von schlechter Verarbeitungsqualität und Markenübernahme als respektivem Hintergrund sprachen. Gaggia habe vor über 10 Jahren verkauft, und zwar an Philips bzw. Saeco, die ja wiederum zu Philips gehören ... Statt Metallen würden Kunststoffe und statt solider Kippschalter Softtasten verbaut. Teils würden sogar von der noch echten Gaggia Classic Fotos eingestellt, bei Lieferung komme aber der Philips-Nachbau mit besagten billigen Materialien ...

Ich war mehr als nur moved, mein heiliger Gral, nach dem ich mich jahrelang sehnte, mein ganz persönlicher Gaggia-Geist war urplötzlich entzaubert, revidiert, verunglimpft, sprichwörtlich verkauft, auf ein bloßes Plagiat reduziert. Wie anders würde sich beispielsweise ein Ferraristo fühlen, bekäme er zwar eine authentisch anmutende Pasta-Rakete angeboten, aber weite Teile darin aus Fernost? Was wollte mir das Ganze vermitteln? Sollte ich mich gar einem sonstigen Mainstream-Produkt anschließen? In jedem Fall weg von der favorisierten, firm und fest ersehnten Wunschreligion? Das konnte und durfte nicht sein, aber auf verbrannte Erde lässt sich nun mal nicht umziehen; der Fall war klar, das Vorhaben sich abzuschminken. Diese Seifenblase war zweifelsohne für immer zerplatzt.

Ich hatte doch bereits eine echte Italienerin zuhause, warum dann nicht in würdiger Nachfolge eine ihrer Schwestern häuslich werden lassen? Gesagt, getan; die schlanke Schwester, ein wahrer Eyecatcher, das muss man wirklich sagen, gerade auch in der metallenen Ausführung, ist noch vergleichsweise neu ‚in der Stadt’ und schon gleich ’Topseller Nr.1’, darf man dem großen Online-Vertreiber Glauben schenken. Gut, sie ist so schmal gebaut, dass man sie beim Betätigen des Siebträgers festhalten muss, und manchmal bleibt auch etwas Satz unter der Ausgabe hängen. Auch den Milchaufschäumer kann man komplett vergessen, der dämpfelt nämlich bloß etwas vor sich hin, und wenn man meint, es ginge los, dann hat er schon keine Kraft mehr und der Kessel ist überhitzt! Noch dazu verursacht er gerade mal einen Ansatz-Schaum von einem Millimeterchen Stärke, der sich vergleichsweise schnell wieder auflöst. Aber zuhause bin ich sowieso kein Milchkaffeetrinker und kann daher bestens darauf verzichten, könnte mir aber genauso gut einen zusätzlichen, separaten Milchaufschäumer vorstellen, hätte ich den Bedarf. Denn das Espresso-Resultat des Geräts gefällt mir. Was da ’raus kommt sieht aus, riecht und schmeckt wie man es erwartet.

Da ich inzwischen auch auf’s Selber-Kaffeemahlen gekommen bin, kann ich für die De Longhi einen Mahlgrad von zwischen 4 und 8 mit einem Kegelmahlwerk empfehlen, auch vor dem Hintergrund, dass man für Espresso möglichst fein mahlen soll. Bei den niedrigsten Graden sieht man aber deutlich, dass die Maschine bei der Extraktion ziemlich angestrengt ist und noch vergleichsweise viel Wasser im Siebträger behält. Mehr Anstrengung könnte wohl auch eher wieder Ausfälle begünstigen, daher werde ich die Grade 1 bis 3 eher selten einsetzen. Ein Profi-Gerät mag souveräner mit solchermaßen dichtem, öligem und kraftaufwändigerem Kaffee-Mehl zurecht kommen. Die bella ragazza lässt dann jedoch eher keine gleichmäßig mittelbraune Flüssigkeit austreten, sondern tröpfelnde bis behäbige Schwärze, entsprechend kann man die Crema in der Tasse eher suchen. Statt einer von unterschiedlichen Brauntönen gescheckten, durchgängigen Landmasse mit bestimmten Höhenmetern sieht man dann eher eine schwarze Waterworld mit Rand-Inselchen kurz über dem Meeresspiegel.

 

Mein persönlicher „Mito di Gaggia“ ist wie gesagt offenkundig geworden, aber das Leben geht weiter, und ich habe endlich wieder eine waschechte Italienerin in der Küche, bravo ...!

2.10.15 22:53, kommentieren

Schattenkinder - Unserer einzigartigen Mutter

Kürzlich waberte ein Beitrag über den Äther. Die längste Zeit kannte ich das Wort gar nicht. Als Betroffener wächst man wie selbstverständlich in das Leben hinein, da es zumeist als normal empfunden wird. Man kennt es nicht anders. Mit mehreren Geschwistern war zuhause immer ’was los, mal verstand man sich besser oder schlechter, stritt sich, oder fand zusammen, und die Eltern waren mehr als ausgelastet. Unsere Mutter hielt rund um die Uhr die Fäden vor Ort in der Hand, unser Vater trieb seine Selbständigkeit voran. Abendliche Gemeinsamkeiten waren nicht immer oder in dem Maße gegeben, zu sehr hatte der Tag oftmals bereits Reserven oder Nerven gefordert.

Ob ich als Kind weniger Zuwendung bekam oder ich bewusst wahrnahm, dass unsere jüngste Schwester mehr Aufmerksamkeit erhielt als wir oder dieser bedurfte, kann ich rückblickend gar nicht mehr so richtig sagen, ich glaube, ich habe das eher einfach so angenommen, wie es kam bzw. war, und es stand für mich nicht weiter zur Debatte. Als während der pränatalen Phase unserer Schwester die Diagnose auf Downsyndrom gestellt wurde, war es für unsere Mutter umso klarer, sich voll und ganz auf das Kind einzulassen, und das in einer Zeit, in der Ärzte gerne auch mal eine andere Empfehlung aussprachen, und der heute selbstverständliche Begriff der Inklusion eher noch verpönt, geschweige denn geläufig war.
Sicherlich wurde sie mehr in Schutz genommen, hatte zu Vielem leichteren Zugang, wurde eher auch noch über ein bestimmtes Maß hinaus vor Außeneinflüssen bewahrt, obwohl sie sich sicherlich noch viele andere darauf aufbauende Selbständigkeiten hätte aneignen können. Unsere Mutter war halt gänzlich für uns alle, und noch mehr für unser liebes Nesthäkchen da. Klar, wenn es um Aufgaben-Verteilung ging, machte unsere Schwester immer den besten Schnitt, und es konnte auf unserer Seite schon mal ein: „Oh, die hat’s gut ...!“ herausrutschen; mit zunehmendem Alter wurde uns dieser Einwand aber nicht mehr durchgelassen. „Ach ja, meinst Du wirklich? Ich glaube, das weißt Du besser ...!“ Einige zusätzliche Dinge hätte sie sicherlich immer schon machen können und kann sie nach wie vor immer noch mehr übernehmen. Das nachhaltige, mütterliche Protektoriat hat dies weniger forciert. Das hatte sicherlich Auswirkungen auf unsere jeweiligen Alltagsplanungen; wir Kinder verabschiedeten uns in unsere Freizeit, oder schickten uns zumindest dazu an, aber es kam durchaus oft die Frage auf, wer denn auf die Jüngste aufpasse.
Insofern waren wir schon von Seiten allgemeiner Aufgaben einerseits und der regelmäßigen Aufsicht oder Begleitung andererseits eingeschränkt, nicht so frei zumindest, wie die meisten unserer Altersgenossen. Und auch zukünftig wird das fortgeführte Aufpassen und Zusammenleben Thema bleiben, zumindest wird nicht jeder von uns sagen können, ich lebe künftig mein eigenes Leben, sofern wir selbstverständlich unser Versprechen halten wollen, für die Jüngste weiterhin da zu sein.

Heute hat sie einen weitestgehend selbstbestimmten Tagesablauf, da sie aufgrund traumatischer Erlebnisse unter Ihresgleichen fortan das Leben in der Familie und im Bekanntenkreis jenem vorzog, zwischendurch bestimmt sie ihren Tagesablauf komplett selbst und vermittelt mir schon mal das Gefühl, bei der vielen Zeit, die sie rein für sich hat, mir vielleicht noch etwas besser im Haushalt zur Hand gehen zu können! Ihr unverkennbarer Dickkopf einerseits, der andererseits aber von einem genauso herzlichen Wesen begleitet wird, ist selbstverständlich nicht allzu schnell zu ‚Zugeständnissen’ bereit, bedeutet dies doch Verzicht auf einen Teil des Lieblingsfernsehprogramms oder anderer bevorzugter Beschäftigungen. Intelligent und harmonisch gilt es immer, vorzugehen, und zum Schluss denke ich: Zuviel Sonne ist auch nicht gut!

Seit dem nunmehr einjährigen Verlust unserer Mutter, dieser nach wie vor sich gleich anfühlenden Lücke, kommen wir jedoch in erstarkter Demut, Verständnis und Zugewandtheit zusammen, was man auch bei unserer Schwester deutlich wahrnehmen kann. Mamas Facetten strahlen aus jedem von uns beständig und ungebrochen hervor ...

25.9.15 22:28, kommentieren

Party- und Lifestyle-Lieder mit so ganz anderer Message

Die Klavierlehrerin meiner Schwestern äußerte gerne mal, dass sich die Tonleiter eigentlich nur aus vergleichsweise wenigen Noten zusammensetze, und doch entstünde daraus eine Unendlichkeit an individuellen Kompositionen.

Was im Alltag die meisten Gehörgänge erreicht, dürfte zumeist Popmusik, im Weiteren auch R ’n B, Rap, Hip-Hop und zunehmend auch Lateinamerikanisches sein. Es wird oftmals unvoreingenommen mitgesungen, -gesummt oder getanzt, ohne die zugrunde liegende Botschaft groß in Frage zu stellen bzw. überhaupt zu verstehen. Sind sie doch auf die Melodie bezogen oft richtige Mitreißer. Wenn man dann aber junge Frauen abrocken sieht, während beispielsweise Sweat von Inner Circle, Candy Shop von 50 Cent oder Whistle von Flo Rida gespielt wird, ist es schon verwunderlich bis amüsant, welcher unwissentlichen Bereitschaft sie sich auszuliefern scheinen. Enthalten die Stücke doch Aufforderungen oder Wünsche zum kräftigen Geschlechtsakt oder Oralverkehr, mindestens sind sie doppeldeutig zu verstehen. Sie zum schwitzen bringen zu wollen, und wenn sie aufschreie, es oder ihn noch mehr (hinein?) zu schieben; sie seinen Lollipop im Süßigkeitenladen lutschen zu lassen oder die Pfeife unter Anführung detailierter Herangehensweise geblasen bekommen zu wollen. Vielleicht ist es aber auch einfach unpraktisch, Unterbrechungen im Kontinuum des Musikgenusses in Abhängigkeit persönlicher Wertevorstellungen einbauen zu müssen, so nach dem Motto, die Botschaft, jetzt gerade, kann ich nicht vertreten, solange verlasse ich erst mal die Tanzfläche oder stelle das Radio leiser. Stattdessen kann man das Ganze ja auch ironisch mit tragen und sein Beschallungs-Kontinuum weiter aufrecht erhalten. Jetzt erst recht, so ungefähr!
Da klingt es in Blanco von Pitbull und Pharell Williams, das der eine oder andere Motorsport-Fan aus der hormon-, adrenalin- und PS-geschwängerten Gathering-Szenerie von The Fast and the Furious 4 kennen dürfte, schon beinah unverfänglich, wenn er „nur“ davon singt, dass er alles bereits durch die Kleidung sehe und sie alles auf ihn werfen könne, und sie möge mit ihrer Hose näher kommen und ihm ihre Strumpfhose schenken, er unten, sie oben: „Acércame tu pantalón, regálame tu panti ... Yo abajo, y tú arriba!“

Die Zeiten und ihre Botschaften sind heißer und direkter geworden, so wie sich Haie bekanntermaßen mit steigender Wassertemperatur aggressiver verhalten. Aber auch vom seit Jahrzehnten eingebrannten „Vamos a la playa“ der italienischen Gruppe Righeira empfand ich lange nichts Anderes, als einen Aufruf, an den Strand zu gehen, Urlaub zu machen, südländisches Flair aufkommen zu lassen oder im Sommer das Verdeck zu öffnen. Ich habe mich nie tiefergehend mit dem Text befasst, aber da das Spanische und ich ganz gut miteinander können, landete irgendwann der Satz „La bomba estalló (die Bombe platzte)“ der ersten Strophe im Security-Abfang-Netz meiner grauen Zellen; dies konnte figürlich gemeint sein, stand aber ansonsten irgendwie im Widerspruch zum gefühlten Easy Going und machte mich neugierig. Beim konzentrierten Hinhören war von „las radiaciones tuestan, y matizan de azul“ (versengenden, sich blau abstufenden Strahlungen) die Rede. Im Weiteren von Sombreros, die alle tragen, um den radioaktiven Wind davon abzuhalten, die Frisuren zu zerzausen. Die dritte und letzte Strophe schließt damit, dass das Meer wieder sauber ist und keine verendeten Fische mehr enthält. Somit handelt es sich wohl eher um ein kerntechnik- und zukunftskritisches, ökologisches Lied.

Unter Rappern und Hip-Hoppern ist auf große Hose oder zwielichtig zu machen das Maß der Dinge, allerdings bleibt so manches Mal die Kultur und das Quäntchen gleicher, geachteter Augenhöhe naturgemäß auf der Strecke. Dass von Despektierlichkeiten Frauen gegenüber (bitches, holes) gesungen wird und mit Rivalitäten, Geld, Lebensstil und Angesagtheit geprahlt wird, ist gang und gäbe. Dass aber auch mal eine Frau den Spieß umdreht, zeigt z.B. Missy Elliot: Einige ihrer Stücke benennen, dass sie keinen One-Minute-Man möchte, und dass sie erst mal wissen will, ob er es wert ist, wie er unten ’rum bestückt ist und ob er demnach ihren Geschmack trifft.

Auf deutlich höherem gesellschaftlich-sozialem Niveau, wenn auch nicht so etabliert in der Szene wie manch’ Anderer, bewegt sich zum Beispiel Will Smith. Erfolgreicher ist er aber wohl noch als Schauspieler. Dennoch reicht seine Laufbahn als Musiker auch schon mindestens ein halbes Leben lang zurück. Summertime, von DJ Jazzy Jeff & The Fresh Prince, beispielsweise, dürfte den Meisten aus der Vergangenheit noch ein Begriff sein. Sein Showing off gipfelt heute allenfalls in Sangeseinlagen wie „wave ’em off“ (schüttele sie ab), „I can stand on my wallet and I kiss the sky“ oder „…I like my sticks thick, and my jets private, and my son to ride in the cockpit ...!“. Da er auch bewusst seine Familie in seinen Stücken feiert, gehe ich davon aus, dass sich die zuvor erwähnten ‚dicken Stöckchen’ nicht auf sein bestes Stückchen beziehen, sondern schlichtweg auf spliffs, also kleinere zylindrische, nicht aber konische Joints. Nicht wie etwa viele andere Nachbarschaftshunde läufig zu sein, und damit zu prahlen, zeugt bei ihm von Größe und dem Level, auf dem er sich bewegt. Smith arbeitet außerdem stilübergreifend; R ’n B, Rap, Hip-Hop, Club, sogar Balladen oder Pop, seltener Latino-Experimente; und bei ihm kann man wenigstens von echten Inhalten sprechen, die auch zwischenmenschliche, gesellschaftliche und familiäre Werte einbeziehen. Er will sich eher vielseitig versuchen, als sich nur brachial und einseitig zu behaupten. Wer sich über den Weg des ironischen, sich dumm stellenden, witzigen Lebenskünstlers in Bel Air entwickelt hat, wird sich wohl auch später eher nicht darauf beschränken, nur der Bling-Bling-Träger mit ausgefahrenen Ellenbogen zu sein. Seine Film-Aktivitäten zeugen denn auch zunehmend von Subtilität und Tiefe.

18.9.15 15:00, kommentieren

Des Imperators Extrawurst,

oder warum sich manche romanische Cs und Gs verwandeln

Die Meisten finden Gefallen an der südländischen Lebensart, Manche legen einen primären Fokus auf ein bestimmtes Land, Andere konfrontieren sich übergreifend. Dass man natürlich von dem schwelgt und schwärmt, was man kennen- und liebengelernt, gar sich auch zuhause angeeignet hat, ist selbstverständlich, und man benutzt natürlich die jeweiligen Begriffe und Namen. Gibt es doch genügend alleine schon aus den Bereichen der Gastronomie, des Automobilbaus und der Mode.

Eigentlich hat auch der Dierkes-Schulatlas meiner linguistischen Ader in nicht unerheblichem Maße zugearbeitet, der uns zur Zeit der mittleren Reife zur Verfügung stand; fiel mir doch auf, dass im Inhaltsverzeichnis außerdem eine recht umfassende Aussprache-Hilfe zu den Regions- und Städtenamen enthalten war.
Man sah den Atlanten an, dass sie gebraucht wurden, dies lag aber eher noch an dem wilden Haufen, der wir waren, denn in den kurzen Pausen kam’s dem Einen oder Anderen schon mal in den Sinn, sie als Frisbees zu benutzen und die ruhiger Gesonnenen damit zu terrorisieren, entsprechend abgewetzt oder losgelöst vom Cover waren sie. Dies auch in Abstufungen, vielleicht war ’nur’ der vordere oder rückseitige Deckel abgerissen, oder aber doch der ganze Einband. Da sah man wenigstens noch den Faden!
Anders als mancher Klassenkamerad schmökerte ich zuhause mit Inbrunst im sprachlichen Register und hatte grundsätzliche Aussprache-Schemata der gängigsten, vornehmlich romanischen, westeuropäischen Sprachen schnell absorbiert. Idiomatik war wahrscheinlich immer schon eines meiner Faibles.

Wenn man nun selbst einen bestimmten Level erreicht hat und von eher zurückhaltender Natur ist, in Gesellschaft aber gerne mal auf das respektive Gegenteil trifft, kann es zu Erlebnissen mit Schmunzel- oder Peinlichkeitsfaktor kommen. Vielleicht spricht ein Auto-Fan über einen italienischen Sportwagen und möchte italienischer daher kommen, als die Realität gebietet. „Lambordschini“ tönt es häufig aus mancher Ecke, dass man jenen Sprechern auch gleich „Schpadschetti“ adäquat zur Pasta zutrauen würde! Und dann haben diese großartigen in Sant’ Agata Bolognese gefertigten Supersport-Aerodynamik-Kunstwerke auch noch zumeist spanische Modellnamen, die bei jenen Zeitgenossen sowieso nicht zur korrekten Aussprache kämen. Hintergrund der hispanisierten Modellbezeichnungen mag übrigens die rigorose Abgrenzung zu Ferrari durch die Wahl eines stärkeren Wappen-Tieres sein, die eine Affinität zu ruhmreichen Kampfstieren hervor gebracht hat. Schnaubender Stier gegen cavallino rampante, das sich aufbäumende Pferdchen. Es heißt, dass der Gründer Ferruccio Lamborghini einst bloß einen Ferrari kaufen wollte, und es ihm kurzerhand ausgeschlagen worden wäre; darauf hin habe er sich vorgenommen, selber bessere Sportwagen zu bauen.
Oder vielleicht spricht ein Fan vom bodenständigeren und älteren italo-deutschen „Karmann Dschia“ voller Überzeugung, ebenso vom „Schianti“, den er gerne abends oder am Wochende trinke, oder tagsüber den „Matschiato“, falls es mal nicht „Expresso“ sein soll.
Und früher oder später kommt einem das Wort „Asseswar“ entgegen, dann krieg’ ich die Krätze, könnte ausflippen ...! Das hat eine lautmalerische Qualität von Wischi-Waschi und ist natürlich verkehrt! Mit Ausnahme des Italienischen spricht sich ein CC immer wie „Kß“.
Vielleicht hatte ich auch immer schon einen erleichterten, beinahe in’s Auge springenden Zugang zu den Dingen, gewissermaßen die Katzenaugen in der sprachlich-kulturellen Dämmerung: Zum Einen waren die Unterschiede zum Deutschen so prägnant, dass sie auf mich eher auf eine exotische Weise anziehend wirkten; zum Anderen war mir klar, dass man nur auf gesichertem und glaubhaftem Wissen nach und nach aufbauen konnte. Wusste man beispielsweise, dass sich das g in Spaghetti unverändert spricht, konnte man doch die Logik auf andere Wörter mit gh ebenfalls anwenden, und wann immer es ging, in authentischen Situationen gegenprüfen. Kennt man einen gesicherten Zusammenhang, überträgt man ihn. Spaghetti auf Lamborghini, in dem Sinne, nährt solchermaßen nach und nach seinen Fundus und lässt sich nicht von gegenteiligen Zuströmen ablenken.

Wer jetzt immer noch nicht die Lust am Lesen dieses Beitrags verloren hat und für die trockenen, jedoch lohnenden Untiefen der Angelegenheit bereit ist: Jede Sprache hat ihre eigene Aussprache und Betonung, aber diese Nummer bezieht sich wohl gleichermaßen auf alle romanischen Sprachen, inklusive weitestgehend dem Englischen. Das Thema hatte sich deckungsgleich ausgewirkt und man kann somit übergreifend davon profitieren. Woher es kommt, dass sich im Klassischen (ursprünglichen) Latein das c, aber interessanter Weise wohl niemals das g, und in den aktuellen von ihm abgeleiteten Sprachen sowohl das c wie das g aussprachlich verwandeln, wenn direkt ein heller Vokal folgt, soll angeblich darauf zurück gehen, dass Caesar nicht mochte, dass sein Anfangs-C wie ein K ausgesprochen wurde. Durch diese Konfusion kam womöglich das Erfordernis in’s Spiel, eine Unterscheidung machen zu müssen. Der Diphtong ae (ursprünglich gesprochen etwa ai) mutete darauf hin wahrscheinlich eher hell an, gerade eben dann, wenn man ihn zum Monophtong verschmilzt (ae bzw. ai einfach zu ä = e, Cäsar / Cesar) so dass künftig in hell-vokaligen Fällen verwandelt werden musste. Man sieht die helle Zuordnung von Schrift und Aussprache dann auch adäquat in den aktuellen romanischen Sprachen umgesetzt, z.B. span. César und ital. Cesare.

Wenn man jetzt ein ’verdächtiges’ Wort vor sich hat, muss man nur wissen, welcher Sprache es entstammt, und die entsprechende Aussprache bei gegebener Verwandlungsnotwendigkeit anwenden:

Englisch: c wie ß, g wie dsch
Französich: c wie ß, g wie weiches sch
Spanisch: c wie engl. th [ß(th)], g wie leicht gehauchtes ch, beinahe nur h Besonderheiten: Wird vielerorts ebenfalls bei direkt folgendem Konsonanten angewendet, Bsp.: técnico, sprich: sowohl tekniko als auch teß(th)niko; magnitud, sprich: ma(c)hnitu...
Italienisch: c wie tsch, g wie dsch; it. Besonderheiten: 1. Regel gilt adäquat für cc und gg, 2. wenn ein i verwandelt, und von einem weiteren Vokal gefolgt wird, spricht man besagtes i selbst nicht mehr aus, ein verwandelndes e hingegen immer. 3. sc mit direktem e oder i spricht sich immer wie ein deutsches sch 4. ì mit Akzent verwandelt nicht nur, wird auch selbst gesprochen
Besonderheit engl., frz. und span.: CC wird immer wie Kß gesprochen, genauer gesagt, verwandelt sich in den drei Sprachen nur das zweite C, Bsp. Accessoire!

Nun viel Freude beim folgenden Nachhalten und Üben:

Beispiele Spr. Aussprache Übersetzung

Murciélago span. murß(th)jelago Fledermaus
Ciabatta ital. Tschabatta it. Weißbrot
Circus engl. ßörkes Zirkus
Circus lat. Zirkus dto
Cesare ital. Tschesare Cäsar, Kaiser
César span. ß(th)eßar dto
Macchiato ital. makjato befleckt
Maggi ital. Madschi it. Name
Mágia span. Ma(c)hja Magie
Magìa ital. Madschia Magie
Maggie engl. Mäggi engl. Name und Ausnahme, wie so oft
Fromage franz.Fromasch Käse
celon franz.ßelong gemäß
Ferruccio ital. ferrutscho it. Name
Civitavecchia ital. Tschiwitawekja it. Stadt
Vigilancia span. Bi(c)hilanß(th)ja Wache
Lancia ital. Lantscha Name
Cappuccino ital. Kapputschino Mützchen
Cappuccio ital. Kapputscho Mütze
Chianti ital. Kjanti Name
Aceituna span. Aß(th)äituna Olive
Cenisa span. ß(th)enißa Asche
Vegetable engl. Wedschtebell Gemüse
Ghia ital. Gia / (evtl. Gja) Name
Lamborghini ital. Lamborgini Name
Gaggia ital. Gadscha Name
De Longhi ital. De Longi Name
vegetal span. be(c)hetall gemüsig
végétal franz.weschetal gemüsig
Accessoire franz.Akßessoar Zubehör
Accessory engl. Ekßesseri Zubehör
Acceso span. Akß(th)esso Zugang

12.9.15 18:17, kommentieren

Coke Life – lebens- und liebenswert?

Es ist jetzt ein Jahr her. Nach einer Radtour auf der halb beschatteten Terrasse meiner Lieblings-Einkehr, am Rande eines Waldausläufers, war es zum besagten Spätsommer-Nachmittag noch warm und etwas sonnig. Das angrenzend angelegte Arboretum hatte mit den Jahren beachtlich an Höhe zugelegt, umso weniger Sonne ließ es durch, und man musste zunehmend früher losfahren, wollte man am Ziel noch welche haben.

Das gehörte für uns irgendwie dazu. Wenn schon mancher weiche Stoff nicht, dafür aber die potenzialträchtige Volksdroge Nr. 1 erlaubt war, erfrischten und berauschten wir uns halt gleichermaßen an ihr in Bierform. Der Durst und Temperaturausgleich harmonierten gleichermaßen synergetisch mit dem zum Tagesausklang beabsichtigten Hedonismus. Die mehrfach wechselnden 0,2l,- 0,3l- und 0,5l-Gläser sowie wir selbst wurden neugierig von gelb-schwarzen Hautflüglern jeder Größe und gelegentlich zustechenden Fliegen schwadroniert. Der Gastwirt legte Fliegenklatschen bereit, Modell „Ich-geb-dir-noch-ne-letzte-Chance“, da diese im Zentrum der Schlagfläche eine ca. vier Quadratzentimeter große Lücke aufwiesen!

Man kannte sich seit Längerem. „Na, Ihr Sportskanonen? Wie is’ es? Dasselbe wie immer?“ Ein Handschlag auf die Lateinamerikanische sowie ein schlichtes Nicken zur Bestätigung reichte bei Ankunft normalerweise vollkommen aus. „Ja, wenn Weiches nicht erlaubt ist, nehmen wir auch Hartes!“ konnte mir schon mal entglitten sein. Tatsächlich wäre an dieser Stelle Coca-(Eis)tee sinnvoller als Bier gewesen, oder durchaus auch beides, am Besten in Form von Coca-Radlern, kräftigt das Inka-Blatt doch u.a. den Kreislauf und bringt Mineralien und Vitamine zurück. Nur schade, das diese divine grüne Kraft nach wie vor gegen Antidrogengesetze verstieß. Sicher, Bier hat auch Isotonisches. Der Gastwirt reagierte prompt: „Hier, gibt’s doch jetzt, machen ’ne neue Cola!“, surfte die Seite auf seinem Smartphone an und drückte es mir in die Hand. Von Coke Life war die Rede, es ging um eine neue Süßung auf Stevia-Basis, aber leider wohl doch noch nicht um Fortschritte auf dem BtM-Sektor. Von Stevia und den Zulassungs-Querelen der jüngeren Vergangenheit las ich bereits. Immerhin: Eine bis zu 300 Mal besser süßende und dabei so gut wie kalorien- und kariesneutrale Alternative zu beispielsweise Zucker, gefäßpflegend und zahnbelagvorbeugend noch dazu. Nach Guaraní-Indianern des Amazonas außerdem gut für’s Herz und noch ein paar andere Zivilisations-Wehwehchen. Pflanzen haben’s immer schon d’rauf gehabt. Die Natur kann der Mensch nicht übertreffen.

Monate später bekam ich im Getränkemarkt zwei Flaschen Coke Life zum Kennenlernen auf’s Auge gedrückt. Das grüne Etikett sprang mir ungewohnt in’s Selbige. Zuhause angekommen musste ich als Erstes natürlich die Inhaltsstoffe begutachten. Zum großen Entsetzen waren die altbekannten Übeltäter Zucker, Phosphorsäure und Zuckeraustauschstoffe immer noch enthalten. Wenn man doch das Ei des Kolumbus mit Stevia gefunden hat, und die klassischen Süßen umgehen kann sowie gleichermaßen mit natürlicher Exotik daherkommen könnte, warum zum Henker setzt man dann der Limo noch einen Teil der alten Süßstoffe und Zucker zu? Der Hersteller argumentiert, dass man mit Stevia alleine nicht das Geschmackserlebnis hinbekäme, das man üblicherweise kenne. Und dass das Getränk immer noch nicht kalorienneutral ist, wird auf unverfänglich leichte Art und Weise damit kommentiert, dass es schon einmal ein Beitrag in die richtige Richtung wäre ... Ganz ehrlich: Selbst wenn es mit reiner Stevia nicht oder anders schmecken sollte, was ich nicht so ganz zu glauben vermag, da die Stevia-Süße doch zumeist gemocht wird, würde ich es trotzdem genau so, inklusive der vollwertigen Propaganda, in die Welt setzen, forcieren. Ich denke der Markt und Geschmack dafür sind da.

Auch andere Lebensmittelhersteller sind auf den falschen Zug aufgesprungen: Man kann Stevia in Süßstofftabletten mit Zuckeraustauschstoff bekommen, oder als Pulver in der Dose mit Maltodextrin, welches bekanntermaßen ein Füllstoff auf Stärkebasis ist, und es wird dabei eine so hohe Anteiligkeit davon (Hauptanteil!) beigemischt, dass es die adäquate Dosierbarkeit von Zucker erreicht. Was soll das? Wird dem Bürger noch nicht mal zugetraut, zu wissen, dass er von einer stärkeren Süße selbstverständlich weniger benötigt? Oder ist das wirtschaftliches Kalkül? Mehr Pulver setzt auch mehr Einnahmen um, der Füllstoff ist billig und erzeugt Profit ... Ich werde weiterhin nur die normale, gezuckerte Cola, aber in Maßen trinken, da in jedem Fall auch immer noch Phosphorsäure enthalten ist, die neben Zucker der wesentliche Geschmacksträger sein soll. Entgegen vieler Ammenmärchen stimme es nämlich wohl leider, dass diese an die Knochensubstanz gehe. Regelmäßiger Konsum führe zu Osteoporose.
Wer jedoch Traditionalist ist, und die Dinge, wenn schon, dann richtig angehen möchte, und eine bessere Süße sucht, dem ist einzig das Auftun reiner Steviolglykoside oder der Blattmasse empfohlen, die man aber im stationären Handel derzeit noch kaum findet. Tägliche Verzehrsempfehlung der Glykoside: Ein Achtel Teelöffel, der entspricht in etwa guten dreihundert Milligramm; in jedem Fall und grundsätzlich gilt es, eventuelle Unterzuckerung dabei im Auge zu behalten, sofern Zuckerhaltiges bislang einen relevanten Anteil an der energetischen Zufuhr hatte, ebenso Kreislaufschwäche, da die Substanz den Blutdruck senkt ...

4.9.15 17:32, kommentieren

Microsoft in Spendierlaune ?

Mein PKW aus 2006 hat die große Multimedialösung des Herstellers mit 2-Din-Radio-Navigationssystem, also dem großen zweizeiligen Display und dem besseren Klangpaket. Im Atlas finde ich jeden Ort weltweit binnen Sekunden, aber die Wahrnehmung im Straßenverkehr ist etwas völlig anderes. Als straßengeografischem Rookie, da ich bislang einfach wenig unterwegs gewesen bin, war mir eine Festeinbau-Navi mit Offline-Stauumfahrung wichtig, da dies in Summe die autarkeste Lösung ist, weder vom Weg abzukommen noch mitten in Staus hineinbugsiert zu werden. Denn das tun die meisten Navis, da sie nicht über TMC, LTM oder whatever verfügen. Sicher, wer ’ne Flat hat, kann online Stauumfahrungen nutzen, aber in der Hinsicht bin ich old-fashioned. Internet reichte mir bislang zuhause, das brauche ich unterwegs eher nicht.

Bei einem Kartenmaterial, das noch von 2005 ist, merkt man inzwischen, dass doch recht häufig ganze Straßenabschnitte nicht mehr abgedeckt sind. Man navigiert damit hin und wieder vorübergehend im Blindflug. Eine neue Karten-DVD oder gleich ein neues Radio wären die Wahl, wenn die Prämisse auf Einbau liegt. Ständiges Aufrüsten, alle paar Jahre, scheint unumgänglich, verändern sich die Straßengefüge doch jedes Jahr um zwanzig Prozent! Als ich das Thema beim IT-Spezialisten am Ort aufgriff, empfahl er mir eine Handy-App. Sicher, die gibt es zuhauf, aber entweder ohne Stauumfahrung oder dies zumindest nur online. Und zumeist natürlich kostenpflichtig. Er empfahl mir jedoch die App Here, welche gleichermaßen gratis ist, kartentechnisch regelmäßig aktualisiert wird und angeblich zumindest demnächst auch offline stauumfahrend sein soll. Hatte ich die eierlegende Wollmilchsau unter den Navis gefunden? Woher rührt soviel Entgegenkommen eines Herstellers, der wie andere auch stattdessen sein Geld dafür nehmen könnte?

Es mutet irgendwie nach Souveränität und Image-Kampagne an. Entstammt die App doch ursprünglich dem von Nokia gefertigten Windowsphone. Aber nicht etwa, dass Nokia dies ehrenamtlich machte, sondern die Aktualisierung vielmehr von Microsoft im Hintergrund weiter bezahlt bekommt, die wiederum nichts dafür haben wollen. Entsprechend ist die Software längst auch betriebssystemübergreifend erhältlich und nicht nur auf das Windowsphone beschränkt.

Ähnlich souverän scheint dies mit dem neuen Windows 10 zu sein. Wer mindestens bereits Windows 7 hatte, konnte umsonst upgraden. Die Anmutung ist zeitgemäß, die Icons wirken wie in Smartphones schlicht, frisch und minimalistisch neu. Sämtliche Programme und deren Einstellungen wurden übernommen und scheinen zu funktionieren, viele Einstellungsbereiche haben sich aber auch geändert, und es gibt noch manche Fehlfunktion. Ein paar Hänger hatte es wohl auch bei mir.
Auch wenn 7 noch viele Jahre supportet wird (das lahme Vista alleine schon), ist das bei 10 natürlich noch länger der Fall. Windows 10 ist keine Revolution, kommt aber mit neuen Spielereien daher. U.a. kann man auf Internetseiten farbige, handschriftliche Kommentare verfassen und speichern, hat erstmals einen persönlichen Assistenten, dem man akustische Befehle erteilen kann. Diese werden von der guten Cortana aber oft nicht richtig verstanden. Teils versteht sie etwas ganz anderes und bringt dann auch dieses schräge, unerwartete Ergebnis. Hin und wieder klappt es aber. Sobald der Umfang ausgebauter und sicherer wird, ist das Fräulein bestimmt eine gute Hilfe beim Arbeiten.
Vielleicht steckt aber auch Kalkül hinter den geschenkten Gäulen, zusätzlich zum Image-Gewinn: Je mehr die Software anwenden, desto besser kann sie getestet, verbessert, vernetzt und gefüttert werden. Außerdem wird sie künftig wohl plattformübergreifend eingesetzt, was Supportaufwand spart.

28.8.15 23:07, kommentieren

Damokles-Schwert der Männer

Irgendwann kommt der Tag, an dem man(n) zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert wird. Man ist vielleicht Anfang zwanzig, und hört die mittlere, doppelt so alte Generation von Prostata sprechen. Man weiß vielleicht noch, dass das ein männliches Organ oder Bestandteil des Geschlechts ist. „Jeden Soundsovielten beträfe es“, redeten die älteren, aber all’ dies ist in jungen Jahren so weit weg, wird erst gar nicht hinreichend wahrgenommen, der junge Kopf hat andere Interessen.

Später ist man selber mitten in den 40ern und bekommt in der entsprechenden Elterngeneration immer wieder Vorfälle mit, sitzt irgendwann selber mit dem eigenen Vater in Wartezimmern und in Gesprächen mit Ärzten, versucht, Behandlungsmethoden und Aussichten zu ergründen und abzuwägen. Mal wieder waren längere Wartezeiten angesagt. Ein alter Patient kommt mit seiner Frau hinzu, schlürfender Gang, ist am Weinen, Jammern und etwas wirsch zu seiner Frau, die ihn nicht aus der Pflicht nimmt, sich zusammenzureißen. Er war wohl erst vormittags da, und musste gleich darauf wieder kommen, hatte wohl Schwierigkeiten, Wasser zu lassen. Gedanken schießen einem in den Kopf: „Ist das später bei mir wohl auch so, wie treffe ich es selbst demnächst an? Beim eigenen Vater ist das zum Glück nicht so gewesen, wie bei dem im Wartestuhl zusammengesunkenen, wimmernden Wesen, dann habe ich hoffentlich auch später das Glück, immer gut pullern zu können ... wahrscheinlich.“ Sicher, es war beim Vater ein Klinik-Aufenthalt notwendig. Aber ansonsten: Toi, toi, toi ... Jetzt beim Warten auf die Nachuntersuchung wurde ich mir so richtig gewahr, dass manche Formen dieses Leidens halt so wachsen, dass sie die Harnröhre zudrücken. Armer Kerl, er tat mir irgendwie leid, wie er da japsend im Stuhl hing, und bekam von seiner Frau eher nur belehrende Worte. „Du wolltest ja nicht, ..., jetzt beruhig dich doch, Du kommst ja gleich d’ran ...“ ging es in Endlosschleife. Weitere Männer verschiedenen Alters, darunter auch Väter von Bekannten strömten in die Praxis, verschwanden mit Trinkbecher und Wasserflasche in einem anderen Wartebereich. Behandlungszimmer öffneten und schlossen sich, das Häufchen Elend kam immer noch nicht d’ran, und wimmerte jedes Mal unverständig, wenn Andere vor ihm in den Türen verschwanden.

Mein Plan war gefasst. Ich wollte mein potenziell künftiges Leiden solange hinauszögern, wie möglich. Durch das Beschäftigen mit dem Thema sowie eigener Einschätzung gelangte ich zum Wissen, dass ich bereits eine Menge dafür tat. Beim Stöbern in fachlichen Erläuterungen, was gegen Prostatakrebs hilft, ist zunächst ernüchternd festzustellen, dass eigentlich kaum etwas erwiesen ist, im Gegensatz zu anderen Krebsarten. Dennoch ist die Empfehlung, sich basierend zunächst an all das zu halten, also vollständiger Rauchverzicht, Alkoholreduktion oder besser auch –verzicht, rotem Fleisch (Schwein, Rind), Gepökeltem und Milchprodukten ebenfalls entsagen, ebenso Süßigkeiten, Zucker, Salz und immer nur soviel essen, wie man tatsächlich braucht. Gemüse- und Obstschwerpunkte setzen, dabei möglichst viele natürliche Antioxidantien, also Pflanzenfarbstoffe, zu sich nehmen, auch gerade unter Zuhilfenahme von Gewürzen. Beispiele sind Kurkuma, Curry, Tomaten, Kirschen, rote Trauben, grüner Tee.

Insbesondere bilden u.a. Tomaten und grüner Tee eine positive Ausnahme, da sie nachweislich Prostatakrebs vorbeugen. Im Gegensatz zu anderem Gemüse erschließt man den Tomatenfarbstoff Lycopin sogar mit dem Gareprozess immer noch besser, daher die Empfehlung, nicht nur Salate zuzubereiten, sondern sie möglichst oft auch zu kochen. Jedes sonstige Tomatenprodukt ist ebenfalls zu empfehlen. Ein Eintopf auf Tomatenbasis ist z.B. etwas Praktisches, Schnelles und Gesundes gleichzeitig. Man zerkocht oder kocht z.B. drei bis fünf gewürfelte Tomaten in einem kleinen Topf auf, fügt für den Nährwert Weiteres hinzu und rundet es mit ordentlich der o.a. Gewürze, möglichst in Bio-Qualität zum Schluss, damit diese nicht so viel Hitze abbekommen, ab. Etwas Salz, Olivenöl, Kräuter, Chiliringe oder zerbröselter getrockneter anfangs mit den Tomaten aufgesimmerter Chili, Zwiebelwürfel Knofi-Scheiben sowie Kartoffelstückchen bzw. Nudeln und Garnelen bzw. Hühnerfleischstückchen oder –Streifen machen eine vollwertige Mahlzeit aus, und können je nach dem Tomaten- oder Wasseranteil eine eher eintöpfige oder suppige Konsistenz annehmen. Im Wesentlichen kocht man nicht mit Wasser, sondern Tomaten, das ist dem Einen oder Anderen vielleicht neu.

Der Grüntee kommt hier nicht nur deswegen in’s Spiel, weil seine Polyphenole und das Epigallocatechingallat gut gegen Krebs sind, sondern er außerdem noch Phytoöstrogene in Form von Isoflavonen enthält, also eine Pflanze in der Lage ist, weibliche Hormone zu erzeugen. Die Zufuhr von Östrogenen ist ebenfalls bis zu einem bestimmten Grad eine übliche Therapie, da sie das Testosteron bändigen bzw. reduzieren, und dies hat eben den Effekt, dass der PSA-Wert gedrückt wird, nach dem die Ärzte sich grundsätzlich zunächst bei ihren Entscheidungen richten. Weitere pflanzliche Lieferanten sind an allererster Stelle Sojaprodukte, ansonsten u.a. Hülsenfrüchte, Kleie, Getreide, Bier und Whisky.

Man weiß, dass weltweit die Asiaten die niedrigste Quote an Prostataleiden haben. Wenn man nun die Ernährungsgewohnheiten vergleicht, sieht man die Bestätigung. Geneigter wird verzehrt: Grüntee statt Schwarztee oder Kaffee; Sojaprodukte, Geflügel, Fisch, Eier, Meeresfrüchte, Gewürze statt fadem rotem Fleisch und Milchprodukten.

Ob sich wohl das traditionelle Mettbrötchen mit Zwiebeln auch mit Geflügelhack, so das zulässig und schmackhaft ist, substituieren lässt?

Ein letzter, nicht zu unterschätzender Pfeil im Hormon-Köcher: Leitungswasser! Seitdem die Pille genommen wird, ist Östrogen natürlich auch regulärer, deutlicher Bestandteil unseres Trinkwassers. Den Vorteil dieses institutionellen Unvermögens, das Trinkwasser medikamentenrückstandsfrei klären zu können, muss man nutzen, und kann sich durch Tee- und Wassertrinken halt damit anreichern und im PSA-Wert ’runtertrinken’ ...

22.8.15 15:53, kommentieren

Atempause – Im Auge des Orkans

In den Ortschaften ist man mit dem PKW auch nicht schneller unterwegs, man verbraucht bei Weitem weniger Sprit und das Wetter lässt es zumeist ebenfalls zu. So wendig wie mit einem Fahrrad aber so unangestrengt und schnell unterwegs wie mit dem PKW; der Roller ist das clevere urbane Wiesel. Sicher, im August fliegt einem mal eine Wespe unter den geschlossenen Helm(!), aber bei dem zumeist warmen Wetter fährt man doch am Besten mit der offenen Variante, dem Jethelm. Viel luftiger, und man bekommt insgesamt wesentlich mehr mit, hat außerdem ein größeres Sichtfeld, gerade auch nach unten und zur Seite, spürt die Umgebung und Geschwindigkeit erst richtig und kann es genießen. Die Getränkekiste holt man natürlich mit dem Auto, aber für die meisten Besorgungen reicht die Wespe allemal. Ach deswegen mögen die einen (it. vespa)! Bezieht sich aber wohl ursprünglich auf die Agilität, die sie mit dem Insekt teilt. Sperrige Kartons zwischen den Beinen, die weder in Sitzfach noch Koffer passen, sind auch möglich, vorteilhaft dabei ist aber, möglichst nicht anhalten zu müssen. Das Gleichgewicht zu halten im Ausrollen auf eine rote Ampel, sowieso eine der spaßmachendsten Disziplinen; die Autofahrer scheinen sich schon sichtlich zu fragen „Jetzt muss er doch gleich die Füße absetzen“, sie bis in den Grenzbereich aber dennoch aufgesetzt zu behalten und souverän einfach weiterzugleiten, bis 10 Zentimeter vor die Stoßstange des Vordermanns, kurz vor statischem Exitus, als führe man einen MP3, diese italienischen Dreiräder, mit denen man nicht umkippen kann, ist mir immer wieder eine Herausforderung. Und das Rollern gleichermaßen die beste Klimaanlage schlechthin; ein aufgeheiztes Auto muss erst mal runterkühlen, trotzdem sind und bleiben die Sitze so heiß, dass der Rücken gleich klatschig wird; jedoch der Umgebungsluft direkt exponiert, profitiert man bergab bei bis zu 65 Sachen im offenen Hemd und Shorts immer noch von verschiedenen, bis zu backofenwarmen Luftschichten, die einen mit ein paar Extra-Schleifen durch und um den Ort endlich wieder angenehm trocknen, außer im Schritt, wo natürlich keine Luft d’ran kommt.

Die Technik geht weiter, und der 4-Takt Motor, der kein Öl mehr verbrennt, keine bestialisch stinkenden, blauen Wolkenbänder von mehreren hundert Metern Länge mehr aufspannt und sich nicht mehr mit aggressivem „Mööööööööööhhhh“ Gehör verschafft, ist wiederum längst von der elektrischen Variante abgelöst worden, die so seidenweich und brav sirrend an einem vorüber zieht, als wären die ersten Aliens bereits unter uns. Dennoch wirkt der 4-Takter nach wie vor kultiviert. Vielleicht ist er nicht so bissig oder giftig im Vortrieb, nimmt das Gas nicht so an wie ein 2-Takter. Das mag auch daran liegen, dass der Händler vielleicht eine Getrieberolle eingesetzt hat, die etwas höhere Endgeschwindigkeiten zulässt „10 km/h mehr, da kann wohl keiner was gegen haben“, dafür aber nicht den Grip des Originalteils hat. Es ist aber wohl eher noch der taiwanesischen Technik zuzuschreiben, dass, sobald man bei bestimmten Motor- und vor allem Außentemperaturen der mittleren bis niederen Skala ein Stück gefahren ist, das Aggregat in den ersten Minuten auf einmal untertourig läuft, und mitunter gleichermaßen bei Anhalten wie erneutem Gasgeben ... ausgeht!?! Na ja, vielleicht ist die umweltfreundlichere 4-Takt-Technik im Grenzbereich halt empfindlicher, so dass man das locker in Kauf nehmen kann, versucht man sich schnell einzureden. Man weiß ja, wofür man sich entschieden hat, angeblich einen Bruchteil der Umweltschädlichkeit der 2-Takt-Verpester. Vielleicht war die Möhre aber auch einfach nur abgesoffen, dennoch kein Einzelfall, und bekanntes Phänomen bei Fahrern der selben Marke.

Nun liegt es in der Natur des innerstädtischen Anhaltens, dass man entweder angekommen ist, oder sich zumeist auf größeren Ampel- oder Straßenkreuzungen der Peripherien befindet ...! Mal wieder untertourig die Vorfahrt achtend am Ortseingang war es schließlich am Öl-Asketen, zu fahren. Ein leichter Dreh am Gas und – der Motor ging aus, zog das Zweirad aber noch mitten auf die Kreuzung! Sicher, aus dem Ort kam in 300 Metern der nächste PKW und von außerhalb in Richtung des Ortseingangs in ähnlicher Entfernung ein 30-Tonner mit geladenen Holzstämmen. „Dididididididi ...“ strengte sich der Starter an, um der Maschine wieder Leben einzuhauchen, zwischendurch Seufzer. 200 Meter bis Meteoriteneinschlag. Man hatte aber auch wirklich einen guten Ausblick von der Kreuzung, so erhöht. „Didididididididijechjechdidididijech“, gab sich der Starter wieder beste Mühe. Die letzten Impulse hatten ansatzweise etwas einer Zündung, aber zunächst musste sich die Batterie etwas beruhigen, die Kraft muss sich ja erst wieder einen Moment lang aufbauen; ach Gott, wir hatten ja auch Zeit; außerdem können Startelemente schnell überhitzen, daher sind ja zumeist in Kfzs Relaisschalter verbaut, also Starter, die den eigentlichen Starter starten, um selber nicht heiß zu laufen oder zu schmelzen ...! Donnerte es? Ach nein, das war bloß der Megalodon auf Rädern, der sich da irgendwo von inzwischen halbrechts-hinten auf 100 Meter angenähert hatte; der PKW von innerorts wirkte dagegen wie ein Nähmaschinchen auf Wochenendtrip. „Dididididididijechdididiüchzdididijechrönrönrööööönnn“ war mit gleichzeitigem Gasgeben, bevorzugt in erste, zündende Wellen hinein, der kollabierte Patient reanimiert. Inzwischen mochten das Ungetüm und meine sterbliche Hülle noch 30-50 Meter trennen. „Pooooooöööööööhhhhh“ posaunte es mir infernal in den Rücken, die Nackenhaare stachen wahrscheinlich schon werwolflike durch’s Hemd, sogar die Vibration der Hupe war zu spüren! Sollte es keinen Quadrophenia Pancake geben, war jetzt wirklich die letzte Gelegenheit, mit Motorkraft dafür Sorge zu tragen. Mit urplötzlicher Vortriebsbereitschaft ließ das südostasiatische Gefährt denn auch das Poltern allmählich in die Ferne rücken, dafür wurden die Knie langsam immer weicher; der skatende, prähistorische Urvater aller Knorpelfische war abgehängt ...

15.8.15 01:27, kommentieren

Territorialverhalten von Raub- und Aasvögeln untereinander

In vielen Teilen der alten Welt ist der Milan verbreitet. Dieser wohl wegen seiner gesplitteten Schwanzfedern auch Gabelweihe genannte Raubvogel durchzieht gleichermaßen souverän wie gelassen die Lüfte. Man kann häufig beobachten, dass er bei abrupten Flugmanövern diese Gabel als Ruder einsetzt und individuell ausrichten kann, zumeist scheint er aber mit seinen vergleichsweise übermäßig langen und schlanken Flügeln, beim Rotmilan bis 1,40m Spannweite, wenig Kraftaufwand zu benötigen und anscheinend nur gleiten zu brauchen. Viel majestätischer kommt er daher als ein Bussard oder Habicht, und ein Falke wirkt dagegen, trotz bester Flugbefähigung aller Raubvögel, wie eine schnöde Turbotaube. Bei klarer Witterung und gar Winden sieht man teils minutenlang keinen einzigen Flügelschlag, bloß leichte Korrekturen, um auf Kurs zu bleiben. Der Adler des kleinen Mannes.

Man kennt das noch aus der Kindheit: Normalerweise ärgern die Großen die Kleinen. Dass die Kleinen den Spieß umdrehen, ist eher selten und zeugt von Mut und Findigkeit. Oder von Not. Wird man in die Enge getrieben, muss man improvisieren und sich etwas trauen. In der Tierwelt gibt es da sowieso keine großen Optionen oder Abstufungen, es geht meistens um’s blanke Überleben in Form von Nahrungsverteidigung. Ein fremder Intruder in’s eigene Revier ist ein nicht tolerierbares, zusätzliches hungriges Maul. In diesem Fall Schnabel. Aktion und Reaktion. Warum man gerade häufig Krähen sieht, die zu zweit oder auch One on One einer Gabelweihe nachstellen, wo man doch geneigt ist, ein unterschiedliches Beuteschema zu vermuten, erschließt sich einem nicht unbedingt sofort.
Vielleicht, so meint man, liegt die Ursache in diesem Fall auch eher in den unterschiedlichen Intelligenz-Vermögen beider Vögel, sind Krähen doch sehr schlau und lernfähig und durch den Rudeltiercharakter des Schwarms bestimmt auch sozial und hierarchisch in bestimmter Weise organisiert. So nach dem Motto: Wachposten-Krähe meldet unauthorisierten territorialen Einfall. Alpha-Krähe entscheidet: „Defender-Krähen ausschwärmen und den ungebetenen Gast in den internationalen Luftraum abdrängen.“ Jene Türsteher freuen sich und steigen auf: „Ey Alter, Abgang, Du kommst hier net rein; lach isch, oder was ...?!“ Das geht ’ne Zeit lang in Endlosschleife, bis es entweder Touchdown für Raven Riots oder Milan Majestic heißt. Mehr Ausdauer dürften wohl die Krähen aus der Gruppe heraus mitbringen. Vielleicht sind sie aber einfach nur schnell gelangweilt, Intelligenz will ja regelmäßig gefordert sein: „Was machen wir denn mal? Mir is so langweilig ...“ „Ey cool, guck mal, da kommt ’ne Königsweihe, meint wohl, sie wär’ was Besonderes, die mischen wir auf ...!“, oder zwei ausgestoßene Wegelagerer-Krähen haben sich auf’s Raubrittertum spezialisiert. Vielleicht ist aber das leckerste Aas gerade das, das erst frisch gefangen oder gestorben in den Fängen eines Raubvogels sitzt. Tatsächlich ist der Milan nicht nur Greif, sondern selbst auch Aasfresser und profitiert von Kadavern jeder Art und Größe sowie von Mülldeponien und Ernte- bzw. Mähprozessen, die ihm viele Kleintiere überhaupt erst auftun. Nicht lange, nachdem Felder gemäht worden sind, sieht man gleich die Kreise ziehenden Kreaturen. Insofern also doch Rivale der Renn- bzw. Flugbahn. Im Zweifel Todfeind, weil auch Rabenvögel auf dem Speiseplan stehen. Aber Rabenvogel muss nicht zwingend auch Rabe oder Krähe bedeuten, die sind zu kräftig, es trifft eher Dohlen, Amseln, Nager und Kriechgetier. In Westeuropa wird er langsam seltener. 0sss0

Oft dachte ich schon darüber nach, wie es wohl wäre, eine Weihe aufzuziehen und zu halten. Im Garten vielleicht einen nach oben offenen, ansonsten engmaschigen Maschedrahtzeäunkäfig mit Podest, Tränke und Kükenpopulation, und dann Gassi gehen, äh, Fahren, mit dem Fahrrad; vielleicht ein Gestell hinten anbringen, auf dem sie immer wieder landen kann! Wäre bestimmt auch ’ne tolle Attraktion für die Umwelt, sommerliche Radtour mit permanent landender und startender 747! Zahme Krähen hat es dagegen schon häufig gegeben ...

Der Vogel mit der längsten Spannweite von bis zu 3,20m ist der Andenkondor, der die Höhenlagen Südamerikas bis hin in die Urwaldausläufer der angrenzenden Nachbarländer bevölkert. Hier kann man dasselbe Spiel beobachten, wie bei uns zuhause, nur in größer. Ein Adler duldet einen Kondor nicht und stellt im nach, wie die Krähen dem Milan. Klein attackiert Groß. Dasselbe Bild am Himmel. Er braucht einfach keinen vermeintlichen Trittbrettfahrer in seinem Revier.
In Bolivien, und womöglich auch in anderen andinen Ländern, halten sich teils negative Erzählungen über Kondore. Einige der Einheimischen sind nicht gut auf den Vogel zu sprechen, angeblich holte er immer mal wieder kleine Kinder oder Tiere. Dies mag vielleicht auf alte nicht hinterfragte Erzählungen zurück gehen, vielleicht auch ein mythologisches Randphänomen. Möglicherweise holt sich aber ein reiner Aasfresser im Grenzbereich ausnahmsweise doch mal Frischfleisch ... Daher würden Manche entgegen der Artenschutzbestimmungen Kondore schießen.

Für die Inkas war der Kondor der Götterbote, el Mensajero de los Dioses, das verehrteste Tier, das gleichermaßen für den allmorgendlichen Sonnenaufgang und den Kontakt zum Himmel zuständig war, um die Gebete zu übergeben. Er war mittels seiner Kraft in der Lage, das Gestirn über das Gebirge zu setzen und damit den Lebenszyklus auf’s Neue zu initiieren und überbrachte gute wie schlechte Omen. Er stand außerdem für Unsterblichkeit. Fühlte er sich alt, stürzte er sich vom höchsten Gipfel, um am Fuße des Gebirges zu zerschellen und automatisch im Gebirgsnest wiedergeboren zu werden. Hat irgendwie ’was vom Phönix aus der Asche ...?!

El cóndor pasa! Wer Apu Kuntur persönlich antreffen will, wie er althergebracht auf Quechua heißt, braucht einen guten Guía (Führer), Geduld und einen Beutel mit Coca, um weniger höhenkrank zu werden, außerdem einen langsamen, sukzessiv mehrtägig-etappigen Aufstieg, bzw. solchermaßen höhenaufbauende Anreisen und Aufenthalte über jeweils mehrere Tage, um in dem geringeren Druckverhalten der Höhenlagen keine Hirn- und Lungenödeme zu erleiden.

7.8.15 13:16, kommentieren

Weiteres Kanonenfutter für IS und Co. oder souveräne Gegenbewegung?

Wenn es um religiös basierten Extremismus geht, bekommt man leicht den Eindruck, dass deutsche Medien eigentlich nur über Islamisten, Salafisten und Co. berichten, dies wird auch sicherlich das höhere Aufkommen haben. Dass es aber auch christliche Extremos gibt, die gerade im skandinavischen Raum immer wieder mal aktiv sind, wird in unseren Medien anscheinend kaum behandelt, oder exemplarisch, wie im Falle Breivik, ausgeschlachtet. Wer hin und wieder über den Tellerrand schauen möchte, dem seien beispielsweise die Emmissionen von RT empfohlen.

Eigentlich hatte das Aufkeimen des Kreuzrittertums der letzten Jahre im Ansatz irgendwie etwas von Aufbruchstimmung in die richtige Richtung, wenn man zumindest den islamistisch basierten Terrortruppen Paroli bieten wollte. Natürlich waren damals im Mittelalter wie heute viel Unrecht und Willkür am Start. Längst hatten sich aber die islamischen und christlichen Oberhäupter darauf geeinigt, keine Glaubenskriege und gegenseitigen Bekehrungsbewegungen mehr zu vollziehen. Man achtet sich, und das ist gut so. Und für die allermeisten Gläubigen, egal welcher Religion und Stellung, trifft die Einhaltung auch zu; nur diese, gemessen an der jeweiligen Gesamt-Bevölkerung, winzige Schicht von vollends aus dem Ruder Geschlagenen tut dem Großteil der Bevölkerung unrecht. Die meisten Moslems haben die selben Ansichten zum Extremismus wie wir, und manche fühlen sich durch diverse erstarkte Banden in’s falsche Licht gerückt, weil immer mal wieder einige Andersgläubige den moslemischen Glauben inzwischen pauschal mit Terror verbinden, und die Muslime es auch eben diesen Terroristen zurecht übel nehmen, was diese ihnen damit antun.

Um dieses Thema anzugehen, reicht es nicht, aus einer einzigen Nation oder Religion heraus zu agieren, denn dann würde über kurz oder lang wieder ein Glaubenskrieg lebendig oder einseitiges Nutznießen unterstellt, da die anderen Glaubenslager oder Nationen das natürlich nicht auf sich sitzen ließen.

Hier bedarf es eines intelligenten, auf Respekt basierenden gemeinschaftlichen Zusammenschlusses von Religionen und aneinander, miteinander und durch einander gereiften, aber auch beeinflussten Kulturen auf der Ebene eines Secret Services mit hinreichenden internationalen wie länderübergreifenden Befugnissen und einvernehmlicher Wertevorstellung. Juden, Christen und Moslems, der Orient, Nahe Osten und die westliche Welt entsenden beispielsweise Vertreter in ein und dieselbe „religiös-kulturell basierte Interpol bzw. ICPO“, die zielgerichtet z.B. auch Pan Davidian Alliance (PDA) heißen könnte, und somit an den gemeinsamen Ursprung sowie die Deckungsgleichheiten der 3 monotheistischen Weltreligionen, die es da wesentlich und zuhauf gibt, anknüpft, bezogen auf den gemeinsamen semitischen Urvater David. Dem Auftreten dieser Organisation könnte somit auch keiner etwas entgegenzusetzen haben, denn es werden deckungsgleiche Interessen vertreten und die Spreu klar vom Weizen getrennt.
Ebenso bieten sich forciert gesellschaftliche Vereinigungen allerorten an, die diese Deckungsgleichheiten leben, kommunizieren und unterstützen, dadurch auch permanent die verschiedenen Menschen zusammen führen, so dass sie in gemeinsamen Gesellschaften besser zusammenwachsen, wo sie vielleicht immer noch zu oft nur unter sich sind.

Was mag dem IS immer wieder Nachschub bescheren? Maßgeblich dürfte auch die Identitätskrise junger Menschen, zielloser, zutiefst enttäuschter deutschstämmiger, aber auch aus Einwandererfamilien, Ursache für den Aufbruch in ein vermeintlich erfüllteres oder zielgerichteteres Leben sein. Gerade im ländlich Raum verhalten sich viele muslimische Familien über die Maßen akkurat und konservativ der Gesellschaft und ihren Kindern gegenüber. Löblich und Achtung verdienend aus althergebrachter Tradition, da der gesellschaftliche Einklang hintergründig ist, aber wohl nicht mehr so recht zeitgemäß. Diese fühlen sich nämlich oft weder der deutschen noch der nativen Richtung zu 100% zugehörig sowie in Schranken verwiesen. Junge Männer machen sich auf, um sprichwörtlich für etwas zu kämpfen und Bestätigung zu erfahren, die sie womöglich bislang nicht hatten, junge Frauen werden mit großer religiöser Ehre gelockt und überzeugt, um dann doch nur die Gelüste und Kampfesmoral aller beteiligten Männer zu bändigen.

Ich meine, für den gemeinsamen pan-davidischen Nenner einzutreten, würde sich lohnen.

31.7.15 20:43, kommentieren

Pyramiden, Testosteron und Schmuck für Männer haben einen gemeinsamen Nenner

Dadurch, dass die letzte Eiszeit in den Subtropen für nachhaltige Vegetation sorgte, bot sich vielen Völkern die Möglichkeit, zu überleben, sich zu etablieren und weiter zu entwickeln. Das Volk, das später zur Warmzeit hin gezwungen war, die ausgedörrten Bereiche der nubischen Wüste wieder aufzugeben, und sich am fruchtbaren Nil niederzulassen, sah in Sandhügeln immer schon eine Annäherung an’s Jenseits und Göttliche. Irgendwann war das archaisch-natürliche, vergängliche Gebilde einer besseren Düne nicht mehr ausreichend, und es bedurfte bleibenderer Konstrukte. Wie den Bewohnern der Hochebene von Giseh ging es weltweit auch anderen Hochkulturen. Am Anfang stand häufig ein Hügel, in dem Sinne, ein Kegel. Denn anders, als vielleicht ein seismisch oder statisch anfälliger Turm, war ein Hügel gegenüber Erosionen jeglicher Art das am Wiederstandsfähigsten angelegteste Bauwerk bzw. Fundament. Von Hügeln wurde gepredigt, in Hügeln wurde begraben, auf Hügeln wurde geopfert. Aber ein rundlicher Hügel hat weniger optische Wirkung. Erst mit Kanten, in dem Sinne meistens quadratischem Grundriss, ist er imposant und unterstreicht somit die Erscheinung oder Stellung Derjenigen, die ihm zugeordnet werden ... Im Sudan und in Oberägypten findet man eher Vorläufer-Formen und in Unterägypten, zum Delta hin, die fortgeschritteneren Bauwerke der letzten Baumeister. Chichén Itzá, auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán, besitzt eine ebenfalls nach den Gestirnen ausgerichtete ebenbürtige Anlage. Quer über den Globus findet man solche und ähnliche Erhebungen, wenn auch nicht immer so imposant wie die beiden zuvor genannten. Zumeist hatten sie spirituellen oder gesellschaftlichen Charakter, und so manches Mal wird versucht worden sein, ein diesbezügliches Amt oder eine Funktion an sich zu reißen, das einem regulär nicht zustand. Es ging wohl oft auch um verschiedentliche Nutznießerei, Neid und Begehrlichkeiten, und sicher so manches Mal um Schwanzverlängerung und -Auslastung, in dem Sinne um ein Statussymbol, an erster Stelle wohl für den auftraggebenden Bauherrn.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, und Männer werden sich ihre auffälligere Erscheinung von Anbeginn an von der Tierwelt abgeschaut haben. Das Männliche war immer schon markanter, bunter aber auch impulsiver. Galt es doch, die Weibchen bzw. Frauen zu beeindrucken und ’rumzukriegen, und sodann: Mission erfüllt, zurück zur Basis. Sklaven der Hormone. Das evolutionäre Prinzip funktioniert seit Jahrmillionen, kein höherer Sinn als die Bewahrung des Fortbestands steckt hinter diesem Mechanismus, die hinein interpretierbaren Werte sind eine andere, individuelle Sache. Ob der radschlagende Pfau seine Hühner beeindruckt, der für seine Epoche superstargleiche, mit rituellem Schmuck behangene aztekische Hohepriester auf der Pyramidenspitze das Blutopfer an unterworfenen Feinden ehrenvoll zelebrierte, oder der Jungspund unserer Tage direktestmöglich am Ortskern mit bajuwarischem 500-PS-Freiluft-Heckschwänzler driftend im Grenzbereich den Asphalt radiert, dass die Schwaden verbrannten Gummis und heißer Antriebselemente wie ein wehender Vorhang durch die halbe Innenstadt ziehen: Man(n) muss auffallen! War überhaupt angesagte Musik weit aufgedreht, um wirklich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Umgebung gehabt zu haben? Egal, der V6 im Grenzbereich und der Reifenabrieb waren bestimmt Konzert genug. Wieviele „Hühner“ mochten sich umgeschaut haben? Der Pfau an seiner Stelle hätte es gewusst.

In vielen Kulturen fanden Schmuck und mitunter Schminke in stärkerem Maße bei Männern Anwendung, waren Aushängeschild für die geschlechtliche, soziale und hierarchische Stellung. Selbst in Europa haben sie erst im Mittelalter langsam aufgehört, sich wie die Paradiesvögel herzurichten, wir haben also erst eine vergleichsweise kurze Zeit der virilen akkuraten Schlichtheit erlebt.

In diesem Sinne trägt man(n) besser zwei Ohrringe, statt nur einen. Denn auf einem Bein kann man bekanntlich nicht stehen, und eine vollwertiges, maskulines Pkw-Posing hat offensichtlich auch immer noch mit einer beidseitig flutenden Abgasanlage zu tun ...

24.7.15 13:14, kommentieren

Mann oder Maus? – BTMG- und Strafrechts-Novellierung überfällig

Teils vermessener polizeilicher Vortrag im Unterricht weckt erst das Interesse

Damit hat der Hauptkommissar im SoWi-Unterricht der Achtziger zum Thema Drogen seinerzeit ’was losgetreten, einfach zu behaupten, Indianer hätten sich im Laufe der Zeit an Kokain(?) gewöhnt, wir Europäer würden das aber niemals vertragen können ...!?! Schon mein Bauchgefühl verriet mir, dass der Vergleich hinkte. Mochte erstens mal rote Haut allein wirklich einen Unterschied machen? Außerdem waren zweitens die Ureinwohner bestimmt zu keiner Zeit in der Lage, Schnee herzustellen, sahen in der gottgegebenen Form des Cocablatts bestimmt auch niemals die Notwendigkeit, dieses in Frage zu stellen oder verändern zu wollen. Sicher, er wird es gut gemeint haben, indem er irgend versuchte, uns von Drogen fern zu halten. Der Schuss ging, zumindest meine Wenigkeit betreffend, nach hinten los, Gott sei Dank! So pauschalisiert und manifestiert kann man einfach eine unzutreffende Aussage vor didaktischem Hintergrund nicht abgeben, noch dazu war sie allen anderen Ethnien inklusive uns selbst gegenüber rassistisch, weiß man doch seit langem, dass alle Menschen metabolisch und anatomisch gleich sind, auf marginale, hiervon nicht betroffene Ausnahmen, die es dennoch gibt, brauchen wir an dieser Stelle nicht weiter einzugehen.
Im Folgenden wälzte ich immer wieder die mehrbändige elterliche Enzyklopädie oder das Dr.-Oetker-Warenkunde-Kompendium! Die betreffenden, zahlreichen Bereiche waren schnell aufgenommen, und es dürstete meinen Geist nach mehr, am Besten Fachliteratur, die ich sodann bestellte. Damals gab’s noch kein Internet, und man war halt auf Bücher angewiesen, überhaupt musste man sich diese erst erschließen. Ruck zuck war ich mit den grundsätzlichen Verhältnismäßigkeiten vertraut, absorbierte vertieftes Basiswissen sowie Kenntnisse über Stoffe von Naturvölkern, von denen die Meisten noch nie gehört haben; und obwohl ich mich sicher auskannte, traute ich mich dennoch viele Jahre zunächst nicht, den Ball auch praktisch aufzunehmen.

Unterschied Coca zu Kokain, allgemeine Werteentwicklung weiterer Stoffe

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war Coca-Cola noch authentisch, das Getränk, das von einem Amerikaner im 19. Jahrhundert als Kopfschmerzmittel erfunden wurde und mit Lizenz-Übergang zunächst zur Abgabe nur über Apotheken angedacht war. Es wurde aus unbehandelten andinen Coca-Blättern (daher der Name und das Konzept!), dem Kulturgut Nr. 1 der Höhenlagen Südamerikas (gleichermaßen dem theoretischen Ausgangsstoff für Kokain), und afrikanischen Cola-Nüssen hergestellt, da das Koffein der Cola-Nuss und die dem Allgemeinbefinden Erleichterung verschaffenden sowie den Stoffwechsel und die Hirnfunktionen anregenden und ausgleichenden 14 Alkaloide der Coca zweckdienlich sind. Ab 1906 wird Coca-Cola nur noch mit wirkstoffentzogenen Blättern gebraut. Der Konzern in Atlanta gehört weltweit vielleicht zu einer Hand voll, die eine gesonderte Einfuhrgenehmigung für Coca-Blattmasse inne haben und vor der Verwendung die Wirkstoffe kontrolliert unter Aufsicht entziehen müssen. Wo dieser Auszug übrigens wohl abbleibt?! Somit ist Coca-Cola zumindest die einzige Limo im nicht-andinen, westlichen Raum, die für’s Image ausgelaugte Coca enthält. Südamerika hingegen hat wohl so einige cocahaltige Limos, logischer und Sinn machender Weise. Schade und unverständlich bleibt der Status in der westlichen Welt dennoch, da die Alkaloide, plus Vitamine und Mineralien, wie sie sonst nur Früchte enthalten, erwiesenermaßen bereits für Kinder gesund und unbedenklich sind, was man ja tatsächlich nur von wenigen anderen Stoffen behaupten kann. Das Verantwortungsmaß von Coca liegt, wen eine allergröbste, annähernde Einschätzung interessiert, ungefähr zwischen Kakao und Kaffee, mit dem Unterschied, dass sie bekömmlicher ist, regeneriert eher noch die Magenwand als sie, wie Kaffee, anzugreifen. Das Einzige, was bei höheren Dosen auftreten kann, ist Schlaflosigkeit, adäquat eben zu Kaffee, von daher ...
Das Verbot bezieht sich demnach wohl anscheinend nur auf die theoretische Umsetzbarkeit der Koks-Herstellung und ist somit unsinnig. Einem Coca-Befürworter muss man keine Schnee-Absichten unterstellen!

Erst nämlich durch das verunreinigte Dschungel-Labor-Gepansche der Blätter in ätzenden und lösenden Flüssigkeiten wie Äther, Aceton, Schwefelsäure und Kerosin (wie auch das Action-Kino zuweilen ganz gut vermittelt) sondert sich ein ganz anderer neuer Stoff ab, zwischenzeitlich zunächst durch Amoniak eine festere Kokain-Base (free base), später ein Pulver, gleichermaßen umgewandelt und verreinheitlicht. Daher auch die fachterminologische Erweiterung Cocain(-hydrochlorid) für die chemische Umwandlung eines pflanzlichen Alkaloids in ein Salz, die gängigste und aufnahmefähigste Form, nasal wie oral; es ist aber auch möglich, statt eines Salzes eine unlösliche Base (durch Zufuhr von und Auskochen mit Natron) herzustellen, die dann einen anderen Siedepunkt sowie auch wieder eine feste Beschaffenheit hat und sich eher nur zum heftiger wirkenden Rauchen eignet (Cocainhydrogencarbonat = Crack). Kokain ist ein Reuptake-Inhibitor par excellence, wie ihn die Fachwelt nennen würde, da er die Dopamin-, Noradrenalin- und Serotonin-Ausschüttung über die natürliche Körpersteuerung hinaus weiterhin aufrecht erhält, weswegen Konsumenten sich stärker und länger belasten, sich körperlich und geistig leistungsfähiger sowie angesagter und zufriedener fühlen, als sie es nüchtern täten oder wären und erst hinterher spüren, wie ausgelaugt sie sind und in welches depressive, antriebslose Loch sie fallen. Wer dies mit Selbstbeherrschung konsequent überwindet, kann es grundsätzlich im Griff haben, es mag durchaus viele souveräne, sporadisch-stabile Konsumenten geben; wem die neue Leichtigkeit des Seins aber übermäßig nah und unverzichtbar geworden ist, der riskiert mit dem D’ranbleiben und Steigern Persönlichkeitsveränderungen und schließlich Psychosen, in aller Regel im fortgeschrittenen Stadium den Dermatozoenwahn, wobei der Kokainist felsenfest meint, er habe Insekten unter der Haut, die herausgeschnitten werden müssten! Überdosen führen im Weiteren zu diversen Ausfallerscheinungen, zumindest aber naturgemäß meistens nicht zu tödlichen Überdosen wie bei Heroin, es sei denn, es würde unüblicher Weise injiziert, was gelegentlich durch unbekannte Streckmittel wie Tetracain oder Lidocain geschehen ist. Der Leichtsinn lässt sich absolut nicht verstehen, und ganz ehrlich wüsste ich außerdem auch nicht, warum man sich auch nur ein ätzendes Pulver in die Nase ziehen sollte, dass man zwar durch den innewohnenden lokalanästhetischen Effekt zunächst nicht spürt, welches aber mit der Zeit Wunden verursacht und ggfs. später sogar Operationen erforderlich macht, noch dazu kennt man den Reinheitsgrad zur adäquaten Dosierung nicht und man muss einfach damit rechnen, dass zerstoßenes Glas, Milchpulver, artverwandte Medikamente oder sogar Giftstoffe als Beimengung enthalten sind, wenn man Straßenware kauft. Selbst direkt aus dem Dschungel, hätte man das Vetrauen eines andinen Drogenbosses und bekäme vor Ort eine Führung durchs Camp(!) und eine reine Line angeboten(!), wäre das Zeug zumindest immer noch sprichwörtlich ätzend und psychisch am Gefährlichsten, da eben am Reinsten! Solche Gemüts- und Stoffwechsel-Achterbahnfahrten mit Begleit-Russisch-Roulette braucht man einfach nicht.
Wer dennoch unerlaubt auf gleichermaßen hochwertigstes und rückstandsfreies Coke aus ist, hat nur die Möglichkeit, auf gut glück in eine Apotheke oder besser noch profihaft bei Merck, Bayer und Co. einzubrechen! Dies soll in keinster Weise dazu aufrufen, allenfalls den Stoff für einen guten Action-Film liefern. Tatsächlich vertreiben die immer noch Kokain, da es gerade in der Augenheilkunde noch zum Einsatz kommt. Ich möchte auch gar nicht wissen, wie viele elitäre und einflussreiche Kreise nach wie vor über diesen selben direkten, hochwertigsten Weg konstant versorgt werden, auf diplomatisch-politischer Ebene dürfte wohl so Manches gangbar sein. Hat einer erst Zugang, verteilt der weiter. Von wegen, Koks kommt nur aus Südamerika, die anfängliche Blattmasse wohl sicherlich ...!
Aber die natürliche, unveränderte Coca hingegen ist perfekt, gesund, berechenbar und leicht. Absolut sucht- und rauschfrei im klassischen Sinne, kuriert u.a. Höhenkrankheit, Magen- und Befindlichkeitsstörungen, Schwindel, und leichte Zahnschmerzen.

Bis ungefähr dahin gab es aber auch noch ganz regulär eben Koks und Laudanum (Opiumtinktur), sogar Heroin (ohne Worte!) in der Apotheke, das zumindest gering dosiert noch nicht suchterzeugend sein soll (die Übergänge für Laien dürften aber wohl zumeist fließend sein!), und Cannabis wurde selbstverständlich ebenfalls über Apotheken hinaus u.a. auch zur Öl- und Faserherstellung legal verwendet und allerorten angebaut; auch im bundesweit am Meisten an der BTM-Strafverfolgung festhaltenden Bayern wurde „Knaster“ aus der Pfeife zwecks Berauschung geraucht, nicht nur die Stängelfasern und Samen verwertet. Suchtprobleme wurden aber weltweit, mit Ausnahme zu Heroin und Kokain, zu keiner Zeit noch derart offenkundig. Die chinesische Arbeiterschicht, wo sie denn vertreten war, hatte ihre eigene zu weiten Teilen bereits lasterhafte Opiumkultur eingeführt, um es zum Feierabend zur Erholung von der zumeist körperlich harten Arbeit zu rauchen, dies alles in der westlichen Welt Jahrzehnte und Jahrhunderte lang legal.

Wie kam es zu der rigorosen Einstufung und den propagierten Unwahrheiten?

Neben allgemeinen Uneinigkeiten aufgrund konträrer Interessen auf internationaler Ebene, wie diverse Stoffe einzustufen seien, die leider infolgedessen zu den Gesetzen auch auf den jeweiligen Landes-Ebenen der westlichen Welt führten, tat sich in den USA eine Behörde auf, um in den Dreißigern dem Alkohol den Krieg zu erklären. Die Al Capone Ära mitsamt ihrem Schwarzmarkt und mafiösen Strukturen ist allgemein bekannt. Da sich abzeichnete, dass die Prohibition langfristig keinen Erfolg haben würde, wurde Alkohol wieder freigegeben. Nun hatte die Behörde ein Problem: Sie war über Nacht arbeitslos geworden! Akribisch wurde nach Ersatz-Teufeln gesucht, um nicht mehr länger auf der Straße zu stehen; klar, dass die schnell gefunden waren! Gleichermaßen konnte sich die weiße Oberschicht, die inzwischen ebenfalls zu weiten Teilen von der Weltwirtschaftskrise einhergehend mit hoher Arbeitslosigkeit gebeutelt war, plötzlich vieler Nicht-Weißer durch neu proklamierte Illegalität und somit Strafbarkeit ihrer kulturidentischen bzw. vordergründig ihnen zugeordneten Stoffe entledigen! Bestärkt wurde die Bewegung durch Verbreitung von abstrusen Unwahrheiten, Erfindungen und Übertreibungen zu den stofflichen Eigenschaften auf die Menschen. Durch Massen-Inhaftierungen wurden wieder genügend Arbeitsplätze für Weiße frei, zumal die Verurteilungen Weißer zumeist fallen gelassen oder geringfügig behandelt wurden. Noch heute halten viele US-Politiker und -Bürger in den Einzugsbereichen von Gefängnissen an den rigiden Anti-Drogen-Gesetzen fest, da dies häufig die primäre Einnahmequelle darstellt, und sich die vielen, teils relativ neuen Anstalten selbstverständlich ausgelastet am Besten rentieren!

Eigene Erfahrungen ausschließlich der weichen Art

Es mögen jetzt mehr als zwanzig Jahre her sein, dass der Autor, aufbauend auf sein zuvor angeeignetes Wissen auch endlich praktische, eigene Erfahrungen zuließ. Cannabis ist immer schon am Weitesten verbreitet und erschlossen gewesen und lag deshalb nahe. Auch jemand ohne Erfahrung konnte zwischen den Zeilen des Alltags gut mitbekommen haben, dass es bei Weitem nichts so Gefährliches der propagierten Art war, eher bloß ein anrüchiges, etabliertes Kavaliersdelikt mit Auszeitcharakter. In der Berufsschule sprach der eine oder andere vom Kiffen, und ich versuchte mich einzubringen, wo es ging. Ich war mit Anfang zwanzig der nachhaltige Theoretiker, die Anderen hatten schon längst unzählige Erfahrungen. Ich erhielt mal ein paar Gramm Haschisch und hatte vom Bekannten einfaches Saatgut zum Eigenanbau bekommen, aber sowohl das Dope wie auch das Selbstgezogene wirkten nicht?! Vorerst ... Es war mir bekannt, dass viele bei den ersten Malen keine Wirkung erfahren, dennoch bestand ja noch die Möglichkeit, „nichts Richtiges“ gehabt zu haben. So vergingen Monate des sporadischen Kiffens ohne Wirkung, so dass es auch auf Feten mal hieß: „Du merkst nix? Na, da verpasste was ...!“, und ich den Glauben daran so langsam bereit war, aufzugeben. Eines Morgens, nach einer vorabendlichen Homegrown-Tüte, wachte ich im Haus gleichermaßen in einem anderen Schlafanzug und Zimmer auf als dem meinen! Hurra, irgendetwas musste funktioniert haben, egal wie befremdlich das war!?! Vage erinnerte ich ein Unwohlsein am Vorabend, wohl die für Hanf typische, zu Beginn ansteigende Herzfrequenz, was mich zu diversen, ablenkenden bzw. abgelenkten Handlungen bewegt haben musste.
Ein weiteres Mal realisierte ich nach zwei, drei Zügen, dass sich mein Kopf wie von selbst in großen Kreisen drehte und dabei die Umgebung wertfrei musterte, Letzteres ist ja das Wesen von Cannabis, da es durch die leicht entrückte Wahrnehmung möglich ist, die Phantasie zu erhöhen, weil man seine Umgebung neutraler erfährt, als man sie kennt, sie einen aber gerade dadurch auf einmal in vielen noch so kleinen Facetten an etwas anderes erinnert, in etwa wie Figuren in Wolken zu erkennen; dadurch können sich teils weit verkettete, phantastische Gedanken- und Wahrnehmungs-Konstrukte ergeben, obwohl man doch nur seine übliche Umgebung aufgenommen hat, nur eben anders. Die Kopfrotation kam übrigens noch öfter vor, verlor sich aber später.
Das schönste Erlebnis war jedoch in einer lauen Sommernacht bei weit geöffnetem Fenster und im Lichterschein des hausrückseitigen, nachbarschaftlichen Bereichs, mit der im leichten Wind rauschenden Birke im eigenen Garten sowie mit an- und auslaufenden Lüftungsgeräuschen aus dem Keller. Wenn auch nur für einen Moment, aber diese Wahrnehmungen verschmolzen auf einmal von erstaunlich plastischer Art und Weise zu einem an meiner halb liegenden Wenigkeit auf Augenhöhe vorbei fahrenden weißen Katamaran! Ich konnte die Welle förmlich zischen und schwappen hören, das Sonnenlicht im Meereswasser glitzern sehen, eine salzige Meereskühle spüren, schaute gleichermaßen zur strahlend-weißen Erscheinung auf und dachte wohl noch darüber nach, ob ich vom Wellenschlag nass werden würde! Ein kurzer Eindruck nur, wie immer, aber eben sensationell intensiv für den Moment...
Ansonsten war Cannabis, bei aller abwechslungsreichen und immer individuellen Detail-Phantasterei zumeist eher immer Dasselbe und auch längst nicht zum D’ranbleiben. Aufhören leicht gemacht. Es gibt weiß Gott noch andere Dinge im Leben, und er war mir bloß ein sporadischer Gefährte, der selbst bei etwaig regelmäßigem Aufkommen niemals das Kommando hätte übernehmen können. Es wird aber so sein, dass entsprechend unterschiedliche Sorten mehr Abwechslungsreichtum bringen, die aber auch notwendiges Einschätzungsvermögen für die individuelle Ausrichtung und Stärke erfordern. Erwachsener, kontrolliert langsamer, inhalativer Konsum über gemäßigte Medien bleibt nach wie vor der beste Cannabis-Ratgeber, also möglichst keinen Bong o.ä. verwenden, und auch nicht essen oder trinken! Tipp: Vaporizer! Gesünder, aber auch intensiver als eine Tüte, daher Konsum-Intervalle vergleichsweise reduziert und verzögert anpassen! Dosis-Anpirschen wird sowieso immer der Schlüssel sein. Und gehört man zu einer Risikogruppe, die zu „0,00...?... %“ anders und problematisch reagiert, findet man dies wie bei Alkohol und Tabak ja auch, mit denen man ja Dasselbe erfahren kann, nur durch Ausprobieren heraus. Dass die legalen Stoffe ein vergleichbares Potenzial haben, wird gerne mal verschwiegen oder nicht gewusst.
Und Coca, um nur in einem ausreichenden Satz sprechen zu brauchen, hat prima und zu 100% natürlich beim chronischen Reizmagen und Kreislaufproblemen geholfen, ein Erfolg auf ganzer, und dabei leichter, gesunder Linie!
Der Autor führt seine langjährige Abstinenz und Neuerungssondierung auf jeden Fall bis zur deutschen Legalisierung weiterhin fort, letztere ließe laut Ärzten wohl auch nicht mehr lange auf sich warten und wird von vielen befürwortet. Spanien beispielsweise, inzwischen das neue Holland, hat im Privaten in jeder Hinsicht Unantastbarkeitsstatus, solange Andere nicht gefährdet werden. Warum auch nicht sollte auch in Deutschland die Souveränität des Einzelnen wiederhergestellt werden? Zurück in’s vorige Jahrhundert, das noch keine BTM-Entmündigung hatte! Return of the Homegrown, da weiß man, was man hat! 100% Natur ohne Verunreinigungen, Zusätze, etc., und die in Südamerika behördlich kontrollierte und protegierte Coca bestellen dürfen, na klar! Die zahlreichen Anbieter vom losen Blatt bis zum Teebeutel sind absolut vertrauenswürdig, denn welches Volk würde schon sein kulturell-religiöses Gut Nr.1 nicht in bestmöglicher Art und Weise anbieten? Das wäre ja sonst ein Frevel! Am Besten mal dort Urlaub machen, Coca umgibt einen überall in allen Formen und Mengen. Bereits am Flughafen werden ungeübt Höhenkranke von Krankenschwestern literweise mit Coca-Tee erwartet.
Man stelle sich vor, ein Bäcker oder Bier-Brauer hierzulande hielte sich nicht an übliche Vorgaben oder Traditionen, zumal sie stolz darauf sind! Und nicht, dass das Stehaufmännchen von damaligem Kommissar jetzt auf einmal vorschnellt und sagt: „Ja, wir Deutschen haben uns auch über Jahrhunderte an Brot und Bier gewöhnt!“, als käme ein immer nur nach Strohalmen greifender Kommentar aus dem blau-weißen Lager; ich bin mir sicher, Winnetou hat oder hätte das brüderlich geteilte Brot und Bier mit Old Shatterhand gut vertragen, hätte man ihn nur in den Saloon gelassen! Spätestens jedoch am gemeinsamen Lagerfeuer konnte man sehen, dass er keine abnorme oder abweichende Reaktion nach dem Verzehr zeigte. Gut, Zöliakie kommt überall mal vor, und indigene Asiaten wie Amerikaner weisen meistens Lactoseintoleranz auf, aber ich glaube, damals wurde in Amerika noch nicht mit Milch gebacken ...! Drogenwirkung und Suchtneigung hat primär einfach nichts mit ethnischer Zugehörigkeit zu tun, sondern mit genetisch unabhängigem, kurzfristigem Lerneffekt und aufbauenden Erfahrungswerten, der Stoffwechsel schon etwas eher, da Asiaten, enzymatisch bedingt, Alkohol nicht so schnell abbauen können. Vielleicht rührt auch daher die Western-Mär, dass indigene Amerikaner immer gleich hoffnungslos dem Feuerwasser verfielen; wahrscheinlich war es eher so, dass der mit Asiaten verwandte Metabolismus den Abbau der Droge nicht so schnell zuließ wie bei den Weißen, und manche Weiße die eingeschränkte Situation der Ureinwohner ausgenutzt hatten, um sie besser schikanieren und übervorteilen zu können.

Hilfreiches Gras

Dem Autor half Gras ansonsten immer am Besten, um entweder gut von etwas ’runter zu kommen, oder vor allem, um einschlafen zu können. Der eine oder andere kennt das: Bestimmte Ereignisse der Gegenwart oder des kommenden Tages bewegen einen derart, dass man einfach nicht ein- oder durchschlafen kann und sich am nächsten Tag unwohl, kribbelig und groggy fühlt, außerdem die mentale Fahne auf Halbmast hat. Mit Gras am Vorabend, hingegen, ist man „entertaint“ leicht abgelenkt durch seine Wahrnehmungen und schläft deshalb, ohne an den Hintergrund des potenziellen Einschlafproblems zu denken, zumeist einfach ein und durch! Am nächsten Morgen ist man frisch, ausgeruht und selbstverständlich nüchtern. Die Ironie an dieser vorbildlich, gesund und konstant funktionierenden Geschichte: Sie ist verboten, obwohl man fit für den Tag ist. Eine schlaflose Nacht hingegen wird mit der Fahrtüchtigkeit von einem Promille Alkohol gleichgesetzt! Man führe also unausgeschlafen in einem sonst rechtswirksamem Maße berauscht bzw. adäquat beeinträchtigt und Andere sowie sich selbst gefährdend, aber legal; und im vorabendlich behanften, sodann frischen, nüchternen Fall, hingegen illegal! Kuriose Welt ...
Die schwer aus dem Quark kommende Politik versucht möglichst nicht zugeständiger vorzustoßen, als nötig, viele, wie bislang in den USA auch, sehen auch nur ihre eigene Karriere, die sie mit konträrer Haltung zu verbessern glauben, sie müssen der Wählerschaft (nach eigenen Worten) ja irgend etwas versprechen, das sie erreichen würden(!), es hat also primär für viele Politiker keinen kausalen Schwerpunkt; Reagan z.B., war in der Hinsicht der Schlimmste; daher dreht sich wohl auch bei uns seit Jahren eine Liberalisierung der Situation zumeist nur übervorsichtig um schlimmste Härtefälle, dabei können unzählige leichte und nicht so chronische Beschwerden genauso gut und risikofrei mit Hanf behandelt werden, und dies ohne Nebenwirkungen wie bei Medikamenten, und ohne das Trinkwasser noch mehr mit solchen Rückständen zu belasten. U.a. ist der Autor einer von vielen, die Petitionen an den Bundestag, die politischen Parteien und Krankenkassen-Zentralen einreichten, um einer Vielzahl unzutreffend gelisteter Stoffe neu bewerten zu lassen.

Gesunde Coca, prominenter Befürworter und Konsument

Schön ist auch, dass der Papst als Vorbild bewusst öffentlich bekundet, bei seinen Reisen nach Südamerika Coca-Blätter lutschen zu wollen, die der jeweilige Kulturminister selbstverständlich gerne bereit stellt, ist doch klar. Coca ist, und da kann der Autor ebenfalls nicht nur theoretisch mitreden, absolut gesund und vertretbar, ohne Einschränkung, das kann noch nicht mal Cannabis von sich sagen. Wer jedoch interkontinentale Bestellungen tätigt, fällt oberhalb von ca. 600g Coca (keine Gewähr!) behördlich auf! Also richteten sich die Petitionen auch vordergründig nach der komplett alltags- sowie für jedes Alter tauglichen und im klassischen Sinne rausch- und suchtfreien Coca. Auch um grundsätzliche Prüfung nach aktuellen und zutreffenden Maßstäben und auf die Bürgerrechte wurde verwiesen. Gesetzeskritiker meinen sogar, dass das hier angewendete Strafrecht unvereinbar mit Grundrechten sei, man nämlich nicht strafbar sei, wenn man Andere nicht schädige. Und das ist ja gegeben. Die andinen Länder sind bereits aus dem internationalen Abkommen wieder ausgetreten, und wir können das auch!

Prominentester Hanf-Mitstreiter

Barack Obama rief bewusst zum Experimentieren mit Cannabis auf, es sei nicht schädlicher als Alkohol. Die hanf-liberalen US-Staaten haben wenig Zwischenfälle verzeichnet, dennoch übertreiben es die Amis gerne mal: Ess- und trinkbare Cannabisprodukte sind einfach ein No-Go, gerade, wenn sie auch noch als Süßwaren daher kommen, wirken THC und CBD über den Verdauungstrakt doch erst nach ca. einer halben bis 3 Stunden(!), das ist weder bedürfnisgerecht noch vernünftig zu dosieren ...! Aber ansonsten zumeist alles top in Amiland, das Branchenwachstum potenziert sich ebenfalls. Schön auch, das Obama aus eigener Erfahrung mitreden kann; viele, die Einfluss haben, können das nämlich nicht, und vertreten gerne mal nur abweichende Interessen. In seiner alten Heimat soll er „roof hits“ (in etwa: Dach-Treffer) in alten VW-Bullis praktiziert haben. Dazu trafen sie sich zu mehreren, rauchten bei geschlossenen Fenstern und standen danach auf, um die an die Decke gestiegenen Schwaden auch noch in sich aufzunehmen!
Rap-Altmeister Snoop Dogg kommt hin und wieder im Weißen Haus vorbei, und zieht sich dort die eine oder andere Tüte ’rein, und das vielleicht auch nicht nur allein! Yo, in da (white) house! Sein Rekord nach eigenen Angaben: 30 Tüten, aber er muss natürlich sein Image pflegen, und darf nicht zu weich rüber kommen! Und die Arbeit an seiner forciert-grasigen Gangster- und Club-Erscheinung scheint ihm zu gelingen, wie seine Messages über die Musik und das Gebahren in Filmrollen unschwer erkennen lassen. Inzwischen ist er artiger geworden, kein Gangster mehr sondern ein Rastafari. Heißen tut er inzwischen Snoop Lion, durch ein hochrangiges Rasta-Mitglied umgetauft! Das tut dem Kiffen keinen Abbruch, im Gegenteil, da es auch als primärer, religiöser Bestandteil der Rastafari gilt, weil es sie Gott und den christlich basierten Ursprüngen näher bringe! So be it. Sollen die Schwaden im hochheiligen First-Ami-Hause zur Decke steigen, die Verfassung von Washington soll es ja zulassen.

Offizielle Erschwernis in Deutschland

Man kann über eine Behörde, das BfArM, in einem Begleitprogramm mit dem Hausarzt eine Sondergenehmigung erhalten, „wenn alle regulären Mittel zuvor ausgeschöpft wurden, und nicht so gut wie der erbetene Stoff geholfen haben“. Soweit die Theorie. Coca hat mir gut geholfen, und reicht völlig aus, so dass ich keine weitere Chemie ausprobieren müssen möchte, nur um einem unnötigen und unverhältnismäßigen, mauernden Bürokratismus gerecht zu werden, dessen Fundament noch dazu auf Sand erbaut wurde! Tatsächlich bekommen selbst die Allerwenigsten der chronisch Krankesten eine Sonder-Erlaubnis, für welchen Stoff auch immer, noch dazu wurde Coca wohl bislang kaum thematisiert, die Zuteilungsquote liegt tatsächlich niedriger als ein Lottogewinn, wofür brauchen wir dann die Behörde überhaupt? Wenn wir wirklich über so marginale Dinge erst noch lange zetern und betteln müssen, und mir das BfArM bereits nur im Falle von Coca knauserig-amtlich-verhermt Absagen erteilt und lediglich auf geltendes Gesetz und geringe Chancen verweist, stimmen Grundsätzlichkeiten im Lande nicht. Und kausal gehört mindestens der private Umgang mit in Frage kommenden Stoffen straffrei gestellt. Da sind wir nämlich im Vergleich zu anderen sogar zunehmend europäischen Ländern bereits Nachzügler. Dass hingegen harte, KO- und Designerstoffe abschließend unerwünscht sind, dürfte einhellig klar sein.

Deutsche, die also nicht auswandern möchten, um zu ihrem Recht zu kommen, brauchen neue Gesetze bzw. den Beleg, dass geltendes Gesetz oder Strafrecht nicht greift. Ich sehe nicht mehr länger ein, warum mir der Umgang mit noch dazu so weitaus niederschwelligen Dingen verwehrt wird, die ich souverän und konstant handhaben kann. Nach bestem Wissen und Gewissen kann ich somit aufrufen: „Legalize coca first! Legalize it even before cannabis!“

Es ist nun an der Politik, damit aufzuhören, den Schwarzen Peter nur in der Runde herumzuschieben, oder ihn gar zweckzuentfremden, und die Karte aus dem Spiel endlich zu entfernen. Mann oder Maus?

17.7.15 17:53, kommentieren

Die Sonne geht, das Fußvolk Nosferatus kommt

Mal eben schnell noch dieses oder jenes aus der Situation heraus erledigen, eine Gartenarbeit vielleicht, oder eine Radtour mit anschließender Einkehr, das bombige Wetter muss noch genutzt werden; mit zur Neige gehendem Tag hat man unvorbereitet oder pragmatisch oft nicht die Rechnung mit den Wirten der Finsternis gemacht. Zumindest, wenn man der entsprechende Stoffwechseltyp ist.

Radrunde und nicht minder schweißtreibende, anschließende Grünpflege

Es bot sich an: Die Tage waren lang und warm, da konnte nach der späten, schwitzigen Radtour eben noch der Bodendecker gestutzt werden, das nachträgliche Duschen ist dann bloß ein einziger, sprichwörtlicher Abwasch. Die direkte Sonne war schon längst verschwunden und das mitteleuropäische, dunstig-schwüle Sommerwetter trieb einem um die Tageszeit immer noch weiteren Schweiß aus den Poren, als eine vergleichsweise trockene Hitze das dagegen vermocht hätte. Dass hier aber fast immer erst ein Gewitter nötig war, um sich abzukühlen, wenn es denn überhaupt kam ...!
Inzwischen waberten diverse Dünste durch ’s Dickicht und um das geschossene Maigrün, da insbesondere die umgebenden empfindlicheren Grab-Pflanzen zuvor gegossen werden mussten. Ich hatte es unterschätzt. Es hatte gewaltig ausgeschlagen, und die Schere konnte immer nur wenige Zweige gleichzeitig erwischen, eine Akku-Heckenschere wäre vorteiliger gewesen. Das durch die Dünste zuweilen mitschwingende Sirren störte nicht weiter, ich war ja im Freien, da gibt es nun mal Mücken und Stechfliegen, und ich würde sowieso gleich fertig sein, bevor sie micht witterten. Dieses „gleich“ zog sich selbstverständlich länger hin, als vermutet, und obwohl es langsam dunkel wurde, genoss ich den feuchten Erd- und Blumendunst; das auf den Blättern verbliebene Gießwasser, das ich unwillkürlich hier und da mit Armen und Beinen abstreifte, war eine willkommene Erfrischung, dennoch war die Flüssigkeiten-Temperatur-Bilanz zwischen mir und meiner Umwelt immer noch deutlich schweißlastig, und womöglich bekamen die Pflanzen mehr Säfte meiner Extremitäten ab als ich Wasser von ihren Zweigen. Sicher, es zwickte mal hier und da, wo ich reflexartig leicht drüber wischte und gleich weiter arbeitete, da ich das Restlicht noch ausnutzen konnte und es auch schaffte, mit dem letzten Tageslicht die Arbeit zu beenden.
Der schweißnasse Körper fühlte sich auf dem Heimweg in der spätabendlichen, unwesentlich abgekühlten Luft angenehm frisch an. „Fahr’ noch einen kleinen Umweg, das tut so gut, genieß’ das Prinzip der Verdunstungskühle“, hörte ich die innere Stimme. Denn am Meisten macht bewegte Luft nun mal mit feuchter Haut Sinn, sonst kann man die Körpertemperatur mit Wind allein nur begrenzt senken. Und die Außentemperatur, um von der Seite her helfen zu wollen, war dazu eben immer noch nicht hinreichend abgefallen. Feuchte Oberflächen führen Wärme aus dem Inneren schneller ab, das ist die Physik dahinter. Und von wegen Verkühlen: Sicher, ich hatte bei eisigem, starkem Winterwind und –20°C schon mal eine einseitige Kopferkältung bekommen, da ein einzelner Ohrenschützer nicht ausreichte, aber da sprechen wir ja jetzt von einem Temperaturgefälle von ca. 50°C und überstarkem Wind! Man kann sich in der Regel im Sommer nur schwer verkühlen, es sei denn, man befände sich vergleichsweise reglos oder unzureichend bekleidet in einem von Baulichkeit oder Topographie vorgegebenen übermäßig kalten und starken Windkanal und würde die Körpersignale konstant ignorieren. Kurz bevor die fünfminütige Heimfahrt bewältigt war, kamen gleichermaßen Freude wie Enttäuschung darüber auf, dass die Kleidung beinahe wieder trocken war und die nächsten Schweißtendenzen sich bereits wieder abzeichneten; im Nachhinein gedacht, hätte ich eine Gartendusche gehabt, hätte ich mich so wie ich ankam darunter gestellt und noch eine kleine mitternächtliche Tour angeschlossen.

Kontaminierte Wunde bringt bakterielle Infektion und kränkliches Befinden

Am nächsten Tag hatte das rechte Bein unterm Innenknöchel am Schuhansatz (die stechen auch durch die Kleidung!), am Schienbein und an der unteren rechten Wade feuerrote Quaddeln, die mindestens der Größe von Hartgeld oder dem Vielfachen davon entsprachen! Im Laufe von 3 abwartenden Tagen in Selbsttherapie mit Ibuprofen, rohen Zwiebeln und Knoblauch in rauhen Mengen (anknüpfend an ein antikes griechisches Rezept gegen Schlangenbiss!) und gekühltem Hochlagern des Beins entwickelte sich keine Rötungserweiterung mehr, aber auf einmal eine Schwellung von der Fußdecke bis hoch in die Wade, und ich fühlte mich eher noch schlechter und schlapper. „Mist! Sollte ich schon wieder ein Erysipel, also eine Wundrose, bekommen haben? Bitte nicht! Keine unbedingte Lust auf eine tägliche Trombosespritze und 3 gigantische Penicillin-Tabletten, echt nicht! Und du weißt doch, dass das immer wieder auftritt, wenn man sich schwitzig in kurzen Sachen den Blutsaugern anbietet! Und der Arzt hat dir die letzten Male schon gesagt, dass das im Wiederholungsfalle die Lymphgewebe mit der Zeit immer anfälliger macht!“, kam es selbstvorwurfsvoll geballt in mir auf, aber das fiebrig-kranke, abgeschlagene Gefühl vom ersten Tag an ließ keinen Zweifel an besagter Streptokokkeninfektion aufkommen. Ich musste zum Fachmann. Mehrere wechsel-axilare Temperaturmessungen je mit zwei Thermometern ergaben zumindest kein Fieber (links 36,5 und rechts 37,5). Soweit so gut, auch wenn der Kopf und die betroffenen Stellen heiß waren und ich mich entsprechend fühlte und nachts mit schnellerer Atmung als üblich und Unwohlsein nur schlecht zu schlafen vermochte. Wenigstens meinte der Arzt, ich könnte dieses Mal auf die Spritzen verzichten, die 1000er Amoxis mussten dennoch sein, um die mikrobielle Brutstätte im Körper abzutöten, bevor sie weiteren Schaden anrichten konnte. Sicher, viele Male mochte es auch ohne Zwischenfälle von alleine abheilen, aber das russische Roulette sollte man besser nicht spielen, wie im Weiteren verschiedentlich ersichtlich wird. Schließlich geht es um nichts Geringeres, als Lymphschäden, Blutvergiftung und den Tod abzuwenden.

Was im Körper passiert

In jungen Jahren geht so etwas meistens von alleine problemlos wieder weg oder verläuft oberflächlich, und die körperliche Reaktion ist noch nicht so ausgeprägt. Man infiziert sich halt dadurch, dass man vielleicht eine verunreinigte Wunde hat, oder sich den Dreck eines Fliegenstichs in besagten -Kanal wischt, sofern das abgesonderte Insektensekret nicht sowieso schon kontaminiert war. Grundsätzlich kann durch evtl. Anliegen von sonstigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen schnell eine Komplikation eintreten. Im Wiederholungsfalle gleicher Körperstellen und mit dem Alter sowieso geneigter. Insbesondere Kreislauf-, Immun- oder Lymphsystemschwäche sowie Diabetes oder Kopfnähe der Verletzung wären als dringlicher Aufruf zum sofortigen Arztgang zu nennen. Unbehandelt neigt es zu aufbauend verschlimmernden Gewebeschäden von Mal zu Mal, dadurch dass Bakterien das für Abtransport zuständige Lymphgewebe gewissermaßen unfähiger und schwellungsneigender machen, alle Kontaktbereiche entzünden und jedes Mal weiter für Verklebungen der Lymphbahnen sorgen können. Eine Allergie ist das nicht, und hiervon eindeutig abzugrenzen. Auch Rückfallquoten bei ungünstigen Begleitumständen gibt es, weil vielleicht etwa die Antibiose nicht adäquat eingehalten und sich nicht genügend geschont wurde; außerdem kann später im Leben Elephantiasis (bleibende, Lymph-Gewebeschwellung) aufttreten, zumindest bei wiederholt betroffenen Körperstellen. In Kopfnähe bestehende Verletzungen können sogar Thrombosen und Meningitis verursachen.
Also zum Arzt! Wer die Infektion schnell realisiert, hat ansonsten noch die Chance, zunächst in Eigenregie die Haut zu reinigen, eine tiefenwirksame Paste aufzutragen und zu verbinden. Hier hilft eigentlich nur Jod- oder Silbernitratsalbe. Erstere desinfiziert von außen tiefstmöglich, und die Zweite sorgt für den gesonderten Heilungsprozess der Haut, unabhängig vom Lymphgewebe. Das trifft man je nach Arztpraxis unterschiedlich an bzw. hängt wohl damit zusammen, wie vergleichsweise frisch oder bereits weiterentwickelt die Wunde eben ist. Eine vergleichsweise junge Infektion kann man nämlich oft schon mit täglich neuer weitflächig aufgetragener Jodsalbe in den Griff bekommen. Dies am Besten bis über die sekundäre Rötung hinaus und dazu Ibus einwerfen, beobachten und kurzfristig Weiteres entscheiden. Sollten die charakteristischen Beschwerden zunehmen, waren die Keime wohl bereits schneller. Die üblichen allgemeinen Mittel dienen zumeist nur der Linderung des Juckreizes. Das Bein juckt nicht mehr, aber das Fleisch und der Körper werfen bereits das Handtuch, so ungefähr!?! Oftmals werden auch in nachhaltiger beurteilten Fällen Krankenhausaufenthalte notwendig, um Antibiotika per Tropf zu verabreichen und sogar auch die betroffene Stelle zu öffnen, wenn ein eigenständiger Heilprozess erschwert ist.
Hinter vorgehaltener Hand bekam ich von der Arzthelferin einer nicht-homöopathischen Praxis im Verbandsraum einen eben doch pflanzlich basierten Akut-Tipp: 5 Globuli Ledum D12 auflösend lutschen und die Spucke auf den Stich aufbringen. Halbstündig zum oral-intestinalen Verbleib wiederholen, spätestens am Folgetag auf 3x täglich reduzieren, ein Fläschchen könnte man immer dabei haben ...!

Wie man vorbeugen kann

Für sich langsam bewegende, zum schnellen Dampfen neigende Naturfreunde und Outdoor-Aktive bleiben in den relevanten Jahreszeiten nur Schutzmaßnahmen. Egal wie gut ein Repellent sein soll, das man ja auch nehmen kann, besser noch gilt es, lange und geschlossene Kleidung zu tragen. Und wenn der Nachbar bei 35°C im Schatten die lange Hose, die in halbhohen Stiefeln steckt, zu ergründen sucht, hat man halt eine Geschichte zu erzählen ...! Früher sind die Menschen auch manches Mal schlichtweg daran gestorben, weil sie sich nicht besser zu helfen wussten und ihre Krankheit bestimmt auch ganz anders interpretierten.

10.7.15 15:58, kommentieren